Es braucht Schweiss und Salz

Die Wärme muss raus – so reagiert unser Körper auf die Hitzewelle

Maurus Held, 1. August 2022, 12:51 Uhr
Steigen die Temperaturen, muss der Körper mit der Schweissproduktion mitziehen. Dabei darf der Blutdruck aber nicht vernachlässigt werden – einfacher gesagt als getan. Mit weniger Bewegung und deutlich mehr Trinken können wir immerhin nachhelfen.

Es ist ein heisser Sommer. Bereits am Donnerstag sind wieder rekordmässig hohe Temperaturen von über 35 Grad zu erwarten. An unserem Körper geht dies nicht spurlos vorbei: Als ausgeklügelter Organismus muss er sich der Hitze anpassen und diese möglichst gut ausbalancieren. Dies wiederum kann je nach Aussentemperatur ganz schön anstrengend sein, sagt Thierry Hennet, Professor für Physiologie an der Universität Zürich. Gegenüber ZüriToday erklärt er, was in unserem Körper während einer Hitzewelle genau passiert.

«In Bezug auf die Hitze muss unser Körper zwei Dinge beachten: Die Körpertemperatur, die grundsätzlich 37 Grad beträgt, und den Blutdruck», so Hennet. «Ab einer gewissen Aussentemperatur sind diese zwei Komponenten aber nicht mehr vereinbar.» Wird die Luft nämlich genauso heiss wie der Körper, kommt dieser – je nach Körpergrösse und Alter – an seine Grenzen. «Leidtragender» davon ist dann eben der Blutdruck.

Blutgefässe werden grösser, Blutdruck sinkt

Die 37 Grad Körpertemperatur soll der Körper nämlich konstant aufrechterhalten. Hierfür erhöht er die Durchblutung zur Haut, denn dort geschieht das Schwitzen, das durch eine stärkere Durchblutung stimuliert wird. Über die Schweissdrüsen wird überschüssige Wärme aus dem Körper gepumpt; diese verdunstet dann in Form von Schweiss auf unserer Haut und kühlt den Körper ab. Der Haken: Bei 36 Grad Raumtemperatur ist die Maximalverdunstung erreicht.

Wie schützt du dich vor der Hitze? Schreib es uns in die Kommentare oder schick uns ein Bild!

Wird es also noch heisser (und die Luft feuchter), versucht der Körper, noch mehr Blut in die Haut fliessen zu lassen und dadurch Schweiss zu produzieren. Die Blutgefässe dehnen sich noch weiter aus, was zu einer Abnahme des Blutdrucks führt. Durch diese Abnahme beginnt das Herz, stärker zu pumpen, da es das wenige Blut, das zurück- und nicht in die Haut fliesst, möglichst schnell wieder reproduzieren will. Dadurch steigt allerdings der Puls.

Körper gewöhnt sich erst nach 2 Wochen daran

«Deshalb gilt es, die Körperaktivitäten möglichst zu reduzieren», so Hennet. Denn zu grosse Herzaktivitäten beziehungsweise ein zu tiefer Blutdruck können zu einem Hitzeschlag oder -Kollaps führen. «Die Durchblutung des Hirns mit Sauerstoff und Blut wird reduziert. Das darf nicht passieren», erklärt der Physiologe. So sei die Körpertemperatur-Regulierung auch eine Regulierung der Herzaktivitäten.

Diese Balance zwischen Schweissförderung und dem Aufrechterhalten des Blutdrucks sei ab 36 Grad schwierig – nach rund zwei Wochen könne sich der Körper aber daran gewöhnen. «So lange dauert die Akklimatisierung. Dann sind wir im Stande, volumenmässig das Zwei- bis Dreifache rauszuschwitzen.» Dadurch verringere sich auch der Salzverlust. Dieser betrage normalerweise bis zu 30 Gramm pro Tag.

Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt Hennet, nicht nur sechs bis sieben Liter Wasser, sondern auch isotonische Getränke zu trinken und Salze zu sich zu nehmen. Ohne diese verliert der Körper zu viel Wasser. Übrigens: die Rückumstellung, wenn die Temperaturen wieder sinken, stellt für den Körper kein Problem dar. «Hierfür müsste die Hitzewelle länger als zehn Tage andauern», so Hennet.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 25. Juli 2022 18:35
aktualisiert: 1. August 2022 12:51
Anzeige