Thujahecke und Eisenbahn

Zürcher Expats lachen über Schweizer Bünzlitum

· Online seit 03.04.2023, 08:18 Uhr
Im Kanton Zürich müssen Besitzer eine Modelleisenbahnanlage und eine Hecke abbrechen. Dies, obwohl Hecke und Anlage seit 30 Jahren auf dem Grundstück stehen. Zürcher Expats lachen sich beim geschilderten Fall einen Schranz in den Bauch.
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Nach rund 30 Jahren ist plötzlich Schluss: Eine Thujahecke samt Modelleisenbahnanlage muss auf einem Grundstück irgendwo im Kanton Zürich weg. Grund dafür ist nicht etwa eine Sanierung wegen Altlasten oder Ähnliches. Verschwinden müssen Hecke und Anlage, weil sie auf jenem Teil des Grundstücks stehen, das in der kantonalen Landwirtschaftszone liegt.

2020 verweigerte die kantonale Baudirektion eine nachträgliche Bewilligung der Anfang der 90-er-Jahre gepflanzten Hecke und der wenig später gebauten Modelleisenbahnanlage. Ein Rekurs des Baurekursgerichts gegen den Abbruch der Hecke und der Eisenbahn nach solch langer Zeit fiel beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich kürzlich durch.

«Man merkt nicht, wie lächerlich man sich damit macht»

«Ich verstehe nicht, wie man um ein paar Schienen so ein Tamtam machen kann. Das stört doch niemanden. Schliesslich ist das eine Modell-Eisenbahn und kein Mehrfamilienhaus», sagte ein Hobby-Eisenbähnler.

In den Kommentarspalten äussern sich zahlreiche ZüriToday-Leserinnen und -Leser empört. «Nirgendwo auf der Welt, und ich weiss, wovon ich schreibe, hat man so wenig Rechte über seinen eigenen Grund und Boden wie in der Schweiz. Aber das Schlimmste daran ist, man merkt nicht, wie lächerlich man sich damit macht», schreibt etwa «lindo anjo».

«Als wollte die Schweiz das Matterhorn verschieben»

Zürcher Expats lachen sich beim geschilderten Fall einen Schranz in den Bauch. «Um das Ganze noch in die Idiotie zu treiben: Das hört sich an, als würde die Schweiz nach langer Zeit das Matterhorn verschieben wollen», sagt John Wubbe, Präsident des Vereins Zurich Expats.

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Der Zürcher, der ursprünglich aus den Niederlanden stammt, bezeichnet es als kafkaesk, wenn die Behörden nach 30 Jahren verlangen, eine Anlage zu entfernen. «So etwas kann nur in der Schweiz passieren – das ist Bünzlitum pur.» Nicht umsonst laute ein Witz, dass die Schweiz noch das einzige Land sei, in dem Gesetze durchgeführt würden.

Was Expats in der Schweiz lernen

Laut Wubbe sind Expats immer wieder überrascht darüber, wie peinlich genau in der Schweiz alles geregelt ist. «Bis zum Beispiel der Vermieter entschieden hat, ob man die Lamellenstoren streichen darf, sind die Lamellen rostig geworden», sagt er ironisch. Viele Expats lernten in der Schweiz auch, dass es keinen Sinn habe, gegen Behörden vorzugehen. «Denn wenn es um Regeln und Paragrafen geht, kennt die Schweiz keine Logik.»

Dennoch findet Wubbe auch viel Lob für die Schweiz. «Die direkte Demokratie ist ein grosses Privileg und für viele Länder ein Vorbild.» Auch die streng eingehaltenen Gesetze hätten viele Vorteile. «So kann nicht jeder irgendetwas bauen, das dann plötzlich den Leuten auf den Kopf knallt.»

veröffentlicht: 3. April 2023 08:18
aktualisiert: 3. April 2023 08:18
Quelle: ZüriToday

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