Nach Fall in Winterthur

Wieso Bankomatensprenger gerne in und um Zürich angreifen

Laura Dünser, 11. Oktober 2022, 18:00 Uhr
In einem Einkaufszentrum in Winterthur haben Unbekannte Montagnacht einen Geldautomaten gesprengt. Heute, Dienstag, wurde in Egliswil AG einen Bankomaten in die Luft gejagt. Schweizweit nehmen solche Fälle zu. ZüriToday hat nachgefragt, warum.

Quelle: ZüriToday / Robin Luijten

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42 Angriffe auf Geldautomaten gab es bisher im laufenden Jahr. Davon drei im Kanton Zürich und fünf weitere in der Nähe der Kantonsgrenzen – zuletzt in der Nacht auf Dienstag in Egliswil im Kanton Aargau. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Polizei Fedpol. Damit nehmen die Vorfälle in der Region im Vorjahresvergleich ab, bleiben aber im regionalen Vergleich auf hohem Niveau.

An diesen Orten im Mittelland wurden in den vergangenen zwei Jahren bisher Bankomaten gesprengt.

Täter überqueren absichtlich Landes- und Kantonsgrenzen

In der Schweiz ist die Anzahl der Angriffe auf Bankomaten seit 2018 gestiegen. Die Angriffe finden über das Jahr verteilt und in der ganzen Schweiz statt. Praktisch in allen Kantonen wurden schon Angriffe auf Bankomaten registriert. 

Bisherige Ermittlungen zeigen, dass in der Schweiz mehrere Gruppierungen aktiv sind und gezielt Serien-Angriffe verübt werden. Die Gruppierungen überqueren zudem bewusst Kantons- und Landesgrenzen. So gibt es laut Fedpol Hinweise auf Rückzugsräume für die Planung der Angriffe in Frankreich und Deutschland. Die einfache Fluchtmöglichkeit ins Ausland macht die Schweiz und insbesondere grenznahe Gebiete wie Zürich also zum beliebten Angriffsziel. Die Tätergruppen stammen meist aus europäischen Ländern – oft aus dem Osten.

Quelle: ArgoviaToday / Severin Mayer

Nach dem Angriff sei es üblich, dass die Gruppen wieder aus der Schweiz flüchten, erklärt Fedpol-Sprecherin Berina Repesa im Interview mit ZüriToday. Die Absprache mit der ausländischen Polizei sei deswegen bei den Ermittlungen zentral.

Die Banken sind für Sicherheitsmassnahmen verantwortlich

Bei den Angriffen werden laut Repesa verschiedene Methoden angewendet. Im laufenden Jahr wurden die Bankomaten in den meisten Fällen mit Werkzeug aufgebrochen. Beim Grossteil der weiteren Fälle wurde Sprengstoff verwendet, gefolgt von Gas.

Um Angriffe zu vermeiden, werden verschiedene Massnahmen ergriffen. Unter anderem sei es wichtig, Bankomaten mit Kameras zu überwachen. Zudem sollten die Bankomatschalter nicht an abgelegenen Orten stehen, so Experten. Eine weitere Möglichkeit sei das Einbauen von Farb- und Klebstoffpatronen. Bei einer Sprengung würden diese das Geld so verkleben oder färben, dass es anschliessend unbrauchbar ist. «Ob diese Massnahmen ernst genommen und umgesetzt werden, liegt in der Entscheidungskompetenz der Banken», so Repesa.

Quelle: Das sagen Experten zu Bankomaten-Sprengungen, TeleZüri, 21.12.2021

Schon zwei Sprengungen diese Woche

Innerhalb von 24 Stunden gab es gleich zwei Sprengungen – in Wintethur und im Kanton Aargau. Im Einkaufszentrum Lokwerk in Winterthur-Töss gelang der Tätergruppe nach der Sprengung in der Nacht auf Montag die Flucht. Wie viel Geld erbeutet wurde, ist unklar. Auch bei der Sprengung in Egliswil ist die Polizei weiterhin auf der Suche nach den Tätern.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 11. Oktober 2022 17:00
aktualisiert: 11. Oktober 2022 18:00