Shopping 3.0

Tschüss Warenhäuser – so sieht die Zukunft der Zürcher Bahnhofstrasse aus

03.02.2024, 10:03 Uhr
· Online seit 03.02.2024, 10:03 Uhr
Ein Warenhaus nach dem anderen geht in der Stadt Zürich zu. Die Zürcher Bahnhofstrasse wird kein klassischer Shopping-Hotspot mehr sein. Der Detailhandel denkt über neue Einkaufserlebnisse nach.
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Die Ära der Warenhäuser ist an der Zürcher Bahnhofstrasse vorbei. Nach Manor verschwindet auch das traditionelle Geschäft Jelmoli. Die berühmte Einkaufsmeile wird kein Shopping-Hotspot im klassischen Sinn mehr sein. Das Retail-Business verändere sich unter anderem wegen des Online-Handels, sagt Fanny Eisl, Mediensprecherin der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse. «Es zeichnet sich ab, dass es an der Bahnhofstrasse einen grösseren Fokus auf Gastronomie und Showrooms geben wird.» Beispiele wie der Brannhof im ehemaligen Manorgebäude zeigten diese Tendenz. 

Zudem sei die Strasse ein attraktiver Ort für Büros, sagt Eisl. «Es gibt nichts Tolleres, als an einem Ort zu arbeiten, der direkt am See ist, mit einem Gemüsemarkt in der Nähe und tolle Coffee-Shops und Bäckereien wie Sprüngli oder John Baker bietet», schwärmt sie.

«Müssen Warenhäuser neu denken»

Beim Schweizer Detailhandelsverband findet ein Umdenken statt. Früher hätten Warenhäuser neue Produkte aus aller Welt präsentiert und inspiriert, sagt Dagmar Jenni, Direktorin der Swiss Retail Federation. «Heute in Zeiten von Online-Shopping reicht das nicht mehr. Wir müssen Warenhäuser neu denken und Kunden Mehrwerte bieten, die deutlich über Produkte zur Verfügung stellen gehen.» Zurück in die grossen Shops kämen die Kundinnen und Kunden nur, wenn es gelinge, Überraschungen zu bieten und Emotionen zu wecken, neben einem Top-Beratungsservice.

Jenni schweben zum Beispiel Einkaufsmöglichkeiten vor, die mit virtueller Realität (VR) funktionieren. «Zum Beispiel geht man nicht mehr einfach Kaffee kaufen, sondern erlebt mittels VR-Brille gleich auch noch den Anbau von Kaffeebohnen.» Ein Skateboard-Shop würde nicht mehr lediglich Boards, Helme und Mode anbieten. «Können die Kunden ein Skateboard gleich in einem virtuellen Skatepark testen, wird der Besuch eines Ladens wieder attraktiv.»

Kundenspezifische Angebote

Kleider- und Schuhläden könnten künftig sogenannten Lifestyle-Welten weichen. Kunden- und themenspezifische Angebote seien die Zukunft, sagt Dagmar Jenni. «Zum Beispiel richtet sich ein kuratiertes Angebot an Frauen Ü50.» Teil des Angebots sei dann nicht nur Mode, die bei dieser Zielgruppe beliebt sei. «Denkbar ist, dass das Ganze zum Beispiel auch mit einer Ernährungsberatung und Longevity-Produkten kombiniert wird – einfach mit allem, was für diese Kundengruppe wichtig ist.»

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Der Einsatz von Tools Künstlicher Intelligenz soll Kundinnen und Kunden in den Shops langes Anprobieren ersparen. «Die Wünsche der Kundschaft überfordern das Personal oft. Produktberatungen mittels KI könnten einen guten Mehrwert schaffen», sagt Dagmar Jenni. Das Verkaufspersonal könne dadurch zum Beispiel Schuhmodelle herausfiltern, die auf die Kundinnen und Kunden perfekt zugeschnitten seien.

Menschen seien analoge Wesen

Wirtschaftspsychologe Christian Fichter stellt fest, dass die Zeit der Warenhäuser abläuft. «Als ich die letzten paar Male im Jelmoli war, hatte es so wenig Leute, dass ich dachte, es sei kurz vor Ladenschluss», sagt er. Dabei sei es mitten am Nachmittag gewesen. «Das Personal stellt einem fast nach – so sehr freute es sich über Kundschaft.»

Die Zukunft sieht Fichter für das Shopping vor Ort nicht nur in VR-Erlebniswelten. «Bewusst entschleunigende Einkaufsmöglichkeiten werden immer wichtiger.» Kuratierte Produkte mittels KI seien die Chance für den Detailhandel. «Die Kundinnen und Kunden erhalten in Online-Shops 1000 verschiedenen Velo-Angebote. Im Laden können sie das beste Velo auswählen.»

Laut Fichter werden virtuelle Technologien das Einkaufserlebnis nicht vollständig auf den Kopf stellen können. Menschen seien aus Fleisch und Blut und deshalb analoge Wesen. «Kein VR-Duftspender konnte bis jetzt den Duft in einer Bäckerei schlagen.»

veröffentlicht: 3. Februar 2024 10:03
aktualisiert: 3. Februar 2024 10:03
Quelle: ZüriToday

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