Wolf im Kanton Zürich

Naturschützer fordern «Nebeneinander» von Mensch und Wolf

12. April 2022, 12:47 Uhr
Die 25 toten Schafe, die ein Bauer Ende März in Bonstetten auf seiner Weide gefunden hatte, wurden definitiv von einem Wolf gerissen. Das bestätigen die Auswertungen der durchgeführten DNA-Probe. Während Pro Natura ein friedliches «Nebeneinander» fordert, hält der Zürcher Bauernverband an seiner Meinung fest: «Der Wolf gehört hier nicht hin.»

«Zäune und Nerven stärken», schrieb Pro Natura in einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung. Das sei die Antwort, nicht etwa der Abschuss des Wolfs. Einen hundertprozentigen Wolfsschutz gebe es nicht. Die Medienmitteilung wurde wenige Stunden vor der Nachricht des Kantons verschickt, mit welcher bestätigt wurde, dass ein Wolf die 25 Schafe in Bonstetten gerissen hatte.

«Die Schafe in Bonstetten waren eingezäunt»

Um Schäden durch den Wolf in der Tierhaltung aber auf einem tiefen Niveau zu halten, braucht es laut Pro Natura eine Verstärkung der Zäune. Anders sieht das Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands. Der Bau von dauerhaften Zäunen oder der Ausbau bestehender Zäune sei für Bauern oft ein zu grosser Aufwand. Ausserdem würde das seiner Meinung nach nicht viel an der Situation verbessern. «Die Schafe in Bonstetten waren schliesslich auch eingezäunt.»

Quelle: ArgoviaToday / Severin Mayer

«Herdenschutzhunde würden für den nächsten Konflikt sorgen»

Als weitere Massnahme zum Schutz vor dem Wolf schlägt Pro Natura den Bauern vor, Herdenschutzhunde einzusetzen. Auch von dieser Idee hält Ferdi Hodel nicht viel: «Solche Hunde würden im Siedlungsgebiet für den nächsten Konflikt sorgen.» Herdenschutzhunde seien darauf abgerichtet, eine Herde um jeden Preis zu beschützen. Vorbeigehende Passanten könnten sich vor dem Tier fürchten, meint Hodel.

«Der Abschuss ist die einzige Lösung»

Für den Bauernverband bleibt deshalb ein Abschuss nach wie vor die einzige Lösung. «Der Kanton Zürich ist das falsche Gebiet für den Wolf.» Zielkonflikte seien im Siedlungsgebiet vorprogrammiert. Für den Bauernverband ist eine Koexistenz, wie sie Pro Natura vorsieht, also nicht möglich. Ferdi Hodel geht davon aus, dass ein Grossteil der lokalen Bevölkerung diese Meinung teilt. «Vorher war der Wolf ein Problem der Bergkantone. Jetzt ist er auch hier eine Gefahr und die Menschen kriegen zunehmend Angst.»

Ob sich der Wolf von Bonstetten überhaupt noch in der Region aufhält, ist momentan unklar. Bei Immensee im Kanton Schwyz wurde vor rund zwei Wochen ein Wolf tot auf einem SBB-Bahngleis aufgefunden. Immensee ist nur ein paar dutzend Kilometer von Bonstetten entfernt – es kann also sein, dass es sich um das gleiche Tier handelt und der Bonstetter Wolf bereits tot ist.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 12. April 2022 07:37
aktualisiert: 12. April 2022 12:47
Anzeige