Abgesagtes Alba-Festival

Jacqueline Fehr: «Ich nehme die Diskriminierungsvorwürfe nicht persönlich»

Laura Dünser, 29. Juni 2022, 19:15 Uhr
Die kurzfristige Absage des Alba-Festivals 2021 in Zürich war diskriminierend. So urteilt die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus. «Rückblickend nachvollziehbar», findet die zuständige Regierungsrätin Jacqueline Fehr. Und räumt Fehler von Seiten des Kantons ein.
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Frau Fehr, war die Absage des Alba-Festivals tatsächlich diskriminierend? 

Ich kann nachvollziehen, dass die Absage und insbesondere die Kommunikation der Absage diskriminierend gewirkt haben könnte. Sowohl die Spitäler als auch die Medien haben damals explizit von einer tiefen Impfbereitschaft in der Balkan-Community sowie von besonders hohen Corona-Fallzahlen in der Ferienzeit in den Balkanländern berichtet. Ob es richtig war, eine einzelne Bevölkerungsgruppe in den Fokus zu stellen, sollten wir alle hinterfragen. In der Begründung zur kurzfristigen Absage des Alba-Festivals letzten September hätte man diese Aussagen rückblickend weglassen sollen.

Ist der Vorwurf der Diskriminierung als SP-Politikerin nicht ein Schlag ins Gesicht?

Ich nehme diese Einschätzung der Kommission nicht persönlich. Wie gesagt – in der Berichterstattung sprach man letztes Jahr von klaren Unterschieden bei der Impfbereitschaft in verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Unseren Entscheid und auch diese Unterscheidung im Nachhinein zu hinterfragen, finde ich wichtig. Deshalb haben wir auch eine Einschätzung der Kommission beantragt.

Diese Einschätzung wurde durch die Medien publik. Das sorgt für Kritik. Wieso hat der Kanton sie nicht von sich aus kommuniziert?
Das war ein Fehler unsererseits. Die Kommission hatte unsere Anfrage unserer Meinung nach in einem ersten Schreiben noch nicht beantwortet. Wir haben eine Nachfrage gestellt, darauf aber keine Antwort bekommen. Unser Fehler war, dass wir da nicht nachgehakt haben. Wir sind erst durch eine Medienanfrage auf das Fehlen aufmerksam geworden, haben anschliessend nochmals nachgefragt und von der Kommission erfahren, dass ihre Antwort längst verschickt wurde. Wir wissen nicht genau, wo der Fehler passiert ist. Vielleicht bei uns, vielleicht anderswo. 

Einzelne Vertreter der albanischen Community fordern eine Entschuldigung.

Ich habe mich bereits dafür entschuldigt, dass der Entscheid der Absage so kurzfristig gefällt wurde. Ausserdem glaube ich, dass die meisten Betroffenen wissen, dass ich mich für eine inklusive Gesellschaft und die Chancengleichheit aller Menschen einsetze. Einer guten Zusammenarbeit mit der Community steht damit auch in Zukunft nichts im Weg.

Sie planen, beim Alba-Festival 2022 am kommenden Wochenende als Besucherin dabei zu sein. Gehen Sie jetzt mit einem mulmigen Gefühl dahin?

Auf keinen Fall. Ich pflege gute Beziehungen zu Menschen aus der albanischen Community. Sie freuen sich, dass das Festival dieses Jahr wieder stattfinden kann, und ich freue mich, dass ich dabei sein kann.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 29. Juni 2022 19:18
aktualisiert: 29. Juni 2022 19:18