Expats in Zürich

«Ich will mich integrieren, aber Deutschkurse sind teuer und zeitintensiv»

Maarit Hapuoja, 1. November 2022, 16:06 Uhr
Wer nach Zürich zieht, soll Deutsch lernen, findet Stadtpräsidentin Corine Mauch. Ein Deutschkurs koste aber zu viel und sollte von der Stadt mitfinanziert werden, sagt eine kürzlich Zugezogene. Bis man sich dann wirklich auf Deutsch unterhalten kann, dauere es zudem ein bis eineinhalb Jahre.
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In Zürich lebende Expats sollen Deutsch lernen, fordert Stadtpräsidentin Corine Mauch. Über zehn Prozent der Zürcher Wohnbevölkerung spricht Englisch als Hauptsprache. In Zürich müsse man sich aber auch daran gewöhnen, dass auf den Strassen und in Cafés Englisch gesprochen wird.

Clara* ist 27 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Spanien und arbeitet in der Stadt Zürich im Consulting. Sie bestätigt, dass die Leute hierorts sich gewohnt sind Englisch zu sprechen. «Es ist sehr einfach, hier zu leben, ohne Deutsch zu sprechen. Die Leute haben ein sehr gutes Englisch-Level. Geht man einkaufen, im Restaurant essen oder täglichen Aktivitäten nach, kann man das alles auf Englisch machen.»

«Es braucht extrem viel Zeit»

Trotzdem will Clara Deutsch lernen. «Ich will mich integrieren, ein Teil der Gesellschaft werden und mich hier auch zu Hause fühlen. Deshalb ist es für mich wichtig, die Sprache zu lernen.»

Einfach ist das aber nicht. Die 27-Jährige hat Mitte August mit einem Deutschkurs begonnen. «Ich habe ein paar Basics gelernt, aber es ist taff. Es braucht extrem viel Zeit. Ich hoffe, dass ich mich bis zum nächsten Sommer wohlfühle in der Deutschen Sprache.»

2700 Franken für 4 Monate Deutsch

Kosten tuts dann auch nicht gerade wenig. Für einen viermonatigen Kurs mit jeweils vier Lektionen pro Woche zahlt Clara 2700 Franken. «Es wäre schön, wenn es finanzielle Unterstützung für einen Deutschkurs gäbe. Denn es ist schon sehr teuer», sagt die Spanierin.

Die Stadt Zürich subventioniert Deutschkurse, diese sind öffentlich ausgeschrieben. «Für den Besuch müssen keine bestimmten Voraussetzungen erfüllt werden», sagt Patrick El-Kurdi, Mediensprecher des Präsidialdepartements. Allerdings spiele der Wohnort eine Rolle und nicht alle Arten von Deutschkursen werden subventioniert. «Beispielsweise werden kaum Abend- und keine Intensivkurse subventioniert, aber viele Kurse mit Kinderbetreuung.»

Zeit, Geld und Geduld

Weitere städtische Unterstützung gibt es nur für sehr einkommensschwache Kursteilnehmende. «In der Stadt wohnhafte Kursteilnehmende mit einer Kulturlegi, die mehr als 70 Prozent der Lektionen besuchen, erhalten die Kosten zurückerstattet», so El-Kurdi.

Clara hätte folglich nicht von der finanziellen Unterstützung seitens der Stadt profitieren können. Sie arbeitet Vollzeit, hat einen anständigen Lohn und besucht einen halbintensiven Abendkurs. Anstrengend ist dies auf jeden Fall. «Ich arbeite 100 Prozent und gehe direkt nach der Arbeit jeweils zum Kurs. Das ist schon sehr intensiv.» Für Clara ist klar: Deutsch lernen kostet viel Zeit, viel Geld und braucht Geduld. Aber um sich besser zu integrieren, will sie diesen Weg weitergehen. «Auch wenn man ein perfektes Leben in Zürich auf Englisch haben kann.»

*Name der Redaktion bekannt

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 1. November 2022 15:43
aktualisiert: 1. November 2022 16:06