Zürich

38-Jähriger wohnt wochenlang in Stäfner Gasthof und bezahlt nicht

Bezirksgericht Meilen

38-Jähriger wohnt wochenlang in Stäfner Gasthof und bezahlt nicht

· Online seit 26.09.2023, 08:58 Uhr
Ein Alptraum für jeden Hotelier: Ein Gast wohnt sechs Wochen lang im Hotel, bezahlt nichts und hinterlässt am Ende ein verwüstetes Zimmer. Zudem soll er einen Rollstuhl geklaut haben. Wegen zahlreichen Delikten stand er in Meilen vor Gericht.
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Anfang 2021 buchte sich ein heute 38-Jähriger ein Zimmer in einem Gasthof in Stäfa. Ganz sechs Wochen lang weilte er dort. Laut der mehr als 20-seitigen Anklageschrift des Bezirksgerichts Meilen verliess er das Hotel eines Morgens einfach, ohne die Rechnung von knapp 3000 Franken zu begleichen.

Der Angeklagte soll im Hotel auch Möbel beschädigt haben. Zudem werden ihm weitere Delikte vorgeworfen: Gewerbsmässiger Betrug, Zechpellerei, mehrfacher Diebstahl bis zu Drohungen gegen Beamte, vermeldet die «Zürisee-Zeitung».

Rollstuhlklau brachte nur 800 Franken

Während seiner Zeit im Stäfner Gasthof soll der Beschuldigte auch einen Rollstuhl eines anderen Gastes geklaut und anschliessend verkauft haben. Grosses Business machte er damit indes nicht. Der Rollstuhl hatte einen Wert von 2850 Franken, der 38-Jährige verscherbelte ihn für 800, sagte er vor Gericht.

Den Rollstuhl geklaut zu haben, bestreitet der Angeklagte jedoch und behauptet vor Gericht, darum gebeten worden zu sein, ihn zu verkaufen. Er habe den Erlös dem Besitzer zurückgegeben.

«War in einem desolaten Zustand»

Die Verhandlung macht deutlich, dass der Beschuldigte offensichtlich ein grosses Drogenproblem hat. Um seine Sucht zu finanzieren, betrog er auch auf Online-Plattformen wie Tutti und Facebook. 43 Opfer gingen ihm auf den Leim.

Seine Masche: Monatelang bot er Smartphones und elektronische Geräte zum Verkauf an, die er gar nicht besass. Kaum hatte er die Anzahlung, brach er den Kontakt jeweils ab. In der Ostschweiz soll er zudem mehrfach gestohlen haben, Polizisten bedroht, Verkehrsregeln verletzt und über einen Bankomaten gepinkelt haben.

Der mehrfach vorbestrafte Mann erklärt die vielen Delikte mit seinem damals desolaten Zustand. So habe er täglich zwei Flaschen Whiskey getrunken, Marihuana und Kokain konsumiert. Er gesteht mehrere der vorgeworfenen Taten und bekundet vor Gericht, dass er letztmals vor 15 Jahren auf ehrliche Weise Geld verdient habe.

«Mache ab und zu einen Seich»

Die Staatsanwältin fordert für den Beschuldigten eine unbedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Zudem soll er eine Busse von 2500 Franken bezahlen, sowie eine ambulante Therapie machen. Sucht sei eine Erklärung, aber keine Legitimation, erklärte sie.

Bei seiner Verhaftung sei der 38-Jährige gefragt worden, wie er denn seinen Lebensunterhalt bestreite, und geantwortet haben soll er, dass er ab und zu «einen Seich» mache. Von der Staatsanwaltschaft wird ihm vorgeworfen, seine Scheinverkäufe gewerbsmässig gemacht zu haben.

Verteidigung fordert geringere Strafe

Die Verteidigung will eine weniger lange Strafe von höchstens 18 Monaten und begründet dies damit, dass bereits die Mutter des Angeklagten drogenabhängig war. Damit sei sein Schicksal von Geburt an praktisch programmiert gewesen. Seit über einem Jahr sei sein Mandant zudem clean. Er habe auf seinem früheren Leben nur noch mit seiner 9-jährigen Tochter und deren Mutter Kontakt.

Die Bezirksrichterin verurteilt den Angeklagten am Ende für die vielen Delikte und folgt dem von der Staatsanwältin geforderten Strafmass.

(nib)

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veröffentlicht: 26. September 2023 08:58
aktualisiert: 26. September 2023 08:58
Quelle: ZüriToday

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