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Jugendgewalt in Zürich ist zum ersten Mal seit Jahren rückläufig

Kriminalität

Jugendgewalt in Zürich ist zum ersten Mal seit Jahren rückläufig

20.04.2023, 11:39 Uhr
· Online seit 20.04.2023, 10:58 Uhr
Die Jugendgewalt hat 2022 zum ersten Mal seit sechs Jahren abgenommen. Die Täter sind meist männlich und den Behörden oft bereits aus anderen Gründen bekannt.

Quelle: ZüriToday / Linus Bauer

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884 Jugendliche wurden im vergangenen Jahr wegen eines Gewaltdelikts verzeigt, das sind rund 12,8 Prozent weniger als 2021 (1014 Fälle), wie die Direktion der Justiz und des Innern am Donnerstag mitteilte. Es war der erste Rückgang seit 2016.

Bei den Gewaltstraftaten waren die beschuldigten Jugendlichen im Durchschnitt 15,3 Jahre alt. Rund 90 Prozent sind männliche Jugendliche. Fast die Hälfte der Beschuldigten war bereits vorbestraft.

Überdurchschnittlich oft waren die gewalttätigen Jugendlichen den zivilen Behörden bereits bekannt, etwa weil eine Verbeiständung bestand oder eine Gefährdungsmeldung vorlag.

Auffällig ist, dass die jugendlichen Gewalttäter tendenziell jünger werden. So waren 2022 rund 42 Prozent der Beschuldigten unter 15 Jahre alt. Die Delinquenzrate bei den 13-Jährigen stieg, wie schon in den letzten drei Jahren, weiter an. Bei allen anderen Alterskategorien war die Zahl der wegen eines Gewaltdeliktes beschuldigten Jugendlichen rückläufig, besonders stark bei den 16- bis 17-Jährigen.

Zudem gab es eine Verschiebung von Delikten, die von Gruppen ausgeübt wurden, hin zu mehr Einzeltaten. Die Jugendgewalt richtete sich wie bis anhin hauptsächlich gegen andere Jugendliche. In jedem fünften Fall kamen gefährliche Gegenstände, beispielsweise Messer, zum Einsatz.

Jugendkriminalität insgesamt stabil

Über alle Deliktkategorien hinweg betrachtet hat sich die Jugendkriminalität im Kanton Zürich stabilisiert. Die Jugendanwaltschaften haben im vergangenen Jahr 5994 Verfahren gegen Jugendliche (2021: 5961) eröffnet.

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Viele Delikte gab es in den Bereichen Vermögensdelikte (21,2 Prozent), Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz (17,4 Prozent) und Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz (9,7 Prozent).

Der Anteil an verurteilten Mädchen über alle Delikte hinweg betrug 36,8 Prozent. Der Ausländeranteil lag bei 36,8 Prozent und damit leicht über dem langjährigen Mittel von einem Drittel.

Mehr stationäre Unterbringungen

Ende 2022 waren insgesamt 41 Jugendliche stationär untergebracht. Ende 2021 waren es erst 32. 172 Jugendliche (2021: 162) befanden sich in einer ambulanten Schutzmassnahme.

Im letzten Jahr wurden zehn stationäre sowie 75 ambulante Schutzmassnahmen angeordnet. Die Kosten für die Schutzmassnahmen sanken von 19,3 Millionen Franken auf 18,9 Millionen Franken.

veröffentlicht: 20. April 2023 10:58
aktualisiert: 20. April 2023 11:39
Quelle: sda

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