Wohnungsnot

In Zürich bekommst du für 650 Stutz ein Schimmelzimmer

15.02.2024, 16:49 Uhr
· Online seit 18.10.2023, 09:30 Uhr
Auf der Suche nach einem günstigen Zimmer in Zürich geht manch potenzieller Mieter Kompromisse ein. Neu könnte man auf dem Markt sogar ein Schimmelzimmer für 650 Franken bekommen. Ein 23-Jähriger schaute sich ein solches in der Hallwylstrasse an.
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Gebäude, die kurz vor dem Abriss stehen oder bald saniert werden sollen, müssen nicht zwangsläufig leer stehen. Eine aus Zwischennutzung spezialisierte Immobilienfirma vermietet genau solche. Der Mieterinnen- und Mieterverband weiss davon.

Geworben wird seitens der Firma damit, dass die Angebote meist konkurrenzlos günstig seien und sie verspricht, mit den Vermittlungen via des sogenannten «Projekt Interim», Leerstand zu vermeiden oder zu überbrücken.

«Das Zimmer hat jegliche Grenzen überschritten»

Auf der Suche nach einem günstigen Zimmer in Zürich war auch der 23-jährige R.G.*, der sich in Begleitung eines Mitarbeiters von besagter Immofirma ein Zimmer an der Hallwylstrasse 40 anschauen ging, schreibt «20Minuten».

Als G. das Zimmer sieht, ist er geschockt. Es habe jegliche Grenzen überschritten, sagt er gegenüber der Zeitung. 650 Franken müsste G. für ein Schimmelzimmer hinblättern und Dusche und Bad auf dem Hausflur mit anderen Bewohnenden teilen.

Der 23-Jährige braucht dringend eine Bleibe und fragt deshalb bei der Verwaltung nach, ob man denn das Zimmer nicht sanft renovieren könne vor Einzug. Dort heisst es aber nur, dass nichts am Zimmer gemacht werde, erzählt G. Selbst dürfte er jedoch renovieren. Der Witz an der Sache sei, dass im Vertrag stehe: «Das Zimmer ist bei Auszug wieder so zu verlassen, wie man es angetroffen hat», so G.

«Ein solches Vorgehen ist Abzocke»

Walter Angst vom Mieterinnen- und Mieterverband Zürich (MVZH) zeigt sich kaum überrascht von den teils prekären Verhältnissen in den Wohnungen von «Projekt Interim». Die Mieten für diese Gammelwohnungen variierten stark, sagt Angst. So koste eine wie in besagtem Fall rund die Hälfte des normalen Preises, während man für nicht so stark renovierungsbedürftige 2-Zimmer-Wohnungen mit Balkon deutlich mehr zahlen muss.

Angst ist der Ansicht, dass der Weg von «Projekt Interim» anmassend sei. Lieber solle man diese Wohnungen sanieren, anstatt sie zu einem tieferen Preis zu vermieten. «Ein solches Vorgehen ist Abzocke», sagt er denn auch gegenüber «20Minuten».

«Mängel würden behoben werden»

Interim gehe jedoch ein sehr grosses Risiko ein, denn ein Mieter könnte nach Vertragsunterzeichnung die Instandsetzung verlangen, so Angst. Egal, wie hoch die Kosten dafür seien. Schimmelpilz in den Wohnungen ist gesundheitsschädigend und kann zu Reizungen der Augen, Haut, Atemwege und Schleimhäute führen, bestätigt «Lunge Zürich».

Projekt Interim sagt auf Anfrage von «20Minuten», dass es in besagter Liegenschaft einzelne Zimmer gäbe, die vor Vermietung erst saniert werden müssen. Man achte stets darauf, dass diese Zimmer gut bewohnbar seien. Aufgrund des riesigen Interesses an den Wohnungen an der Hallwylstrasse habe man seit der Übernahme die Zimmer teils noch nicht renovieren können. Die Mängel würden aber selbstverständlich behoben, sollte ein Zimmer vermietet werden.

(nib)

*Name der Redaktion bekannt

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veröffentlicht: 18. Oktober 2023 09:30
aktualisiert: 15. Februar 2024 16:49
Quelle: ZüriToday

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