Zürich

So wollen Zürcher Rettungsdienste gegen den Personalmangel ankämpfen

Sanität am Anschlag

So wollen Zürcher Rettungsdienste gegen den Personalmangel ankämpfen

27.01.2023, 18:55 Uhr
· Online seit 27.01.2023, 18:20 Uhr
Der Fachkräftemangel hat die Rettungsdienste erreicht. Trotzdem müssen immer mehr Einsätze geleistet werden. Rettungsdienste im Kanton Zürich ergreifen jetzt Massnahmen wie höhere Löhne, um wieder mehr Personal zu rekrutieren.

Quelle: CH Media Video Unit / Katja Jeggli / BRK News

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Mittlerweile kommt es regelmässig vor, dass Schutz & Rettung Zürich nicht alle Rettungswägen besetzen kann. Die Auslastung der besetzten Rettungswagen steigt und damit auch die Belastung der Rettungssanitäterinnen und -sanitäter. Der Fachkräftemangel hat längst auch die Rettungsdienste erreicht.

Vergangene Woche hatte der Berufsverband Swiss Paramedic seine Besorgnis über den Fachkräftemangel im Rettungsdienst ausgedrückt. Viele Rettungsdienste in der Schweiz haben offene Stellen, welche sie nicht besetzen können. Bei Schutz & Rettung Zürich sind es aktuell rund zehn.

Schutz & Rettung Zürich ergreift Massnahmen 

Um gegen die permanente Unterbesetzung vorzugehen, habe man die Anstellungsbedingungen verbessert, sagt Michael Schumann, Bereichsleiter Sanität bei Schutz & Rettung zu BRK News. «Zum einen erhalten die Rettungssanitäter mehr Lohn, zum anderen sollen flexiblere Arbeitsmodelle und Dienstpläne die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie verbessern.» Ausserdem passt Schutz & Rettung die Einsatztaktik an. Denn es brauche nicht für jeden Einsatz einen Rettungswagen mit zwei diplomierten Rettungssanitäterinnen.

Diese neue Einsatztaktik kommt in diesem Jahr in die Pilotphase. Auch Transporte in die Notfallstation eines Spitals sollen verhindert werden, wenn diese nicht unbedingt notwendig sind. Damit würden gleichzeitig auch die ebenfalls überlasteten Notfallstationen etwas entlastet werden.

«Teilweise müssen wir vier Spitäler anfragen, bis wir überhaupt einen Platz erhalten»

An vorderster Front spürt Amanda Voser die immer grössere Belastung bei den Rettungsdiensten. Seit 13 Jahren arbeitet Voser als Rettungssanitäterin. Sie hofft, dass sie bis zur Pensionierung noch im Rettungsdienst bleiben kann und will. «Es müssen sich aber sicher ein paar Sachen ändern, damit man das ein Leben lang machen kann.» Der Job sei körperlich sehr anstrengend und auch sehr belastend. Man brauche schon eine gute Bewältigungsstrategie, um das bis 65 oder sogar noch länger machen zu können.

Die Rettungsdienste sind aber nicht nur wegen des Fachkräftemangels zunehmend überlastet. Auch die Einsätze hätten massiv zugenommen. Ausserdem seien die Wartezeiten immer länger, da die Spitäler keinen Platz haben. «Teilweise müssen wir bis zu vier Spitäler anfragen, bis wir überhaupt einen Platz erhalten.»

Längere Wartezeiten überall 

Es folgt ein Rattenschwanz längerer Wartezeiten. So haben nicht nur die Patientinnen im Rettungswagen längere Wartezeiten, bis sie in einem Spital ankommen. Auch die Patienten, welche anrufen und einen Rettungswagen brauchen, müssen länger warten, weil der besetzte Rettungswagen erst noch jemanden im Spital abliefern muss.

Ausserdem nähmen gerade auch Bagatell-Einsätze massiv zu, sagt Amanda Voser. Solche hätten sie früher deutlich weniger gehabt. Und: Bagatell-Einsätze bringen die Rettungssanitäterin und ihre Arbeitskollegen in ein Dilemma. Ein Dilemma, weil sie natürlich jeden Patienten ernst nehmen und versorgen wollen. «Gleichzeitig denken wir uns, hoffentlich passiert jetzt nicht etwas Schlimmes in der Umgebung, wo dann ein anderer Rettungswagen aus weiterer Entfernung übernehmen muss.»

Denn auch bei einem Bagatell-Einsatz ist der Rettungswagen beschäftigt und damit nicht mehr verfügbar für Notfälle. Notfälle, bei denen jede Minute zählt. So etwa bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand oder einem Herzinfarkt.

veröffentlicht: 27. Januar 2023 18:20
aktualisiert: 27. Januar 2023 18:55
Quelle: ZüriToday

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