Zürich

Sackgeld hat in der Schweiz eine lange Tradition

Schulstart

Sackgeld hat in der Schweiz eine lange Tradition

· Online seit 16.08.2023, 11:54 Uhr
Mit dem Start des neuen Schuljahrs kommt auch das Thema Sackgeld wieder auf den Familientisch. Mit Sackgeld lernen Kinder den Umgang mit Geld durch eigene Erfahrungen kennen. Doch wie viel Sackgeld ist sinnvoll und zu welchem Zeitpunkt?

Quelle: ZüriToday

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In Zürich geht am Montag die Schule wieder los. Für Schulkinder bedeutet das nicht nur eine Klassenstufe höher zu sein, für viele gibts zum Start ins neue Schuljahr auch mehr Sackgeld. Bei vielen Kindern, welche zum ersten Mal zur Schule gehen, ist das gleichzeitig auch das erste Mal, dass sie Sackgeld erhalten.

Mit Sackgeld erwerben Kinder Finanzkompetenz. Diese ist so wichtig wie Lesen und Schreiben und lässt sich ebenso von klein auf erlernen. Mit dem Sackgeld lernen Kindern, Verantwortung zu übernehmen, sich die Mittel einzuteilen und auch einmal warten zu müssen, bis sie sich Konsumwünsche erfüllen können, sagt Anja Meier von der Kinder- und Jugendstiftung Pro Juventute. 

Sinnvoll ab Primarschule

Sackgeld macht ab der Primarschule Sinn. Davor können Kinder den Wert des Geldes noch nicht erfassen und auch das Konzept des Sparens noch nicht verstehen. Das Primarschulalter ist ein guter Zeitpunkt, da Kinder den Wert des Geldes erkennen und auch anfangen zu rechnen. Ab da ist es sinnvoll, wenn Eltern mit ihren Kindern auch über Geld zu sprechen beginnen.

In der Schweiz hat Sackgeld eine lange Tradition. Eine grosse Studie der Credit Suisse zeigt denn auch, dass die grosse Mehrheit der Eltern ihren Kindern ein Sackgeld geben. Ob ein Kind Sackgeld erhält, hängt natürlich auch von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern ab. Der Nutzen des Sackgeldes ist aber unbestritten: Nebst dem, dass Kinder aber wohl Freude am Sackgeld haben, trägt dieses auch einen Beitrag zur Schuldenprävention bei.

Zuerst wöchentlich, dann monatlich 

Empfehlungen zur Höhe des Sackgeldes gibt es vom Dachverband Budgetberatung Schweiz. Dazu schreibt der Verband, dass mit dem Sackgeld Begriffe wie planen, einteilen, verzichten, sparen, aber auch sich etwas leisten lebendig werden.

Und mit dem eigenen Geld werden Schulden oder die Schwierigkeit, ausgeliehenes Geld einzutreiben, spürbar. Es müssen immer wieder Entscheidungen getroffen und Konsequenzen daraus getragen werden.

Spielregeln beim Sackgeld

Sackgeld ist in der Regel für persönliche Wünsche und für das Vergnügen des Kindes vorgesehen: das Lieblingsheftli vom Kiosk oder das Glacé in der Badi. Laut dem Schweizer Elternmagazin «Fritz+Fränzi» ist per Gesetz definiert, dass jenen Kindern, die Sackgeld erhalten, dieses frei zur Verfügung stehen sollte. Ein wenig Hilfe im Umgang kann natürlich sinnvoll sein.

Innerhalb der allgemeinen Spielregeln der Familie darf das Kind also selber entscheiden, wofür es sein Geld ausgibt. Regeln, wie beispielsweise nach dem Abendessen keine Süssigkeiten verzehren, gelten dann aber auch für die selbst gekaufte Schoggi.

Trotzdem müssen sich die meisten Eltern damit abfinden, dass das erste Sackgeld wohl für Süssigkeiten ausgegeben wird. Diese sind für Kinder erschwinglich und einfach zu finden am Kiosk.

Weitere Spielregeln – für die Eltern – sind, dass das Sackgeld regelmässig und unaufgefordert ausbezahlt werden sollte. Wenn sich das Kind auf das Sackgeld verlassen kann, lernt es auch längerfristig verantwortungsbewusst damit umzugehen. Dementsprechend soll Sackgeld kein Bonus für gute Noten oder gutes Benehmen sein, sondern unantastbar und bedingungslos.

Sackgeld streichen als Strafe

Als erzieherische Massnahme das Sackgeld streichen, ist nicht zu empfehlen. Die Kinder- und Jugendstiftung Pro Juventute schreibt auf ihrer Website zum Thema, dass diese Art der Bestrafung meist zwei Reaktionen hervorrufe: Es ist dem Kind egal, weil das Sackgeld nicht hoch ist, es nicht für Notwendigkeiten braucht oder sowieso den grössten Teil spart. Oder das Kind ändert sein Verhalten nur aus Angst, was ebenfalls nicht förderlich sei.

Von Vorschüssen oder «Krediten» raten die verschiedenen Ratgeber ab. Ist das Geld aufgebraucht, muss das Kind warten bis zum nächsten Sackgeld. Auch beim Umgang mit Geld gehören Misserfolge dazu. Das Kind darf auch mal pleitegehen. So lernt das Kind, sein Geld einzuteilen. Und allenfalls auch einen Teil davon zu sparen, um sich in absehbarer Zeit etwas Grösseres leisten zu können.

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veröffentlicht: 16. August 2023 11:54
aktualisiert: 16. August 2023 11:54
Quelle: ZüriToday

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