Zürich

Mega-Rausschmiss in Uerikon – Zürcher Latino-Sänger verliert Bleibe

Gekündigte Mieter

Mega-Rausschmiss in Uerikon – Zürcher Latino-Sänger verliert Bleibe

23.02.2023, 09:07 Uhr
· Online seit 23.02.2023, 07:15 Uhr
In einer Siedlung in Uerikon bei Stäfa werden vier Wohnblöcke zugunsten modernerer Wohnungen abgerissen. Betroffen sind auch der Zürcher Latino-Sänger Joandris Suárez und seine Familie. Die Nachricht sei ein Schock gewesen, sagt er.
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Abgesehen vom jahrelangen Schimmel in einem Zimmer, lief für Joandris Suárez wohntechnisch gerade alles perfekt. «Ich freute mich so, endlich eine Stelle in der Nähe meines Wohnorts gefunden zu haben», sagt Suárez im Gespräch mit ZüriToday. Seit Januar arbeitet Suárez, der im Raum Zürich als Latino-Sänger bekannt ist, als Pflegehelfer in einem Alterszentrum in der Stadt Stäfa.

Mit seiner Familie wohnt der 40-Jährige im Ortsteil Uerikon in einer Siedlung an der Oberen Mattstrasse. «Vorher hatte ich immer Jobs an Orten, zu denen ich pro Tag mehrere Stunden pendeln musste.» Doch das Glück währte nicht lange.

«Werden in der Nähe kaum etwas finden»

Vor rund einer Woche flatterte eine Hiobsbotschaft in den Briefkasten der Familie. Die Verwaltung der Siedlung teilte mit, dass ihr Mietvertrag per 30. September 2023 aufgelöst werden müsse. Die Eigentümerin, die Pietro Cortali AG, will die vier Wohnblöcke abreissen und durch neue, moderne Wohnungen ersetzen.

«Die Nachricht war für uns ein Schock», sagt Joandris Suárez. Seit 2009 wohnt er mit seiner Frau und inzwischen zwei Kindern im preisgünstigen Wohnquartier in einer 4,5-Zimmerwohnung im dritten Stock. Rund 1600 Franken Miete bezahlten sie dafür. «In Stäfa oder der näheren Umgebung werden wir kaum mehr eine Wohnung zu diesem Preis finden», sagt Suárez ernüchtert. Mit dem Einkommen von ihm und seiner Frau, die als selbständige Fitnessinstruktorin arbeitet, reiche es dank einer bezahlbaren Wohnung auch einmal für Ferien, die Familie in Kuba zu unterstützen und Unternehmungen und Hobbys für die Kinder. «Das wird mit einer teureren Wohnung schwierig werden.»

«Grosses Problem für die Kinder»

Er sei aus Kuba in die Schweiz ausgewandert und könne sich schnell an neue und auch schwierige Situationen anpassen, sagt Suárez. «Aber für die Kinder ist es ungünstig, wenn wir aus Uerikon wegziehen müssen.» Der ältere Sohn besuche dort die Primarschule, der jüngere den Kindergarten. «Sie haben sich gut eingelebt und viele Freunde gefunden. Es wäre nicht ideal, wenn sie wechseln müssten.»

Laut Suárez sind vom Rausschmiss viele Familien mit Kindern im Primarschulalter betroffen. Diese suchten alle auch eine neue Wohnung in der Umgebung. «Daher wird es noch schwieriger, etwas Passendes zu finden.» Bliebe der Familie nur ein Umzug in eine weit entfernte Gegend übrig, wäre zudem das Geschäft seiner Frau gefährdet. «Sie müsste gleich nochmals von vorne beginnen», sagt Suárez. Lange Zeit führte Nicole Suárez Pineda in Stäfa ein Groupfitness-Studio. Vor einem Jahr sei ihr der Raum auch wegen Sanierung und neuen Projekten gekündigt worden, berichtet er. Mit Glück habe sie einen Raum in Stäfa und einen weiteren in Männedorf gefunden, wo sie zurzeit wieder ihre Kundschaft aufbaue.

Mieter klappert ganzen Kanton ab

Mit dem geplanten Abriss der Siedlung verlieren rund 250 Personen auf einen Schlag ihr Daheim. Auch ein alleinerziehender Vater, der anonym bleiben will, befindet sich schon intensiv auf Wohnungssuche.

Für seine Wohnung bezahle er rund 1500 Franken Miete, sagt der IV-Bezüger mit Tochter im Kindergartenalter. «Ich klappere den ganzen Kanton nach einer günstigen Wohnung ab.» Doch es sehe schlecht aus. «Wahrscheinlich finde ich nur etwas, wenn ich meine Schmerzgrenze beim Mietzins überschreite.» Dann gebe es halt keine Freizeit mehr, fügt er trocken an.

Erst am Montag wehrte sich der Mieterinnen- und Mieterverband (MV) anlässlich einer Medienkonferenz gegen die «explodierenden Mieten und kaum vorhandenen bezahlbaren Wohnungen». Auch forderte er, dass Sanierungen nicht mehr zu Leerkündigungen führen dürfen.

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veröffentlicht: 23. Februar 2023 07:15
aktualisiert: 23. Februar 2023 09:07
Quelle: ZüriToday

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