Zürich

Immobilienfirmen sind erstmals die Könige der Stadtwohnungen

Wohnungsbesitzer

Immobilienfirmen sind erstmals die Könige der Stadtwohnungen

· Online seit 04.09.2023, 10:42 Uhr
Seit 2008 ist der Anteil der Immobilienfirmen an den Stadtzürcher Wohnungen gestiegen, jener der Privaten geschrumpft. Der Präsident der Stadtzürcher SP warnt vor steigenden Preisen. Der Hauseigentümerverband beschwichtigt.

Quelle: TeleZüri / Sendung Mai 2023 / Mieterverband will Wohnraum pro Person beschränken

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Die Stadtzürcher Wohnungen sind vor allem in den Händen von Immobilienfirmen. Im Juni dieses Jahres besassen diese erstmals mehr Wohnungen als die Privaten. Seit 2008 ist der Anteil der Immobilienfirmen an den Stadtzürcher Wohnungen laut dem «Tages-Anzeiger» von 25,3 auf 33 Prozent angestiegen.

Der Anteil der Privaten ist hingegen von 42 Prozent auf 32,6 geschrumpft. Oder anders gesagt: Rund 25’000 Wohnungen haben die Immobilienfirmen in der Stadt übernommen oder gebaut. Dabei kaufen institutionelle Anleger, zu denen Pensionskassen zählen, Versicherungen, Fonds oder private Immobilienfirmen Häuser und Land von privaten Eigentümerinnen.

Stadt Zürich werde von Immobilien-AGs übernommen

Oliver Heimgartner, Co-Präsident der städtischen SP, spricht von einer Katastrophe für die Zürcher Mieterinnen und Mieter. Seit den Börsengängen der grossen Immobilienkonzerne vor rund zwanzig Jahren hätten sich die Mieten in Zürich fast verdoppelt. «Je mehr Wohnungen Renditegesellschaften gehören, desto stärker steigen die Preise.»

Anders als im Falle von Privatpersonen geht es den Immobilienfirmen bei der Wohnungsvermietung laut Heimgartner darum, ihre Rendite zu maximieren. «Das sehen wir in Zürich jeden Tag.»

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Als Beispiel dafür nennt die Zeitung ein Haus an der Weststrasse 145. Eine WG bezahlte für ihre 4-Zimmer-Wohnung mit rund 100 Quadratmetern 2120 Franken. Inzwischen hat eine Anlagestiftung für Pensionskassen das Haus gekauft und saniert. Künftig steigt der Mietzins einer 3,5-Zimmer-Maisonette-Wohnung mit 152 Quadratmetern auf 5890 Franken.

Bei fünf Häusern in zentralen Stadtquartieren, die 2022 verkauft wurden, erkundigte sich Oliver Heimgartner nach den neuen Besitzern. Dabei erfuhr er, dass es sich vor allem um Immobilienfirmen mit Sitz in Tiefsteuergemeinden wie Neerach ZH, Freienbach SZ oder Baar ZG handelte. Die Stadt Zürich werde von Immobilien-AGs übernommen, so sein Fazit.

Angenehmes Zusammenleben sei wichtiger

Der Direktor des Zürcher Hauseigentümerverbands und FDP-Gemeinderat Albert Leiser relativiert. Er macht auf Familien aufmerksam, die eine Firma gegründet hätten, um an diese ihre Immobilien zu überschreiben.

Zudem unterscheidet er zwischen Immobilienkonzernen und Kleineigentümern. Diese wohnten oft selber im eigenen Haus, sagt Leiser. Daher würden sie dieses nicht abreissen wollen. Gleichzeitig verzichteten sie auf Höchstmieten, da ihnen ein angenehmes Zusammenleben mit ihren Mietern wichtiger sei. Die Pensionskassen dagegen hätten einen anderen Auftrag. Diese müssten Rentengelder anlegen.

Laut Patrick Schnorf vom Immobiliendienstleister Wüest Partner führen institutionelle Eigentümerinnen eher Totalsanierungen durch oder erstellen Ersatzneubauten. Dies bringe Vorteile wie grosse Qualitätssteigerungen bei den Wohnungen und eine rasche Verdichtung mit sich. «Es gibt viele Mieterinnen und Mieter, die den neu entstandenen und hochwertigen Wohnraum schätzen.»

(bza)

veröffentlicht: 4. September 2023 10:42
aktualisiert: 4. September 2023 10:42
Quelle: ZüriToday

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