Viele verdienen mit

Deshalb ist Benzin derzeit so teuer

Vroni Fehlmann, 1. Juni 2022, 17:29 Uhr
Die Preise für Sprit steigen stetig an, in Deutschland gibt es seit Mittwoch gar einen «Tankrabatt». Doch warum kostet Benzin derzeit so viel? Der Preis wird durch verschiedene Faktoren bestimmt.

Natürlich spielt der Ölpreis eine zentrale Rolle. Dieser richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Während der Corona-Pandemie sank letztere, weshalb auch der Benzinpreis runterging. Doch seit die Wirtschaft wieder in Gang kommt, steigt auch der Ölpreis wieder. Gleichzeitig haben die Raffinerien während Corona die Produktion gedrosselt, bis diese wieder auf vollen Touren läuft, ist das Angebot nach wie vor begrenzt. Gleiches gilt auch für die Frachtschiffe, die das Öl zu uns bringen, wie der TCS schreibt.

Ein weiterer Faktor ist der Ukraine-Krieg. Da ein Teil des Öls aus Russland stammt, kommt es zu Engpässen. Der Krieg treibt den Preis also zusätzlich in die Höhe. Mit dem kürzlich beschlossenen Ölembargo wird das Benzin bald noch teurer.

Rund die Hälfte des Preises machen staatliche Steuern und Abgaben aus, etwa die Mehrwertsteuer oder Importabgaben. Ist der Ölpreis gestiegen, steigen auch die Steuerabgaben. Zudem werden Rohöl und Sprit in Dollar gehandelt. Auch der Währungskurs hat somit einen Einfluss auf den Preis.

Die Raffinerien verdienen ebenfalls mit: Seit Anfang Jahr haben sie ihre Marge sogar erhöht, was den Benzinpreis in die Höhe trieb, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. «Die Raffinerien machen derzeit einen grossen Profit», sagt Ramon Werner von Oelpool AG zur Zeitung. Die Marge lag bisher bei 10 bis 20 Dollar pro Fass Rohöl. Kostet ein solches also 100 Dollar, zahlt man für die gleiche Menge Benzin 110 bis 120 Dollar. Seit Anfang Jahr ist die Marge nun auf 40 bis 50 Dollar gestiegen. Die Unsicherheit wegen des Ölembargos dürfte diese Marge noch weiter in die Höhe treiben.

Innerhalb der Schweiz fallen ebenfalls Kosten an. Das Benzin muss gelagert und zur Tankstelle transportiert werden, auch Löhne müssen bezahlt werden.

Unabhängig davon, was im Ausland passiert, kontrolliert auch der Rhein den Benzinpreis. Ist sein Wasserstand tief, wie das derzeit der Fall ist, können die Frachtschiffe nicht so viel Öl transportieren wie sonst. Das Angebot ist damit knapp, der Preis steigt.

Das Parlament will in zwei Wochen diskutieren, wie der Benzinpreis gesenkt werden kann. In Deutschland will man den steigenden Preisen mit einem Tankrabatt entgegenwirken. Eine Fahrt ins Nachbarland lohnt sich derzeit aber noch nicht. Erst müssen die Tanks mit dem Benzin und Diesel geleert werden, für die der Rabatt noch nicht gegolten hat. Ausserdem könnte wegen des Rabatts die Nachfrage steigen, was wiederum den Preis in die Höhe treibt. Ob die Massnahme also tatsächlich das Portemonnaie entlastet, ist noch unklar. Generell rät der TCS von Umwegen zu günstigeren Tankstellen ab. Diese lohnten sich meist nur für volle Tankfüllungen ab 50 Liter.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 1. Juni 2022 17:24
aktualisiert: 1. Juni 2022 17:29
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