Nach Wolfabschuss im Glarnerland

«Wir wissen nicht, ob die Nutztier-Risse jetzt aufhören»

15.08.2022, 21:52 Uhr
· Online seit 15.08.2022, 14:33 Uhr
Am Wochenende ist im Kanton Glarus ein zum Abschuss freigegebener Wolf erlegt worden. Was das für den Schutz der Nutztiere bedeutet, erklärt Christoph Jäggi, Leiter der kantonalen Abteilung Jagd und Fischerei, im Interview mit ZüriToday.
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Herr Jäggi, die Wölfin wurde in der Nacht auf Sonntag abgeschossen. Wie konnte man sie aufspüren?

Die Wildhut wartete bei einem bereits gerissenen Nutztier auf einen der beiden nachgewiesenen Wölfe der Region. Die Wölfin kehrte in der Nacht auf Sonntag tatsächlich zu ihrer Beute zurück und konnte dort geschossen werden.

Grund für die Abschussbewilligung waren die Risse mehrere Nutztiere in der Region. Weiss man, ob tatsächlich die geschossene Wölfin dafür verantwortlich ist?

Das kann man abschliessend nicht sagen, nein. Bis zum Abschuss der Wölfin gab es zwei nachgewiesene Wölfe in der Region. Welches der Tiere für welche Risse verantwortlich ist, spielt hier keine Rolle. Beim tatsächlichen Abschuss ist es für die Wildhüter ausserdem praktisch unmöglich, beurteilen zu können, um welchen Wolf es sich wirklich handelt.

Wird der verbleibende Wolf jetzt nicht einfach allein weiter jagen?

Der Wolf bleibt natürlich eine Gefahr für die Nutztiere. Ob es mit den Rissen der Tiere jetzt aufhört, ist deshalb eine schwierige Frage. Es braucht sicherlich weitere Massnahmen beim Herdenschutz, ansonsten kommt es garantiert zu weiteren Schäden wegen des zweiten Wolfs.

Wird also der zweite Wolf in absehbarer Zeit ebenfalls geschossen?

Der Kanton kann nur eine Abschussbewilligung erteilen, wenn zuvor innerhalb von vier Monaten mindestens zehn Nutztiere getötet wurden. Diese Zählung fängt nun nach dem Abschuss der Wölfin wieder bei Null an. Ausserdem hat man durch die Risse in den letzten Monaten sicherlich neue Erkenntnisse für den Herdenschutz gewonnen. Wir hoffen, dass mit zusätzlichen Massnahmen der Schutz der Nutztiere verbessert werden kann.

veröffentlicht: 15. August 2022 14:33
aktualisiert: 15. August 2022 21:52
Quelle: ZüriToday

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