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Universität Zürich verschweigt Zahlen zu sexueller Belästigung

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Universität Zürich verschweigt Zahlen zu sexueller Belästigung

20.01.2024, 12:33 Uhr
· Online seit 20.01.2024, 10:14 Uhr
Die Universität Zürich erhebt Zahlen zu sexueller Belästigung. Öffentlich publik machen will sie das aber nicht. Zwei Zürcher GLP-Kantonsrätinnen finden das einen unhaltbaren Zustand und fordern Transparenz.
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60 Prozent der Frauen in der Schweiz wurden schon einmal sexuell belästigt. Jede fünfte Frau hat in ihrem Leben bereits einmal sexualisierte Gewalt erlebt. Und von ihnen wurden 12 Prozent schon einmal vergewaltigt. So die Situation in der Schweiz laut einer repräsentativen Studie von Gfs Bern aus dem Jahr 2019.

Belästigungszahlen: Universität Zürich besteht auf Datenschutz

Sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt betrifft alle Menschen und alle Bereiche in der Schweiz. So auch die Hochschulen. Schweizer Unis registrieren in den letzten Jahren Dutzende Fälle sexueller Belästigung, wie ZüriToday bereits berichtete. Nur: Wie die Lage in diesen Institutionen ist, ist nicht klar. Denn die meisten Universitäten und Fachhochschulen legen keine Zahlen offen. So auch nicht die grösste Universität der Schweiz – die Universität Zürich (UZH), wie die «NZZ» schreibt.

Zwar erhebt die UZH Zahlen zu den gemeldeten Fällen, diese kann jedoch nur die Universitätsleitung einsehen. Die Begründung der Universität? Datenschutz.

Und das, obwohl eine Befragung von Medizinstudierenden vom letzten März ergeben hat, dass jeder und jede Vierte im Studium bereits einmal sexuell belästigt wurde. Dies berichtete damals die «Zürcher Studierendenzeitung». Auch bekannt ist, dass die Fälle in den letzten Jahren zugenommen haben, wie Strafrechts- und Medizinrechtsprofessorin Brigitte Tag vergangenen März in einer Publikation der UZH sagte.

Zürcher Kantonsrätinnen wollen UZH zu Transparenz verpflichten

Diese Intransparenz finden die Zürcher Kantonsrätinnen Nathalie Aeschbacher und Andrea Gisler von der GLP stossend. Sie verlangen deshalb in einem Antrag an den Regierungsrat Auskunft zu der Angelegenheit.

Zwar unternehme die UZH bereits sehr viel im Bereich Gleichstellung und Sensibilisierung, was die Kantonsrätinnen als lobenswert erachten. Doch «solange wir keine Fallzahlen erhalten, wissen wir weder, wie gross das Problem ist, noch, ob die Massnahmen greifen», sagt Nathalie Aeschbacher gegenüber der «NZZ».

Die Offenlegung der Zahlen sei sehr wichtig für Betroffene. Es sende das Signal, nicht alleine zu sein, und ermutige, sich bei einer Anlaufstelle zu melden. «Transparenz hilft, das Schweigen zu brechen», so Aeschbacher.

Was sagt die UZH zu den Vorwürfen?

Auch ETH und ZHdK schweigen zu konkreten Zahlen sexueller Belästigung

Zum jetzigen Zeitpunkt will die UZH nicht öffentlich Stellung beziehen. Man wolle erst die Beantwortung der Anfrage abwarten, erklärt die Medienstelle.

Die Universität Zürich ist nicht die einzige Hochschule, die über die Fallzahlen zu sexueller Belästigung schweigt. So publizieren auch die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und die ETH keine konkreten Zahlen. Die ZHdK erklärt der «NZZ» jedoch, dass sich die Zahlen in etwa im Bereich der anderen Universitäten bewege. Die ETH erstellt erst gar keine Statistik, weil wegen vieler Anlaufstellen ein Gesamtüberblick fehle. Im August hatten ehemalige ETH-Wissenschaftlerinen einem Professor unter anderem sexuelle Belästigung vorgeworfen, berichtete «Tsüri».

Transparenter ist die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Ein entsprechender Bericht werde jeweils jährlich im Intranet veröffentlicht. 2022 wurden zwei Fälle von sexueller Belästigung gemeldet, so die ZHAW.

Der Blick über die Kantonsgrenzen zeigt: Die Unis teilen sich in die Lager der Transparenten und der Schweigsamen. Die Uni Bern etwa gehört zur ersteren. Sie erfasst die Zahlen seit 2016. «Wir geben im Rahmen des datenschutzrechtlich Möglichen Auskunft über diese Statistik», heisst es von der Medienstelle. Pro Jahr würden etwa zehn bis 15 Fälle gemeldet.

(gin)

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veröffentlicht: 20. Januar 2024 10:14
aktualisiert: 20. Januar 2024 12:33
Quelle: ZüriToday

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