Nach Abstimmung

Zunft zur Meisen will künftig Frauen aufnehmen

5. November 2022, 06:52 Uhr
Frauen dürften in Zukunft ebenfalls bei der grössten Zürcher Zunft mitmachen. Eine Mehrheit der Zünfter haben sich in einer Abstimmung dafür ausgesprochen.
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Die Zürcher Zunft «zur Meisen» hat in einem Grundsatzentscheid der Aufnahme von Frauen in Zukunft zugestimmt. 76 Prozent der Meisen-Zünfter stimmten dafür, dass künftig nicht nur Zünfterssöhne, sondern auch volljährige Zünfterstöchter als ständige Gäste an allen Zunftanlässen inklusive Sechseläuten teilnehmen können. Dies schreibt der zuständige Zunftpfleger in einer Mitteilung vom frühen Samstagmorgen.

Erst steht Übergangsphase an

Die Statuten würden aber nicht sofort geändert. Erst nach einer Probezeit von fünf Jahren soll darüber nochmals abgestimmt werden. Frauen sollen dann nicht nur als Gäste, sondern auch als Mitglieder aufgenommen werden können.

«Die Übergangsphase erlaubt es, Erfahrungen zu sammeln. Insbesondere wird sie zeigen, wie gross das Interesse von Frauen tatsächlich ist, am Zunftleben teilzunehmen», so die Mitteilung.

«Jede andere Zunft soll selbständig bestimmen»

Die «Meisen» nimmt mit dem positiven Abstimmungsresultat eine Vorreiterrolle ein. Die Vorsteherschaft betont aber, dass jede andere Zürcher Zunft selbständig bestimmen soll und kann, ob und wann sie ebenfalls Frauen stärker integrieren möchte.

Frauen haben in der langen Geschichte des Zunftwesens des Öfteren eine Rolle gespielt, wie die Zunft in der Mitteilung weiter schreibt. Noch im Ancien Régime sei es Frauen erlaubt gewesen, das Geschäft ihres verstorbenen Ehemanns zu übernehmen und an seiner Stelle in die Zunft einzutreten.

«Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war es in der Zunft zur Meisen zudem möglich, dass ledige Töchter die Partizipationsscheine ihrer Väter und Grossväter übernehmen konnten. 1891 waren 24 der insgesamt 244 Scheine in weiblicher Hand. Die letzte Frau, die bis zu ihrem Tod im Jahr 1924 als Partizipantin eingetragen war, war Bertha von May», heisst es weiter.

(lol)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 5. November 2022 06:53
aktualisiert: 5. November 2022 06:53