Zürich

Zürcher fischt gleich zwei Pistolen aus der Limmat

Waffenfund

Zürcher fischt gleich zwei Pistolen aus der Limmat

21.09.2023, 08:29 Uhr
· Online seit 21.09.2023, 08:12 Uhr
Im Zuge eines Events nahmen Lorenz K. und sein Team an einem Magnetfisch-Nachmittag teil. Daran gedacht, eine Waffe zu finden, hatte er schon. Damit gerechnet, dass das tatsächlich passieren würde, hatte er aber nicht.
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Es ist ein Hobby, das nicht viele Menschen kennen und sich doch immer grösserer Beliebtheit erfreut. Beim Magnetfischen werden tiefste Instinkte des Jagens, Sammelns und Entdeckens geweckt. Mit einem starken Magnet, einem sogenannten Bergemagnet, werden Dinge aus Gewässern gezogen, die magnetisch sind und da nicht hingehören.

Ohne jegliche Erwartung

Neben dem Spassfaktor spielt auch der Gedanke der Nachhaltigkeit eine grosse Rolle. Aus diesem Grund wandte sich Lorenz K. (45) aus Zürich an ein Team von zwei Magnetfischern. Er fragte, ob die beiden ihr Hobby auch mit seinem Team im Zuge eines Events teilen würden.

Natürlich war das Vater-Tochter-Duo sofort einverstanden und organisierte am vergangenen Dienstag einen Nachmittag voll mit Action, Schrott und Endorphinen. Was sie da alles aus dem Wasser ziehen würden, wussten die Teilnehmenden zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

«Wir bekamen erst eine Instruktion, wie das geht, auf was man achten muss und welche Risiken das Unterfangen mit sich bringen kann», erzählt Lorenz im Interview mit ZüriToday. Wie schnell es tatsächlich gehen kann, bis etwas «anbeisst», hatten alle Teilnehmenden gehörig unterschätzt.

Keine Spielzeugpistole

Umso grösser war die Überraschung, was da aus dem Wasser kam. Nach einigen Teilen von Baustellen, Sackmessern, Schrauben und Veloschlössern, hing dann der erste Mega-Fund am Magneten. «Es sah aus wie ein Revolver, wir dachten aber erst, dass es sich um eine Käpslipistole handelt», erzählt Lorenz K., der sonst eher Fische an der Angel hat statt Metallschrott.

Als er seinen Fund den beiden Organisatoren des Events zeigte, meinten diese, dass das Gewicht doch eher zu einer echten Waffe passen würde. «Das Teil war massivst verrostet und voller Muscheln und Steine», erzählt der 45-Jährige.

Zweite Waffe am gleichen Nachmittag

Mit dem Gedanken, jetzt sowieso schon den Fang des Tages gemacht zu haben, fischten die Teilnehmenden weiter. «Niemals hätte ich gedacht, dass es noch krasser wird», schwärmt Lorenz.

Es dauerte nicht lange und schon hing die nächste Waffe am anderen Ende des Seils. «Ich konnte es wirklich kaum glauben», so Lorenz. Tatsächlich fischte er eine zweite Handfeuerwaffe aus der Limmat. Diesmal aber keinen Revolver, sondern eine Pistole.

«Die ganze Gruppe ist ausgeflippt, das war schon sehr crazy», erzählt der Hobbyangler. Auch die beiden Organisatoren seien recht perplex gewesen, meint er. «Eigentlich hätte ich die Waffe gerne als Andenken behalten, unser Guide meinte aber, dass das nicht gehe und man solche Funde bei der Polizei abgeben müsse», sagt Lorenz.

Bei der Polizei abgeliefert

Das hat die Veranstalterin auch gemacht. Auf der Regionalwache Aussersihl hätten die Polizistinnen und Polizisten ebenfalls gestaunt, als sie den Fund sahen, berichtet die Veranstalterin. Die Beamtin, die die beiden Pistolen entgegennahm, habe gemeint, dass die schon lange im Wasser gelegen hätten. Die Waffen wurden in einem Beutel der Spurensicherung verpackt, angeschrieben und seien der entsprechenden Abteilung zugeführt worden, so die Organisatorin des Events.

Pascal Siegenthaler, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich, erklärt: «Alle Fundwaffen werden vom Forensischen Institut Zürich überprüft. Dazu gehört auch, ob sie allenfalls mit einem Delikt in Verbindung gebracht werden können. Der Erfolg einer solcher Untersuchung ist von vielen Faktoren abhängig.» Die Dauer allein müsse aber nicht entscheidend sein.

Fachgerechte Entsorgung durch die Polizei

Die sichergestellten Sachen ohne Sicherheitsrisiko würden nach Erstellung eines Rapportes für fünf Jahre eingelagert. «Ohne Gegenbericht werden die Gegenstände im Anschluss fachgerecht entsorgt», klärt Siegenthaler auf.

Das Hobby Magnetfischen ist der Polizei bekannt, wie Siegenthaler schreibt. «Falls beim Magnetfischen Kampfmittel wie Munition oder Waffen geborgen werden, kann dies durch Rost oder Verschmutzungen für Laien häufig nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar sein, und birgt deshalb ein starkes Gefährdungspotential. Deshalb empfehlen wir in solchen Fällen sofort die Notrufnummer 117 zu wählen», so Siegenthaler.

Zwar wurden auch schon Waffen oder Munition bei der Stadtpolizei abgegeben, die Regel sei es aber nicht, so der Mediensprecher. Bei der Identifikation der von Lorenz K. in der Limmat gefundenen Ware sei die genaue Bestimmung aktuell noch im Gange. «Es sind sicher ein Revolver und eine Pistole. Marke, Modell, Kaliber und Waffennummer sind noch nicht bestimmt.»

Aneignen der Waffe wären ein Vergehen

Siegenthaler bestätigt auch, was von der Organisatorin der Gruppe bereits mitgeteilt wurde: «Waffen, egal welche, und Munition unterstehen dem Waffengesetz. Die Besitznahme von Waffen und Munition bedingt gewissen Bewilligungen. Eignet man sich eine gefundene Waffe an, spricht man von einem Erwerb gemäss Waffengesetz. Unberechtigter Erwerb wäre ein Vergehen gegen das Waffengesetz.»

Für Lorenz und sein Team bleibt dieser Nachmittag definitiv nachhaltig im Gedächtnis. «Also, da hatte ich ganz klar schneller ein Erfolgserlebnis als beim Fischen von Fischen», meint der Zürcher und schmunzelt.

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veröffentlicht: 21. September 2023 08:12
aktualisiert: 21. September 2023 08:29
Quelle: ZüriToday

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