Aus Angst vor Legionellen

Zürcher Schulen verbrauchen in den Ferien 127'500 Liter Wasser

2. Juli 2022, 17:51 Uhr
In der Stadt Zürich müssen die Schulhäuser in den kommenden Sommerferien einmal in der Woche alle Wasserhähne aufdrehen. Verschwendung sei das aber nicht, den so soll der Legionärskrankheit vorgebeugt werden.
Anzeige

In den Schulen der Stadt Zürich müssen die Wasserhähne auch in den Sommerferien aufgedreht werden – zumindest einmal in der Woche. Nicht weniger als eine Minute lang muss das Wasser laufen, das schreiben zumindest die Bildungsbehörden vor. Der Grund für diese Massnahmen sei die Angst vor Legionellen, schreibt der «Blick». Die stäbchenförmigen Bakterien können grippeähnliche Erkrankungen als auch eine schwere Lungenentzündung hervorrufen.

Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) werden Infektionen mit Legionellen in der Schweiz immer mehr. Im Jahr 2019 verzeichnete das Meldesystem Sentinella des Bundesamts für Gesundheit (BAG) 582 Legionellosefälle, davon fünf bis zehn Prozent mit tödlichem Verlauf.

Hunderttausende Liter gegen Legionellen

«Legionellen befinden sich ja immer in kleinen Mengen im Trinkwasser, sie können jedoch die gesetzlichen Höchstwerte überschreiten, wenn das Wasser lange bei Temperaturen zwischen 25 und 50 Grad in den Leitungen stillsteht», sagt Daniel Bekcic, Fachspezialist Kommunikation bei Immobilien Stadt Zürich zu Blick. Bei diesen Temperaturen fühlen sich die Bakterien besonders wohl und vermehren sich dementsprechend. Sowohl das BAG als auch das BLV empfehlen, dass Wasser in den Ferienwochen laufen zu lassen und gelte in der Branche als «anerkannte Regel der Technik».

Wie viel Wasserhähne die Hauswarte der Schulen jede Woche auf- und wieder zudrehen müssen, kann der Experte nicht genau sagen. Allerdings gehen gemäss «Blick» in den 116 Schulhäusern auf dem Stadtgebiet mehr als 1700 Klassen zur Schule. Da jede dieser Klassen ein Zimmer benötigt und diese Zimmer auch über einen Wasseranschluss verfügen, müssen jede Woche tausende Wasserhähne für mindestens eine Woche geöffnet werden.

Vorkehrungen sind verpflichtend

Pro Tag verbrauche die Prävention daher rund 25'500 Liter Wasser. Das sind also hochgerechnet an die 127'500 Liter Trinkwasser während den Sommerferien. Dazu der Vergleich – eine Person verbraucht pro Tag durchschnittlich rund 129 Liter Wasser. Von Wasserverschwendung sei keine Rede, so Benkcic zu «Blick». «Zunächst mag das verschwenderisch wirken, ist aber absolut nötig.» Es gehe schliesslich auch um eine Risikoabwägung. Darüber hinaus sind die Kosten für diese Massnahme deutlich geringer als die einer kompletten Sanierungsmassnahme an den Zürcher Schulen.

Die Vorkehrungen sind auch verpflichtend aus der Verordnung des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen, wie es weiter heisst. Allerdings wird in Zürich erst seit zwei Jahren auf diese Massnahme aufmerksam gemacht.

(sib)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 2. Juli 2022 17:51
aktualisiert: 2. Juli 2022 17:51