80% Arbeit, 100% Lohn

Warum dieser Zürcher Coiffeur die Viertagewoche anbietet

Loris Gregorio, 6. Oktober 2022, 18:19 Uhr
Ein Zürcher Coiffeur bietet seinen Mitarbeitenden an, einen Tag weniger zu arbeiten und dabei keine Einbussen beim Lohn zu machen. Inhaber Graziano Cappilli verrät gegenüber ZüriToday wie dies in seinem Geschäft funktioniert.
Anzeige

Vier Tage arbeiten, gleich viel Lohn kassieren. Die Arbeitswelt spricht immer mehr über die Viertagewoche. In der Schweiz kämpfte Tamara Funiciello dafür, die Arbeitszeit auf 35 Stunden runterzuschrauben. Doch der Bundesrat sprach sich dagegen aus, Schweizer Unternehmen würden dies von sich aus einführen. Auch in Grossbritannien gibt es ähnliche Modelle.

Für die Viertagewoche hat sich im Kanton Zürich der Coiffeur-Salon Adesso Hair Design entschieden. Seine Filialen befinden sich beispielsweise in Esslingen, Hinwil oder Oetwil am See. Seit Februar dürfen die Mitarbeitenden von Inhaber Graziano Cappili bei gleichem Lohn einen Tag weniger arbeiten. «Das Pilotprojekt hat sich sehr positiv entwickelt», sagt Cappilli auf Anfrage. Darum werde er die Viertagewoche für seine Angestellten auch beibehalten.

Mehr Freizeit statt mehr Lohn

Das Projekt hat Cappilli gestartet, weil Coiffeure und Coiffeusen immer mehr leisten müssen. Zudem ist ihm die Work-Life-Balance seiner Mitarbeitenden wichtig, wie er immer wieder betont. Er konnte jedoch die Löhne nicht erhöhen: «In Dienstleistungsberufen wie als Coiffeuse muss man viel leisten für wenig Lohn. Weil die Umsätze stagnieren, können wir aber nicht mehr bezahlen. Deshalb bekommen die Angestellten dies in Form von Arbeitszeit.»

Um die Viertagewoche einzuführen, brauchte es im Vorhinein viel Planung. Doch am Schluss ging es auf, weil die Mitarbeitenden in der Regel 20 bis 30 Prozent sogenannte Leerzeit haben. Während dieser Zeit machen sie keinen Umsatz, weil sie beispielsweise auf die nächste Kundin warten. Angestellte, die bei Adesso Hair in diesem Modell arbeiten, kommen dann auf 34,4 Stunden pro Woche anstelle der regulären 43 Stunden.

Trend in Richtung weniger Arbeitszeit

Ob sich die Viertagewoche ohne politisches Handeln durchsetzt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Der Trend geht zumindest in diese Richtung: Im letzten Jahr betrug die durchschnittliche Arbeitszeit in der Schweiz 39,4 Stunden, das sind bereits 2,2 Stunden weniger als noch vor zehn Jahren.

Auch in seinen Ostschweizer Filialen hat Graziano Capilli die Viertagewoche eingeführt. Mehr dazu erfährst du im Video:

Quelle: TVO / Sendung vom 27. Februar 2022

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 7. Oktober 2022 07:09
aktualisiert: 7. Oktober 2022 07:09