15-jähriger Planespotter

«Die Leute denken, dass ich einen Dachschaden habe»

23. Januar 2023, 22:37 Uhr
Der Flughafen Zürich erwartet für das Weltwirtschaftsforum WEF rund tausend zusätzliche Flüge. Das freut Planespotter am Zürich Flughafen. Einer davon ist der 15-jährige Joël Zeidler aus Langenthal, Bern. Worauf er sich freut und was ihn an Flugzeugen so fasziniert, liest du im Interview.

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

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Joël Zeidler ist 15 Jahre alt, macht ein Übergangsjahr, bis seine Kochlehre beginnt und arbeitet nebenbei bei der Migros. Den grössten Platz in seinem Leben nimmt aber sein Hobby ein: Er ist Planespotter. Er fotografiert die spektakulärsten Maschinen, die in der Schweiz landen, und teilt seine Fotos mit seiner Anhängerschaft auf Instagram. Dafür reist er von seinem Wohnort im Kanton Bern jeweils eine bis eineinhalb Stunden an den Flughafen Zürich. Im Interview mit ZüriToday erzählt er von seinem aussergewöhnlichen Hobby.

Das ist Joël, er ist Planespotter. Heisst: Er beobachtet und fotografiert als Hobby Flugzeuge.

© ZVG

Wie bist du zum Planespotting gekommen?

Ursprünglich hat mich mein Vater dazu gebracht. Er hat auch gerne Flugzeuge. Als kleiner Bub bin ich mit ihm ans Pistenende nach Oberglatt gefahren, um «Flüger z'luege». Da habe ich begonnen, Flugzeuge mit dem Handy zu fotografieren. Irgendwann hat es mich reingezogen und ich bin fanatisch geworden.

Wie lange fotografierst du die Flugzeuge bereits?

2019 habe ich angefangen, mit dem Handy Fotos zu schiessen. Das war eher schlecht als recht. Wirklich aktiv bin ich seit letztem Jahr, nachdem ich auf meine Konfirmation eine Kamera bekommen habe. Seit dem WEF 2022 fotografiere ich nun mit dieser Kamera.

Schon als kleiner Junge war Joël von Flugzeugen fasziniert.

© ZVG

Bist du schon aufgeregt auf das WEF?

Ich freue mich extrem! Ich habe meine Kamera-Skills seit dem letztem Sommer verbessert. Die Aufregung hat aber ein wenig nachgelassen, da die südkoreanischen Gäste nur mit der «787» kommen. Sie besässen auch eine speziellere 747-Maschine. Das war also ein Flop. Aber ich freue mich im Allgemeinen, die Leute wiederzusehen.

Wie ist die Stimmung unter den Aviatik-Freunden zurzeit?

Alle sind am Hypen, wann ist wer wo – es ist wirklich schön!

Joël Zeidler bei seinem Hobby.

© ZVG

Welches sind die spektakulärsten Maschinen, die dieses Jahr fürs WEF am Flughafen Zürich landen?

Das ist extrem schwer zu sagen. Konkret weiss man nicht, wer genau kommt. Offiziell wissen wir nicht von vielen spektakulären Maschinen. Wir wissen, dass US-Präsident Joe Biden nicht kommt. Die Air Force One wäre ein Highlight gewesen.

Am Freitag kam via Twitter die Bestätigung, dass der chinesische Vizeministerpräsident Liu He am WEF teilnimmt. Das kann spannend werden, je nachdem, mit welcher Maschine er kommt. Inoffizielle Berichte gibt es auch. Da steht Interessantes drin, aber solange es nicht offiziell ist, zählt es für mich nicht. Man kann sich also freuen und muss hoffen.

Wohin gehst du, um die Flugzeuge zu spotten?

Es kommt darauf an, wo sie landen. Beim letzten WEF bin ich den ganzen Flughafen-Zaun entlang gelaufen. Es ist ein «Run or Die»: den Zäunen entlang, durch die Zäune durch, in Parkhäuser rein. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich eine 3,5 Kilometer lange Piste heruntergerannt bin, um einen Shot zu bekommen.

Was fasziniert dich am Planespotting?

Es ist eine sehr kollegiale Gesellschaft. Man freut sich, wenn ein Kollege ein Flugzeug fotografieren konnte, welches man selbst nicht erwischte – und umgekehrt ist es genauso. Es ist ähnlich wie im Skisport: Man ist Einzelkämpfer, aber auch sehr kollegial gegenüber anderen.

Was sagen deine Freunde und deine Familie zu deiner Faszination?

Viele sind selbst Planespotter. Meine Kollegen in der Schule denken sich, dass ich «einen Vogel habe», aber sie finden es auch cool. Meine Eltern unterstützen mich. Sie sind auch fasziniert und stolz auf mich.

Irgendwo hört das Verständnis aber auf. Im Dezember wollte ich bei minus sieben Grad fotografieren gehen. Die Leute dachten sicher, dass ich einen Dachschaden habe. Aber das ist halt mein Leben.

Wie sieht ein üblicher Planespotting-Tag aus?

Es kommt darauf an, was man möchte. Je nach Flug-Traffic gehe ich früher oder später raus. Dann schaue ich, welches Flugzeug wann und wo ankommt. Die Frage ist auch, ob man Start, Landung oder das Rollen fotografieren möchte. So sucht man den Spot aus. Dann geht man los und fotografiert. Danach isst man etwas. McDonalds und Migros ist das typische Planespotter-Essen.

Ein Planespotting-Tag muss variabel sein. Ein Planespotting-Tag, der nach Plan verläuft, ist kein Planespotting-Tag.

Bist du alleine oder mit anderen unterwegs?

Oft gehe ich mit meiner Freundin raus – sie ist auch Planespotterin. Sonst mit Kollegen und Freunden. Es gibt aber auch Tage, an denen niemand kann. Ich kann hingegen oft fotografieren gehen, weil ich zur Schule gehe und oft freihabe.

Welches ist dein Lieblingsflugzeug?

Das ist schwer zu sagen. Mein absoluter «Favorite» ist die Boeing 777. Es ist auch das grösste Flugzeug der Swiss. Von der Form her gefällt mir der Dreamliner, die Boeing 787. Und auch der Airbus A350.

(Gioia Niessner)

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Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 14. Januar 2023 17:04
aktualisiert: 23. Januar 2023 22:37