Oh Schreck, oh Weihnachtsschmaus

5 Tipps, wie du langweilige Betriebsfeiern stilvoll verlässt

Loric Lehmann, 9. Dezember 2022, 14:20 Uhr
Weihnachtszeit ist immer auch die Zeit der Geschäftsessen. Mit Abwesenheit zu glänzen ist eher weniger eine gute Option: Deshalb am besten hingehen und sich irgendwann verabschieden. Ratschläge für den eleganten Abgang öder Betriebsanlässe.
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Gegen Ende des Jahres flattert oft eine Mail mit der Einladung zum Weihnachtsessen der Firma ins Postfach. Je nach Teamzusammensetzung und Programm verspricht der Abend ein Heiterer zu werden – oder auch nicht.

Obwohl man die Arbeitskolleginnen wahrscheinlich mittlerweile öfters sieht als die besten Freunde (oder genau darum), kann so ein Weihnachtsessen je nach Rahmenprogramm und Lokalität irgendwann mehr Pflicht als Vergnügen sein. Und dann stellen sich Fragen wie: Ist es unhöflich, früh zu gehen? Muss ich mich von allen verabschieden? Was mache ich, wenn man versucht, mich zum Bleiben zu animieren?

1. Time To Say Goodbye – but when?

Schon Andrea Bocelli besang in den 90er-Jahren den Zeitpunkt, wenn Abschied genommen werden muss. Er beschrieb damit aber wohl kaum die missliche Situation an einem Geschäftsessen, wo der eine Tischnachbar dir seit einer Stunde Bilder seiner (nach Wahl einsetzen: Kinder, Katzen, Katamarane) auf seinem Smartphone zeigt und schaurig langatmige Anekdoten darüber erzählt.

Auf der anderen Seite gibt der Chef oder die Chefin politisch extrem grenzwertige Witze zum Besten, wo du dich ständig fragst, ob du nun die Moralkeule hervornehmen musst oder einfach mit den Augen rollen sollst. Kurz: höchste Zeit für den Abgang.

Wenn du dich nun aufs Klo verzogen hast und nach einer Suchmaschinen-Suche (hä?) auf diesem Artikel gelandet bist: herzlichen Glückwunsch. Du bist im gähnenden Äther des Internets am designiert besten Ort angelangt.

2. Ist es noch zu früh, um zu gehen?

Meistens ist es nie zu früh, um das wenig rauschende Fest hinter sich zu lassen, solange man ein paar Dinge beachtet. Wenn das Essen noch im Gang ist, sollte man abwarten. Danach gilt: Wenigstens noch ein Stündchen ausharren – das ist das absolute Minimum. Das Gute dabei: Nach dem Essen kann man mit der aussterbenden Spezies der Nikotinsüchtigen etwas frische Luft schnappen, während die Dinosaurier sich die schlechte reinziehen (genau, der Autor ist nerviger Ex-Raucher).

Dies bietet dir Gelegenheit auf andere Gesprächspartner und eine Verschnaufpause (höhö). Wer vif genug ist, kann sich dann auch einen anderen Sitzplatz am Fest schnappen. So kann man sich elegant eine Pause seiner strapazierten Nerven gönnen.

Ist ein gutes Weilchen nach dem letzten Programmpunkt verstrichen, kannst du dich ohne schlechtes Gewissen verziehen. Ein günstiger Zeitpunkt ist natürlich immer, wenn ein anderer Gast geht. So kannst du dich wunderbar anschliessen, ohne der einzige «Spielverderber» zu sein.

3. Finde die richtigen Worte

Wenn du gehen willst, gehst du. Punkt. Da brauchst du eigentlich nichts gross zu erklären. Ist es aber doch noch auffallend früh, dann macht eine kurze Begründung natürlich Sinn. «Ich muss morgen früh aufstehen» oder «Die (Kinder, Katzen, Kata… äh, nein) machen zu Hause Ärger.» Da hilft zur Not auch mal die gute alte Notlüge, um den Gastgeber bzw. die Chefinnen nicht zu kränken. Bedanke dich auf jeden Fall für die Einladung und das Essen.

Wichtig: Du musst dich nicht bei jedem Einzelnen verabschieden. Einen französischen Abgang zu machen, ist aber auch eher unhöflich. Sag der Chefin und den Organisatoren auf jeden Fall Adieu und vielleicht noch deinen – Seufz – Tischnachbarinnen.

Roger Federer bedankte sich bei seinem letzten Spiel bei seiner Familie – so tränenreich musst du aber nicht abtreten:

Quelle: CH Media Video Unit / Silja Hänggi

4. Lass dich nicht überzeugen, zu bleiben

Jeder kennt es. Und hats auch schon gesagt: «Bleib doch noch.» «Gehst du schon?» «Komm trink doch noch eine letzte Runde.» Wenn du nachgibst, wirst du es sehr, sehr wahrscheinlich bereuen. Hast du mal den Entschluss gefasst zu gehen, solltest du dabei bleiben.

Wenn du nicht mehr in Stimmung bist, dann nützt es nichts, dich zu zwingen. Wenn du wirklich nach Hause willst, dann lass dich auf keine Diskussion ein. Ignoriere die Kommentare einfach und lächle. Lange Erklärungen bringen meist sowieso nichts.

5. Wenn es WIRKLICH Zeit ist zu gehen

In diesen Fällen ist es UNBEDINGT Zeit, das Fest AUGENBLICKLICH zu verlassen:

  • Wenn man das Bedürfnis verspürt, einen Untergebenen oder eine Untergebene anzuflirten. Du wirst es bereuen. Garantiert.
  • Wenn dir jemand erklärt, wie du am besten nach Hause kommst.
  • Wenn du den Drang verspürst, vor versammeltem Team deine Break-Dance-Moves zu präsentieren.
  • Wenn du erst nach dem Pinkeln merkst, dass deine Hose noch zu ist.
  • Wenn dich jemand fragt, ob du auch die elfte Runde Glühwein mit Schuss mitmachst.
  • Wenn du dich nur mal kurz «auf das Sofa legen» willst.
  • SHOTS!
  • Wenn du unbedingt die Fotos deiner (Kinder, Katzen, Katamarane) herumzeigen willst.

Als Bonus: Ein Video von Karel Gott, der «Zeit zu gehen» singt:

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 7. Dezember 2022 17:07
aktualisiert: 9. Dezember 2022 14:20