Zürich

«Wir mussten irgendwie helfen» – ein Zürcher Pärchen leistet in Marokko erste Hilfe

Nach Erdbeben

«Wir mussten irgendwie helfen» – ein Zürcher Pärchen leistet in Marokko erste Hilfe

02.10.2023, 09:10 Uhr
· Online seit 11.09.2023, 16:51 Uhr
Zwei Schweizer sind auf einem Roadtrip und machen Halt in Marrakesch, als plötzlich die Erde bebt. Am nächsten Tag machen sie sich auf den Weg ins Erdbebengebiet, um Hilfe zu leisten.

Quelle: Leserreporter / ZüriToday / Linus Bauer

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«Ich habe soeben angefangen, mir die Zähne zu putzen, als alles zu zittern begann.» Jessy und Koni, ein Pärchen aus Zürich, sind seit einer Woche auf einem Roadtrip durch Marokko. Am Freitagabend machen sie Halt auf einem Campingplatz in Marrakesch. Nach dem Abendessen gehen sich beide die Zähne putzen – Koni bei den Toiletten der Männer, Jessy bei den Frauen.

Plötzlich beginnt alles zu zittern. «Der Instinkt war so schnell wie möglich hinauszurennen», erzählt Jessy. «Zuerst sind wir uns in die Arme gefallen. Wir waren beide extrem schockiert, was da passierte. Es ist surreal, wenn auf einmal die ganze Welt zittert.»

«Viele taten so, als wäre nichts»

Am nächsten Tag machen sich die beiden auf Richtung Rotes Kreuz in Marrakesch. Sie wollen den Versehrten im Erdbebengebiet helfen. Viele taten so, als wäre nichts passiert, berichtet Jessy. Beim Roten Kreuz sei man dankbar für die angebotene Hilfe gewesen, aber man würde sich bei Bedarf melden.

Das Epizentrum liegt südwestlich von Marrakesch:

Koni und Jessy lesen unterdessen auf X (ehemals Twitter) mehrfach, dass gewisse Regionen immer noch keine Hilfe erhalten hätten. «Das ist natürlich furchtbar. Bei so einem Unglück zählt jede Stunde», schildert Jessy. Daraufhin beladen sie das Auto mit Essen, Wasser und Verbandsmaterial und fahren los.

In den Bergen richtet das Beben besonders viel Schaden an

Besonders die Bergstrassen sind in prekärem Zustand, was beide leer schlucken lässt: «Auf dem Weg dorthin waren wir sehr angespannt und haben kaum miteinander geredet.» Die Angst vor Nachbeben oder sich plötzlich lösenden Felsbrocken fährt mit. Koni und Jessy treffen auf Soldaten, die ihnen zuerst die Weiterfahrt verweigern. Als das Zürcher Pärchen den Armeeangehörigen erklärt, dass sie helfen wollen, dürfen sie weiterfahren.

«Es gab keine Ärztinnen oder Psychologen vor Ort. Das war furchtbar», beschreibt Jessy die Situation vor Ort. Beide sind schockiert. In dieser Region leben viele Menschen in Häusern aus Erde, die beim Erdbeben zusammengefallen sind. Da in den Bergen ist die Situation noch schlimmer.

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Koni und Jessy helfen, wo sie können

«Koni ist Ingenieur und ich bin Psychologin. Wir haben beide keine medizinische Ausbildung», erzählt Jessy. Mehr als Wunden auswaschen, desinfizieren und verbinden können sie nicht machen. Die Menschen haben Knochenbrüche, Gehirnerschütterungen und schwere Kopfverletzungen.

Auch viele Kleinkinder befinden sich unter den Opfern. Besonders ein traumatisiertes Mädchen bleibt Jessy in Erinnerung: «Sie konnte fast nicht mehr stehen. Sie hat beide Eltern verloren. Sie war völlig ausser sich. Das war schlimm mit anzusehen.» Koni und Jessy leisteten so viel Hilfe, wie sie konnten. Trotzdem braucht es jetzt auch professionelle Hilfe per Helikopter.

veröffentlicht: 11. September 2023 16:51
aktualisiert: 2. Oktober 2023 09:10
Quelle: ZüriToday

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