Zürich

«Wir OL-Läufer lassen uns doch nicht wie Hunde behandeln»

Winterthur

«Wir OL-Läufer lassen uns doch nicht wie Hunde behandeln»

· Online seit 29.08.2023, 10:17 Uhr
Knatsch zwischen der Gemeinde Brütten und dem Verein OLC Kapreolo: Wegen der verweigerten Bewilligung eines Orientierungslaufs der kantonalen Jugendmeisterschaft ziehen die OL-Läufer nun vor das Baurekursgericht.
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Aufmerksame Lesende des Mitteilungsblatts der Gemeinde Brütten konnten vor kurzem eine Nachricht lesen, über die lokale Orientierungsläuferinnen und -läufer nicht erfreut sind. Die Gemeinde verweigert dem grössten OL-Klub im Kanton Zürich eine Jugend-OL-Veranstaltung im kommenden April.

Auf die erste schriftliche Absage hat der Verein OLC Kapreolo ein «Wiedererwägungsgesuch» an die Gemeinde gestellt und damit die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Forst und Jagd signalisiert. Doch: «Die Gemeinde verweigerte sogar Verhandlungen mit der Jagdbehörde betreffend Bahnen und allfälligen Sperrgebieten im Wald», sagt Daniel Wülser zu ZüriToday. Der ehemalige Stadtparlamentarier von Bülach ist seit fast 40 Jahren Mitglied des Vereins.

800 OL-Läufer bangen um Veranstaltung

Aber was genau ist geschehen? Am 7. April sollen rund 800 Orientierungsläufer und -läuferinnen durch den Brüttemer Wald am Chomberg laufen. Ausgerüstet mit Landkarten und Kompassen für die Suche nach dem nächsten Kontrollpunkt. Der OLC Kapreolo führt einen der zwölf Orientierungsläufe für die kantonale Jugendmeisterschaft 2024 durch.

Doch der Brüttemer Gemeinderat bewilligt den Lauf nicht und liess den Verein bereits im Juni wissen, dass er keine Bewilligung in Aussicht stellt. Der OLC Kapreolo verlangte daraufhin einen definitiven Entscheid, der nun eben negativ ausfiel.

«Rekurs wurde fristgerecht eingereicht»

Der Gemeinderat begründete seinen Entscheid damit, dass die meisten Wildtiere im April damit beschäftigt seien, ihre Jungen aufzuziehen. Dabei sollten sie nicht gestört werden. Die Gemeinde bezieht sich dabei auf das per Januar dieses Jahres angepasste Hundegesetz. Darin ist festgelegt, dass Hunde zwischen dem 1. April und Ende Juli im Wald an der Leine geführt werden müssen.

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«Wir haben vor dem Baurekursgericht Kanton Zürich Rekurs gegen den Entscheid eingereicht», erklärt Vereinspräsident Pascal Vieser in einem Schreiben an die rund 230 Vereins-Mitglieder, das ZüriToday vorliegt. «Da wir ja bekanntlich keinen Tieren nachjagen und diese reissen, sind wir der Meinung, dass die Verweigerung unverhältnismässig ist», heisst es darin weiter.

«Wald ist eigentlich Allgemeingut»

«Uns OL-Läufer mit Hunden gleichzusetzen, ist ja wohl die Höhe!» nervt sich Daniel Wülser über den Entscheid. Damit würden Jugendliche um einen weiteren sportlichen Höhepunkt gebracht, der sie zu mehr Bewegung motivieren und ihnen eine gute Jahreswertung bringen kann.

Zudem sei er sich sicher, dass den Jägern die OL-Läuferinnen und -Läufer ein Dorn im Auge sind. Bereits jetzt müsse der Verein 40 Prozent der Läufe ausserhalb des Waldes durchführen. Somit werde ihnen diese weitere Möglichkeit genommen, den Wald zu nutzen. «Wald ist eigentlich Allgemeingut. Doch mittlerweile führt die Gemeinde einen willkürlichen Umgang damit», so Wülser.

Laut Waldgesetz ist Austragung möglich

Auf Anfrage des «Landboten» sagt die Gemeinde Brütten, dass sie grundsätzlich sportliche Aktivitäten im Wald während acht Monaten unterstütze. In diesem Fall sei das Tierwohl jedoch über die OL-Veranstaltung zu stellen. Im Kantonalen Waldgesetz ist definiert, dass aus Rücksicht vor den Wildtieren Orientierungsläufe im Kanton Zürich vor dem 15. April und nach Mitte Juni ausgetragen werden müssen.

Die Gemeinde kenne das Problem, wie der Landbote weiter schreibt. Brütten sei sich bewusst, dass zwischen dem neuen Jagdgesetz und dem Waldgesetz Ungereimtheiten bestünden. Besser wäre gewesen, beide Gesetze bezüglich Schonzeit einander anzupassen, so die Gemeinde.

Kein Ersatzdatum bei einer Absage

«Ende Jahr sollten wir den definitiven Entscheid über die Veranstaltung bekommen. Bei einer Zusage hätten wir dann noch rund drei Monate für die Detailplanung. Bei negativem Entscheid würde der Anlass ersatzlos ins Wasser fallen», sagt der Vereinspräsident Pascal Vieser zu ZüriToday. «Angesichts der nur sehr kurzen Frühlingssaison im Wald von Mitte März bis Mitte April wäre das für die Jugendlichen äusserst schade.»

Die Gemeinde Brütten, die sich gegenüber ZüriToday nicht weiter zum laufenden Rekursverfahren äussern will, sagt abschliessend: «Auch Waldbewohner haben ihre Rechte.»

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veröffentlicht: 29. August 2023 10:17
aktualisiert: 29. August 2023 10:17
Quelle: ZüriToday

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