Nach Aussagen von WM-Botschafter

Queere Community protestiert vor Fifa-Museum gegen Homophobie

Loris Gregorio, 8. November 2022, 16:40 Uhr
Der WM-Botschafter aus Katar bezeichnete Homosexualität als «geistigen Schaden». In Katar ist es verboten, homosexuell zu sein. Diese Aussage zeigt laut Pink Cross, wie die Situation für queere Personen in Katar ist – «grauenhaft und unverständlich» – und die Fifa tut nichts.

Quelle: ZüriToday / Robin Luijten

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Die Fussball-Weltmeisterschaft in Katar ist in vieler Hinsicht umstritten. Nun sorgt der WM-Botschafter und frühere Fussball-Nationalspieler Khalid Salman erneut für Schlagzeilen: In einem Interview für die ZDF-Dokumentation «Geheimsache Katar» sagte Salman, er sei «kein strenger Muslim» und bezeichnete Homosexualität als «geistiger Schaden». Der Pressesprecher der WM brach das Interview darauf ab.

Die Today-Redaktion hat bei Pink-Cross-Sprecher Roman Heggli nachgefragt. Mit dieser Aussage sei es nochmals viel schlimmer geworden: «Das zeigt, wie die Situation in Katar für LGBT-Personen ist. Es ist grauenhaft und unverständlich, dass die Menschenrechte im WM-Land nicht gewährleistet sind.»

Queere Personen (nicht ganz) willkommen

Laut dem Gastgeberland sind queere Personen zwar willkommen. Sie dürfen aber nicht zeigen, dass sie queer sind. «Das geht nicht», sagt Heggli, «es ist ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit und wir können das nicht einfach verstecken.»

Die Situation vor Ort sei für queere Personen eine Gefahr, auch für LGBT-Personen, die dort leben. «Sie werden verfolgt, gefoltert und missbraucht und die Fifa sagt einfach, man solle sich auf den Fussball konzentrieren», führt Heggli fort. Der Verein Pink Cross führte am Dienstag zudem eine Protestaktion durch vor dem Fifa-Museum in Zürich. Dabei protestierten sie mit einem sogenannten Kiss-in, eine friedliche Art von Protest, bei dem sich Personen in der Öffentlichkeit küssen.

Fifa stützt sich auf die Garantie von Katar

Im März forderte Pink Cross den Bund auf, dass sie die Sicherheit von queeren Personen gewährleisten. Mit dem Wissen, dass Leben in Gefahr sind, stützt sich die Fifa auf die Garantie von Katar, Heggli sagt dazu: "Die Fifa stützt sich auf die Garantie von einem Land, das Homosexualität als geistige Krankheit und eine Sünde bezeichnet. Die Garantien sind nutzlos und wertlos, wie sich mit den Aussagen des WM-Botschafters wieder zeigt.»

Im Vorfeld der WM im arabischen Land gab es immer wieder Diskussionen um Themen wie Liebe, Sex oder Alkohol. So sollen beispielsweise Homosexuelle ihre Liebe nicht öffentlich zeigen, sagt der einzige Katarer, der sich als schwul geoutet hat. Die Fifa sagte zudem mal aus, dass sie Verträge mit «schwulenfeindlichen» Hotels künden will. Auch der Konsum von Alkohol ist in der Öffentlichkeit verboten, in Fussballstadien gab es das allerdings bereits an bisherigen Weltmeisterschaften.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 8. November 2022 15:35
aktualisiert: 8. November 2022 16:40