Riskantes Hobby

Pilzler landen wegen Vergiftungen auf Intensivstation

21. September 2022, 11:24 Uhr
129 Notrufe sind beim Zentrum Tox Info Suisse im Kanton Zürich bereits registriert worden, so viele wie noch nie im Vergleich mit den letzten Jahren. Einige Pilz-Enthusiasten mussten aufgrund der Vergiftung gar ins Spital.

Steinpilze, Pfifferlinge, Edelreizker, Riesenschirmpilze oder der Honiggelbe und Eierschwämmchen – sie alle landen in den Körbchen der Pilzler. Unschönerweise werden sie aber auch oft mit anderen Sorten verwechselt, die nicht zum Verzehr geeignet sind. Und dann kommt der Giftnotruf und in schwerwiegenden Fällen gar ein Krankenwagen zum Einsatz.

Immer mehr Notrufe

Der Giftnotruf hatte 2022 bereits so viele Anrufe wie noch nie in einem vergleichbaren Zeitraum. Dieses Jahr waren es im Kanton Zürich bereits über 120 Anrufe. Im letzten Jahre waren es gerade mal 73.

Behandelt werden Patientinnen und Patienten dann primär mit Aktivkohle, um die Pilze zu neutralisieren. Je nach Pilz-Sorte können Gegengifte und Medikamente verabreicht werden. Die Medikamente sollen ein Leberversagen verhindern.

Auch dank des Giftnotrufs verlaufe eine Pilzvergiftung selten so dramatisch. Trotzdem mussten zum Beispiel im Seespital in Horgen bereits zwei Personen auf der Intensivstation behandelt werden, wie die «Zürichsee Zeitung» berichtet.

Ungeübte Pilzler unterwegs

Bevor man die gepflückten Pilze zubereitet, solle man sie sowieso bei einer der Pilzkontrollstellen vorbei bringen. Diese verzeichnen momentan einen grossen Andrang. Trotz des trockenen Sommers herrscht nun eine regelrechte Pilzschwemme. Dass die Bodengewächse so zahlreich vorhanden sind, lockt auch viele neue Pilzler und Pilzlerinnen an. «Das wiederum hat zur Folge, dass wir in den Körben dieser Personen relativ viele Pilze finden, die wir aussortieren müssen, weil sie entweder bereits zu überreif und alt, ungeniessbar oder giftig sind», sagt Pilzkontrolleurin Susanne Hofmann zur «Zürichsee Zeitung».

Kiloweise Giftpilze aussortiert

Aufgrund des grossen Andrangs müssen die Kontrolleure und Kontrolleurinnen bei den Pilzkontrollstellen Überstunden leisten oder sich mit mehr Personal durch die Körbe wühlen. In Küsnacht hatten am Sonntag 30 Personen bis zu 40 Kilo Pilze angeschleppt. Fünf Kilo mussten aber als ungeniessbar oder gar giftig taxiert werden.

Neben vielen Neulingen unter den Sammlerinnen und Sammlern sei auch die Artenvielfalt grösser als im Vergleich zu vergangenen Jahren. Heikel sei es auch darum, dass der dieses Jahr besonders weit verbreitete Röhrling auch giftige Verwandte zu seiner Familie zählt. Kann man den Flockenstieligen Hexenröhrling ohne Bedenken essen, kann das Verspeisen des Satansröhrlings zu Brechdurchfälle auslösen und im Spital enden.

Hast du Tipps zum Pilze sammeln? Teile deine Kniffs und Tricks in den Kommentaren mit der Community.

(roa)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 21. September 2022 10:52
aktualisiert: 21. September 2022 11:24
Anzeige