Fussball-WM

Das musst du über den Gastgeber Katar wissen

Maarit Hapuoja, 15. November 2022, 12:03 Uhr
Am nächsten Sonntag startet die Fussball-WM in Katar. Sonntag, das ist in Katar der Wochenstart. Was du ausserdem zur katarischen Kultur und zur Geschichte wissen solltest, erfährst du hier. Reist du zudem an die WM, erhältst du ein paar nützliche Tipps.
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Katar. Was einmal ein armer Wüstenstaat war, ist heute ein reiches Land. Der Staat verfügt über riesige Öl- und Gasvorräte und hat sich zu einer Weltmacht mit 2,8 Millionen Einwohnern entwickelt. So schenkt der Staat den Bürgern die Gesundheitsversorgung und Schulen, Einkommenssteuern gibt es keine. Allerdings gilt dies nur für Staatsangehörige, diese machen rund zehn Prozent aller Einwohner aus.

Gleichzeitig wird Katar wegen der schlechten Menschenrechtslage stark kritisiert. Arbeitsmigranten, etwa aus Indien, Bangladesch oder Nepal, haben ein schwieriges Leben. Schlechte Bezahlung, harte Arbeitsbedingungen und schlechte Unterkunftsmöglichkeiten. Stark in Kritik geraten ist Katar auch, weil im Land Homosexualität verboten ist.

Trotzdem findet die Fussball-Weltmeisterschaft ab dem 20. November in Katar statt. Was du für deinen Aufenthalt wissen musst, wenn du zur WM reist, oder was du sonst über das Land wissen solltest, und wie Katar zu einem reichen Land wurde.

So verhält man sich in Katar richtig

Was die Kleiderwahl betrifft, sollten in Katar Röcke oder Shorts vermieden werden. Die Knie sollten bedeckt sein, genauso die Schultern. Ansonsten können die Menschen die Kleidung ihrer Wahl tragen. Einheimische tragen in der Regel traditionelle Kleidung.

Mit dem Finger auf eine Person zu zeigen, gilt in Katar als sehr unhöflich und sollte daher vermieden werden. Auch Heranwinken mit dem Zeigefinger sollte unterlassen werden. Ausserdem wird ein hochgestreckter Daumen in Katar nicht als positives Feedback wahrgenommen, sondern als beleidigend.

Küssen und umarmen in der Öffentlichkeit ist verboten und kann bestraft werden. Auch unehelicher Geschlechtsverkehr kann harte Strafen zur Folge haben – bis zu sieben Jahre Haft. Weil Muslime, Frauen die Hand nicht geben dürfen, ist Händeschütteln nicht die gängige Begrüssung.

Der Freitag ist der Ruhetag

Der erste Tag der Woche ist in Katar der Sonntag. Das Wochenende ist Freitag und Samstag. Der Sonntag ist somit ein normaler Arbeitstag, am Freitag hingegen haben die meisten Geschäfte geschlossen. Viele sind nach dem Freitagsgebet wieder offen, die Behörden bleiben aber zu.

Shops sind üblicherweise von 9 bis 21 Uhr geöffnet. Katar hat eine familienfreundliche Kultur. Kinder sind in fast allen Einkaufszentren, Restaurants und Kultureinrichtungen jederzeit willkommen.

Auto, Bus oder Metro?

In Katar reist man am besten mit dem Auto von einem Ort zum anderen. Entweder kann man ein Taxi bestellen oder einen Wagen mieten. Überhöhte Geschwindigkeit und die häufige Missachtung von Verkehrsregeln bilden ein erhebliches Unfallrisiko auf Katars Strassen. Bei Unfällen muss sofort die Polizei informiert werden. Die Position der Fahrzeuge sollten bis zum Eintreffen der Polizei nicht verändert werden, denn dies kann als Eingeständnis der Schuld gewertet werden.

Auch Busse fahren durch die Strassen Katars, diese sind jedoch sehr unzuverlässig. In Katar gibt es auch eine Metro, mit dieser kann man vom Flughafen ins Zentrum fahren. Weitere Auskunft über die Verkehrsverbindungen erteilen die zuständigen Gesellschaften und Reisebüros.

Darf man nun Alkohol trinken oder nicht?

In der Öffentlichkeit ist es in Katar verboten, Alkohol zu trinken. Alkohol kann man weder ins Land einführen, noch in Geschäften kaufen – es ist nicht Teil der Kultur. Wer dennoch Lust auf ein Bier oder ein Glas Wein hat, kann dies in einem lizenzierten Restaurant, Bar oder Hotel tun. Dafür muss man allerdings etwas tiefer ins Portemonnaie greifen. Ein Bier kostet umgerechnet etwa 15 Franken. Das Mindestalter beim Alkoholkonsum ist 21 Jahre.

Für die Fussball-WM gibt es Ausnahmen. Auf dem Stadiongelände wird drei Stunden vor Spielbeginn und jeweils eine Stunde nach Schlusspfiff Alkohol ausgeschenkt. Im Stadion selbst gibt es aber nur alkoholfreies Bier. Während des Spiels kann nur in der Loge Alkohol getrunken werden. Beim Fifa-Fan-Festival wird es zusätzlich ab 18.30 Uhr möglich sein, Alkohol zu trinken.

Trinkgeld geben, ist eine freiwilllige Angelegenheit. Viele haben etwas Bargeld bei sich, um für Dienstleistungen ein kleines Trinkgeld zu geben. Die Landeswährung in Katar ist Riyal. 100 Schweizer Franken entsprechen zirka 26 Riyal. Für sonstige Ausgaben eignen sich die gängigen Kreditkarten.

Wie ein armes Land zu unglaublichem Wohlstand kam

In Katar haben die Al Thanis die totale Kontrolle. Sie regieren Katar seit 1913. Zuvor war Katar ein britisches Protektorat, es war kaum unabhängig. Als in den 1920er Jahren der Perlenhandel einbrach, war Katar geprägt von Armut, Unterernährung und Krankheiten. Während in Europa der Zweite Weltkrieg ausbrach, entdeckten die Katari Erdöl. Erst zehn Jahre später wurde Erdöl massiv gefördert. Die Al-Thani-Familie nutzte das Geld aus der Ölförderung in den 1950er Jahren und baute damit Schulen, Krankenhäuser und eigene Kraftwerke. So erlebte die Wirtschaft Katars einen Aufschwung und die Al Thanis sicherten sich die Macht.

Ein grösserer Aufschwung erlebte das Emirat in den 70er Jahren. Ende der 1960er Jahre zogen sich die britischen Truppen zurück und 1971 proklamierte Katar seine Unabhängigkeit. Es lehnte einen Anschluss an die Vereinigten Arabischen Emirate ab. Katar investierte mehr Geld in Sozialprogramme, Häuserbau sowie ins Gesundheits-, Renten- und Bildungssystem.

1971 wurde ausserdem das grösste Erdgasfeld der Welt vor der Küste Katars entdeckt. Das kleinere Feld, ausserhalb der katarischen Gewässer gehört dem Iran, das grössere gehört den Katarer. Dort liegt Erdgas, das die Welt nicht einmal in 270 Jahren leer pumpen könnte. Seit dem Putsch 1995 produziert Katar immer mehr ihres Stromes selbst. Und auch die Ölproduktion wurde hochgefahren. Dank Kooperationen besitzt Katar heute die grösste horizontale Bohranlage der Welt. Seit 2013 ist Tamim bin Hamad Al Thani Staatsoberhaupt von Katar.

Einen grossen Schutz ihres Reichtums hat sich Katar mit dem Bau der al-Udeid-Air-Base 1996 erschafft. Das ist eine der wichtigsten Stationen für das US-Militär in der Golfregion. Das verschafft Katar bis heute einen riesigen Wohlstand.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 15. November 2022 08:02
aktualisiert: 15. November 2022 12:03