Regierungsratswahlen Zürich

Kandidierende wollen sich für weniger Fluglärm einsetzen

16. Januar 2023, 08:32 Uhr
Die Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten haben zum Flughafen Zürich und der damit verbundenen Lärmbelastung unterschiedliche Haltungen. Dies ergab eine Umfrage des Vereins «Flugschneise Süd – NEIN».
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Die Corona-Pandemie sorgte in den letzten Jahren für weniger Fluglärm. 2021 waren 20'071 Personen vom Lärm betroffen – im Vergleich zu 58'300 Personen im Jahr 2019. Doch das dürfte sich wieder ändern: Flughafen-Chef Stephan Widrig geht davon aus, dass die Passagierzahlen in zwei oder drei Jahren wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen werden.

In der Umfrage des Vereins «Flugschneise Süd – NEIN» sind sich alle Regierungsrats-Kandidierenden einig: Der Fluglärm beeinflusst die heutige und zukünftige Lebensqualität der Bewohnenden der Region negativ. Alle Politikerinnen und Politiker wollen sich nach einer erfolgreichen Wahl für die Verringerung der Lärmbelastung einsetzen.

«Lärm ist eine Belastung, aber unvermeidbar»

Carmen Walker Späh (FDP, bisher) sieht die grösste Herausforderungen darin, die Interessen des Flughafens und jene der Siedlungsentwicklung möglichst gut aufeinander abzustimmen. Massnahmen zu Lärmverringerungen seien mit der Verlängerung der Nachtruhe bereits getroffen worden. Sie ergänzt jedoch: «Verbesserungspotenzial sehe ich in der Zeit zwischen 23 und 23.30 Uhr, die für den Verspätungsabbau vorgesehen ist.»

Martin Neukom (Grüne, bisher) relativiert: «Lärm ist eine Belastung, jedoch zu einem Teil unvermeidbar.» Wichtig sei, dass der Flughafen die Nachtruhe einhalte.

«Müssen lernen, aufs Fliegen zu verzichten»

Der Flughafen Zürich ist ein sogenannter Hub-Flughafen, auch Drehkreuz genannt. Hier steigen viele Passagiere auf Kurz-, Mittel- und Langstrecken-Flüge um. Als wie wichtig erachten die Kandidierenden diese zahlreichen Zu- und Wegbring-Flüge?

Priska Seiler Graf (SP), Anne-Claude Hensch (AL) und Patrick Jetzer (Aufrecht) finden den Hub-Betrieb des Flughafens nicht wichtig. Anders sieht das Walker Späh: «Der Flughafen Zürich stellt als grösster Landesflughafen die internationale Verkehrsanbindung der Schweiz und des Kantons Zürich an die Welt sicher.» Walker Späh vertritt den Regierungsrat im Verwaltungsrat des Flughafens.

Hans-Peter Amrein (parteilos) schlägt einen partiellen Hub vor, bei dem die Swiss mit der Lufthansa zusammenarbeitet. Bernhard Schmidt (parteilos) sagt: «Wir müssen lernen, auf das Fliegen zu verzichten.»

Flughafen Zürich soll nicht weiter wachsen

Für ein weiteres Wachstum des Flughafens Zürich spricht sich keiner der teilgenommenen Kandidatinnen und Kandidaten konkret aus. 

Neu-Kandidatin Seiler Graf sagt: «Ich bin gegen jegliche Massnahmen, die zu einem Kapazitätsausbau führen können. Dazu gehören neben dem Südstart geradeaus auch die Pistenverlängerungen.»

Linke für weniger Flüge – ausser einem

Für eine Reduktion der Anzahl Flugbewegungen wollen sich alle Mitgliederinnen und Mitglieder der linken Parteien nach ihrer erfolgreichen Wahl einsetzen – bis auf Martin Neukom. Der Grüne-Politiker und jetzige Regierungsrat und Baudirektor ergänzt auf Anfrage von ZüriToday: «Aus meiner Sicht ist es grundsätzlich erstrebenswert, die Anzahl Flugbewegungen zu reduzieren. Dies aus Gründen von Lärm- und Klimaschutz.» Er sei jedoch im Regierungsrat nicht für den Flughafen zuständig.

Diese Kandidierenden nahmen an der Umfrage teil:

  • Carmen Walker Späh (FDP, bisher)
  • Mario Fehr (parteilos, bisher)
  • Martin Neukom (Grüne, bisher)
  • Priska Seiler Graf (SP)
  • Anne-Claude Hensch (AL)
  • Patrick Jetzer (Aufrecht)
  • Hans-Peter Amrein (parteilos)
  • Bernhard Schmidt (parteilos)
  • Benno Scherrer (GLP) 

Trotz Fristverlängerung liessen Natalie Rickli (SVP), Jacqueline Fehr (SP), Silvia Steiner (Die Mitte), Ernst Stocker (SVP) und die anderen Neu-Kandidierenden die Anfrage des Vereins unbeantwortet.

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(gin)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 16. Januar 2023 07:16
aktualisiert: 16. Januar 2023 08:32