Zürich

Nach Primitivo: Gleicher Gastrokreis will auch Utoquai-Kiosk übernehmen

Maarit Hapuoja, 5. Oktober 2022, 10:16 Uhr
Die Stadt Zürich hat den Kiosk der Badi Utoquai neu ausgeschrieben und prompt nach 11 Jahren an jemand anderes vergeben. Es zeigt sich zudem, dass die Neuen zu den grossen Gastroplayern gehören, die auch das Primitivo ablösen. Die bisherigen Betreiber wehren sich – die Stadt hat einen Anwalt beigezogen.
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Erst kürzlich wurde bekannt, dass das Primitivo am Oberen Letten schliessen muss. Nach der 18-jährigen Führung haben die bisherigen Betreiber die Mieterschaft nicht verlängern dürfen. Die Stadt Zürich hat das beliebte Badi-Restaurant der Maag Music & Arts AG vergeben.

Jetzt folgt die nächste Absage für einen kleinen privaten Anbieter. Die Freie Sicht Gmbh betreibt seit 11 Jahren den Kiosk der Badi Utoquai. Die Stadt hat auch diesen Betrieb neu ausgeschrieben – und lässt ihn durch jemand anders ersetzen. Schluss mit dem Kiosk Freie Sicht aufs Mittelmeer. Wieso müssen die kleinen beliebten Gastrobetreiberinnen und -betreiber weichen? Und das ist noch lange nicht die einzige Frage. Nach einem genaueren Blick auf die neuen Betreiber zeigt sich: Diejenigen, die den Zuschlag für den Utoquai-Kiosk erhalten haben, stehen mit den Neuen des Letten-Restaurants in Verbindung. Zufall?

Der grosse Gastrozirkus

Nach einem Gespräch mit der Rechtsanwältin Issabelle Chassé der Freie Sicht Gmbh (Kiosk Utoquai) ergibt sich Folgendes: Die Freie Sicht Gmbh hat bei der Mietvergabe den zweiten Platz erreicht. Im Absageschreiben steht, dass das gewählte Duo (für eine Frauenzimmer AG in Gründung, welche Stand heute noch nicht existiert) die c/o Adresse am Sitz der Schöne Bescherung AG hat. Und wie diese Firma mit den Ablösenden des Primitivos zusammenhängt, folgt hier:

Katja Weber und Isa Hackl haben den Zuschlag für den Kiosk der Badi Utoquai erhalten. Sie sind Teil der Miteinander Gmbh und mit Ablösern des Primitivos und weiteren grossen Gastro- und Eventbetreibern verknüpft.

Viele Fragen offen

Und nicht nur die verbundene Gastrogruppe ist in dieser Sachlage problematisch. Das Sportamt der Stadt Zürich habe die Frage nicht beantworten können, wer für die Personen, die in der Ausschreibung ihr Konzept präsentiert haben, den Mietvertrag unterzeichnen wird, so Chassé. Die AG, die unterschreiben wird, müsse noch gegründet werden.

Wie kann die Stadt einen Zuschlag geben, wenn sie nicht weiss, wer dahinter steckt? Auf diese Frage antwortet Chassé: «Das ist nebst vielen anderen - eine der zentralen Fragen - auf welche wir eine Antwort der Stadt verlangen und welche wir allenfalls erst im Rechtsmittelverfahren klären werden.»

Das Absageschreiben an die Freie Sicht Gmbh zeigt gleichzeitig, dass Weber und Hackl den Zuschlag erhalten haben. Was daraus folgt, sind eben viele Fragen. Fragen nach Transparenz, nach Wettbewerbsbehinderung und rechtliche Aspekte.

Die Gäste zeigen Unverständnis

Dann sind da auch noch die verärgerten Gäste. «Die Stammgäste sind total empört», erklärt Chassé. «Sie wollen ihr Altbewährtes behalten und können sich nicht mit der Event-Gastronomie, für welche die Erstplatzierten an vielen Zürcher Standorten bereits stehen, identifizieren.» So etwas gehöre nicht in eine denkmalgeschützte Badi mit Geschichte und Tradition, welche auch ein Kulturort und Kulturgut der Stadt Zürich sei.

Die Ausschreibungskriterien der Stadt für diesen Standort sind generell zu hinterfragen. Niemand will an diesem Ort Innovationskraft und Umsatzsteigerung. Hier geht es für viele Stammgäste um den Schutz von Altbewährtem. «Und sie wollen mitreden. Sie sind Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher, Steuerzahler und jahrelange Gäste.» Chassé hinterfragt, weshalb die Stadt gleich bei zwei Traditionsstandorten den gleichen grossen Gastrobetreibenden in die Hände spielt.

So geht es weiter

Der Kiosk der Badi Utoquai hat nun eine Petition gestartet. Innerhalb von wenigen Tagen haben bereits 2662 Personen (Stand Donnerstagmorgen) die Petition mit dem Titel «Gegen die Monopolisierung der Eventgastronomie in städtischen Betrieben» unterschrieben.

«Die Petition unterstützt politisch», sagt Isabelle Chassé. «Wir wollen der Stadt zeigen, dass Sensibilität nötig ist. Dass sie zu wenig überlegt hat, wem sie das Restaurant gibt und vor allem wem sie es alles wegnimmt.»

Das Sportamt der Stadt Zürich lässt sich inzwischen durch eine externe Anwaltskanzlei vertreten. Wie Chassé erklärt, sei die Rechtsmittelfrist für den Antrag um Neubeurteilung noch am laufen; das Verfahren sei pendent.

Auf Anfrage von ZüriToday heisst es beim Schul- und Sportdepartement: «Die Vergabekriterien sind öffentlich.» Auf die Frage, weshalb sich das Sportamt gegen eine Weiterführung durch die Freie Sicht Gmbh entschieden hat, antwortet Mediensprecher Marc Caprez: «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann dazu vorab leider nichts gesagt werden.» Er bestätigt aber, dass dem Sportamt der Stadt Zürich bekannt ist, dass Weber und Hackl mit der Maag Event & Music Arts AG in Verbindung stehen.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 5. Oktober 2022 05:47
aktualisiert: 5. Oktober 2022 10:16