Zürich
Züri Fäscht 2023

Gasflaschen in der Sommerhitze: Das musst du beachten

Explosionsgefahr

Gasflaschen in der Sommerhitze: Das musst du beachten

· Online seit 12.07.2023, 12:57 Uhr
Gasflaschen haben zum Feuer beigetragen, das am Züri Fäscht einen Essensstand komplett niederbrannte. Wie geht man richtig mit ihnen um? Mit diesen Tipps umgehst du brenzlige Situationen beim Campieren und Grillieren mit Gasherd und -Grill.

Quelle: ZüriToday

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«Wie es zu diesem Brand kommen konnte, ist Gegenstand laufender Ermittlungen», sagt Maurice Lorenz, Mediensprecher von Schutz und Rettung Zürich gegenüber ZüriToday. Eins ist klar: Beim Feuer-Vorfall am Züri Fäscht waren mehrere Gasflaschen involviert, was zum kompletten Ausbrennen eines Essensstands führte.

Was gewerbliche wie auch private Nutzer von Gasflaschen bei deren Umgang unbedingt beachten sollten, erklärt ein Sicherheitsberater des Winterthurer Gas-Fachcenters Selzam AG.

Gas-Kontrollen am Freitag gemacht

Für das Züri Fäscht gelte laut SRZ-Mediensprecher Lorenz die Auflage, dass der Veranstalter sämtliche flüssiggasbetriebene Anlagen durch eine Fachperson kontrollieren lassen muss. Diese Kontrollen sind laut Jeannette Herzog vom OK des Züri Fäscht am Freitag kurz vor der Eröffnung durchgeführt worden, wie sie in diesem Video gegenüber TeleZüri berichtete.

Quelle: TeleZüri / Pascal Meister / CH Media Video Unit / Katja Jeggli

Auch Schutz und Rettung führte die notwendigen Kontrollen durch. «SRZ prüft die Fluchtwege und Rettungsachsen auf dem Festperimeter und setzt mittels Kontrollen der Festplätze die Einhaltung der geltenden Brandschutzvorschriften durch», erklärt Lutz.

So gehst du richtig mit Gasflaschen um

Trotz genauer Überprüfungen der Stände kam es zum Brand. Was ist also zu beachten, wenn man mit Gasflaschen zu tun hat?

Alois Haueis, Bereichsleiter Service und Sicherheit der Selzam AG, nennt einen Grundsatz, der für gewerbliche wie auch für private Nutzer gleich gilt: «Der Haupthahn einer jeden Gasflasche muss bei einem Wechsel korrekt geschlossen werden.» Und zwar egal, ob die Flasche noch gefüllt oder vermeintlich schon leer ist. «In jeder Flasche hat es Restgas, das plötzlich verdampfen kann», so der Bereichsleiter. Hat es zusätzlich «lauter heisser Quellen» in unmittelbarer Nähe der Gasflaschen, kann sich das austretende Gas an diesen entzünden.

Entsprechend sollte jede Person, die mit Gasflaschen hantiert, wissen, wie man sie korrekt schliesst. Sei es beim Grillieren im Garten oder beim Kochen auf dem Campingplatz – wer in der Sommerhitze mit Gas grilliert oder campiert, sollte diese zwei einfachen Schritte beim Wechsel mit Flüssiggasflaschen befolgen.

  1. Haupthahn im Uhrzeigersinn schliessen (auch bei leeren Flaschen!)
  2. Druckregler entfernen

Schweizer Systeme auf keinen Fall mit ausländischen vermischen

Alois Haueis hat die Bilder vom Züri-Fäscht-Vorfall gesehen. «Man könnte meinen, es seien keine Deutschschweizer Flaschen», sagt der Experte. Gasflaschen mit Tragegriffen, wie sie auf den Fotos zu sehen sind, werden beispielsweise im Welschland oder in Deutschland verkauft. «Solche Flaschenarten gibt es in der Deutschschweiz praktisch nicht.»

Laut Haueis verkaufen Anbieter ihre Gasflaschen immer mit dem passenden Druckregler. Wenn man die Systeme der beiden verschiedenen Flaschenarten jedoch miteinander kombiniere, könnte es brenzlig werden. «Die Anwendung des deutschen Druckreglersystems auf Schweizer Gasflaschen ist gefährlich», warnt der Fachmann, denn «die beiden Gasflaschen haben unterschiedliche Dichtungssysteme».

Im deutschen System ist die Dichtung im Entnahmeventil der Flasche, im Schweizer System im jeweils mitgelieferten Druckregler. Kombiniert man also eine Schweizer Gasflasche mit einem deutschen Druckregler, ist das Ventil undicht. Gas kann austreten und sich mit einer heissen Quelle zum Feuer entfachen.

Vorsicht bei Internetbestellungen

Solange man also den entsprechenden Druckregler verwendet, kann man auch deutsche Gasflaschen benutzen, denn «ausländische Flaschen sind hier nicht verboten», sagt Haueis.

Trotzdem sei Vorsicht geboten bei der Bestellung von Gasgrill und Campingkocher im Internet. «Oft kaufen Schweizerinnen und Schweizer im Internet Geräte aus dem Ausland mit ausländischem Druckregler», erklärt der Fachmann, «schliessen dann aber eine Schweizer Gasflasche an». Wie von Haueis erläutert, ist das Ganze dann nicht dicht.

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Flasche nicht selber füllen

Zu einer Explosion wie am Züri Fäscht könnte auch ein Riss in der Gasflasche führen. Haueis geht jedoch nicht davon aus, dass dies mit der Sommerhitze vom Sonntag zu tun hatte. «Eine Flasche kann bei 37 Grad in der Sonne stehen und es passiert nichts», erklärt der Experte. «Ein Riss in einer Gasflasche ist extrem selten. Das habe ich noch nie gesehen.»

Ein Riss könne nur entstehen, wenn die Gasflasche massiv überfüllt werde. Dann nehme der Druck in der Flasche so zu, dass das Metall sich bläht und die Flasche explodiert. Damit das nicht passiert, dürfe man Gasflaschen in der Schweiz nicht selber nachfüllen.

Ausserdem werden Gasflaschen «punktgenau zu 80 Prozent gefüllt», so Haueis. In ausgewählten Baumärkten, Tankstellen und an Standorten von Gasflaschenanbietern können die Flaschen ausgetauscht oder neu gekauft werden.

Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern

Die durch das Feuer entstandene Hitze beim Essenstands am Züri Fäscht hätte aber durchaus zur Explosion der Gasflaschen führen können. Laut dem Mediensprecher von SRZ wurden die erhitzten Gasflaschen im Anschluss an den Brand von der Feuerwehr gekühlt.

«Dadurch wurde die Explosion von Gasflaschen verhindert und es kamen glücklicherweise keine Personen zu Schaden», so Lorenz. «SRZ ist froh, dass durch das rasche Eintreffen der Feuerwehr Schlimmeres verhindert werden konnte.»

veröffentlicht: 12. Juli 2023 12:57
aktualisiert: 12. Juli 2023 12:57
Quelle: ZüriToday

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zueritoday@chmedia.ch