Suppe statt Glacé

So überwintern die Gelaterias in Zürich

Laura Dünser, 14. Dezember 2022, 10:25 Uhr
Vanille, Stracciatella oder doch Schokolade? Eine Frage, die wir uns im Sommer regelmässig stellen. Im Winter tritt die Glacé-Lust aber in den Hintergrund – dann geht es ums Fondue, Raclette oder den Lebkuchen. Was passiert in dieser Zeit mit den Zürcher Gelaterias?
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Strategie 1: Gugelhupfe!

Besonders kreativ wird über die Wintermonate der Stadtzürcher Glacé-Anbieter Sorbetto. Neben den gewöhnlichen 57(!) Sorten bietet Sorbetto in der kalten Jahreszeit andere gefrorene Köstlichkeiten wie etwa Glacé-Gugelhupfe oder mit Glacé gefüllte Mandarinen an. Laut Besitzer und Geschäftsführer Heinz Entzeroth verzeichnet der Laden von Sorbetto beim Römerhof im Winter rund ein Drittel der Gästezahlen vom Sommer.

Von dieser Schätzung ausgeschlossen sei allerdings die letzte Woche vor Weihnachten. Dann sei die Schlange vor dem Geschäft jeweils mindestens so lange wie an einem heissen Tag im Sommer. 

Strategie 2: Lieferung direkt ans Sofa 

Auch der «Eisladen» gleich beim Bahnhof Wiedikon bleibt über die kalten Monate offen. Allerdings ist der Laden gleichzeitig ein Café – angeboten werden auch Kuchen, Kaffee und Waffeln. «Natürlich haben wir in den Wintermonaten weniger Gäste als im Sommer», heisst es auf Anfrage.

Das versuche man aber mit dem breiten Angebot und mit Veranstaltungen zu kompensieren. Ausserdem werde auch das Angebot, grosse hausgemachte Eisbecher mit Uber Eats nach Hause zu bestellen, immer reger genutzt.

Strategie 3: Panettone und Teil-Winterschlaf

Bei den Standorten der Gelateria di Berna muss man im Sommer fast immer erst in der Schlange vor den Geschäften ausharren, bis man das Cornet oder den Becher dann in der Hand hält. Im Winter kriegt man die zahlreichen Geschmackssorten nur in einer Filiale serviert – an der Westrasse beim Lochergut.

Die Tresen an der Zollstrasse und in «Frau Gerolds Garten» bleiben über den Winter unbedient – die Eiskübel leer. «Für die Zwischenzeit bis zum Saisonstart im Frühling vermieten wir unsere Standorte für befristete Zeit jeweils an kreative Köpfe, die gerne eine Idee umsetzen möchten», sagt Co-Geschäftsführerin Kim Oberholzer.

In dem offenen Standort beim Lochergut bietet die Gelateria di Berna ab Oktober den in der eigenen Backstube gebackenen «Panettone di Berna» an. Ab November kommt jeweils auch Glühwein dazu.

Strategie 4: Die Transformation zur Suppenküche

Eine weitere Überwinterungsstrategie verfolgte zeitweise die «Zentrale für Gutes» bei der Josefwiese im Kreis 5. Im Sommer werden hier verschiedene Glacékreationen unter dem Label «Eisvogel» verkauft. Im Winter wurde das Quartiergeschäft während einiger Jahre in eine Suppenküche verwandelt.

Leider war diese Idee der beiden Besitzerinnen offenbar zu gut – die Suppen waren so beliebt, dass der Stress für den kleinen Laden zu viel wurde. Stattdessen geht das Quartiergeschäft jetzt jeweils in einen längeren Winterschlaf.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 19. Dezember 2022 08:24
aktualisiert: 19. Dezember 2022 08:24