«Nicht die feine Art»

Lastwagen voller Autos sorgen für Knatsch bei Zürcher Velovorzugsroute

27.10.2023, 09:12 Uhr
· Online seit 27.10.2023, 05:50 Uhr
Sie sollte das Vorzeigeprojekt für sichere Velorouten in der Stadt Zürich sein: die Velovorzugsroute an der Baslerstrasse. Nach anfänglichem Chaos sorgen jetzt Lastwagen voller Autos für den nächsten Knatsch.

Quelle: Erste Velovorzugsroute sorgt für Chaos / Archivbeitrag TeleZüri vom 06.03.2023

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Problematisch, Frust und Sicherheitsdefizit – die Velovorzugsroute an der Baslerstrasse im Zürcher Letziquartier sorgt bei Velofahrenden für Unmut. Grund dafür sind LKWs, die dort jeweils Autos abladen.

Laut der Plattform «Bikeable», die gefährliche Stellen und Kreuzungen für Velofahrende vermerkt, werden an einer Stelle der Velovorzugsroute unweit des Stadions Letzigrund täglich mehrfach Autos ausgeladen und damit die Route blockiert. «Pro Lastwagen dauert das ein bis zwei Stunden», heisst es auf der Melde-Plattform.

In den Kommentaren zum Eintrag auf «Bikeable» berichten mehrere User, dass ihnen die mit Autos beladenen Lastwagen auch schon aufgefallen seien. Sogar die Stadt Zürich selbst kommentiert den Eintrag: «Das ist uns bekannt, dem Kreischef ebenfalls. Ob zurzeit gelegentlich kontrolliert wird, wissen wir nicht.»

Ausladen zählt als Güterumschlag

Auf Anfrage von ZüriToday heisst es bei der Stadtpolizei Zürich wie auch bei der Dienstabteilung Verkehr, dass Ausladen der Autos als Güterumschlag zähle. Das ist erlaubt. Deshalb gäbe es auch keine Kontrollen oder gar Bussen, so die Stadtpolizei.

Yvonne Ehrensberger, Geschäftsführerin von Pro Velo Zürich, lässt dieses Argument nicht gelten. Die Baslerstrasse hätte von der Stadt als «Vorzeigebeispiel» einer Velovorzugsroute erstellt werden sollen. Dem werde die Route aber nicht gerecht.

«Stadt soll nicht tatenlos zusehen»

«Die Stadt sendet das falsche Signal, wenn sie solches Fehlverhalten toleriert – sprich das Parkieren und Ausladen auf Velostreifen erlaubt», so Ehrensberger. Der Post sei mehrfach geliked worden, offensichtlich sei der Autoauslad ein Problem. «Es ist nicht die feine Art der Stadt, da tatenlos zu bleiben.» Gerade beim «Vorzeigebeispiel» Baslerstrasse sei das problematisch und frustrierend.

Die städtische Dienstabteilung Verkehr nimmt Stellung zur Kritik: Die Situation werde weiterhin beobachtet, die Velovorzugsroute an der Baslerstrasse gäbe es seit diesem März. Nach einem Jahr werde im Frühling eine «Wirkungskontrolle» durchgeführt: «Dann gibt es, wenn nötig, Anpassungen.»

Weiter sieht die Dienstabteilung Verkehr in den stehenden Lastwagen keine Gefahr, denn sie stünden nicht permanent dort. Yvonne Ehrensberger von «Pro Velo Zürich» entgegnet darauf, dass die Baslerstrasse von Velofahrenden mehr genutzt werde, weil es eine Vorzugsroute sei.

«Velofahrende müssen um den Lastwagen ein Ausweichmanöver lancieren und haben beim Verlassen des Radstreifens gegenüber dem nach wie vor vorhandenen Autoverkehr von Hinten keinen Vortritt. Es ist die Summe der Gefahrenpotentiale und Kompromisse, die an der Baslerstrasse nach wie vor gemacht werden, die problematisch ist.»

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veröffentlicht: 27. Oktober 2023 05:50
aktualisiert: 27. Oktober 2023 09:12
Quelle: ZüriToday

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