Chronische Krankheit

«Vielleicht habe ich danach keine Gebärmutter mehr»

Joelle Maillart, 16. Juni 2022, 19:11 Uhr
Viele Frauen wissen nicht, dass sie Endometriose haben – eine Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut. Anic musste 36 Jahre alt werden, um es herauszufinden. Sie erzählt, wie die chronische Krankheit ihr das Leben zur Hölle gemacht hat.
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Endomeiose, Endomatros, Endo – was? Endometriose. Eine chronische Erkrankung der Gebärmutter, die starke Schmerzen und Operationen mit sich bringt. Anic aus Zürich erzählt, wie es ist, damit zu leben.

Ein höllischer Tipp

«Ich hatte schon immer sehr starke Menstruationsschmerzen und starke Blutungen. Mein Frauenarzt meinte aber immer, dass das normal sei», beginnt Anic ihre Leidensgeschichte zu erzählen. Der Arzt sagte ihr, dass sich das nach ihrem ersten Kind normalisieren werde. Im Nachhinein fällt Anic dazu nur eines ein: «Was für ein absurder Tipp!»

Die damals 16-Jährige hat sich nicht normal gefühlt und hat die höllischen Schmerzen einfach ausgehalten. «Teilweise hatte ich später auch Schmerzen beim Sex», so Anic. Die Hausärztin war es, die sie dann zu einem Spezialisten verwies. «Wegen einer anderen Erkrankung hat die Ärztin nach meinem Zyklus gefragt, worauf ich ihr auch von meinen starken Schmerzen erzählte.» Den Frauenarzt, dem die chronische Krankheit möglicherweise nicht geläufig war, hat Anic daraufhin gewechselt.

«Ich wusste nicht, ob ich danach noch eine Gebärmutter habe»

Als die Wahlzürcherin aus Bern die Diagnose «Endometriose» bekam, war sie im ersten Moment erleichtert. «Es», die höllischen Schmerzen, hat ein Gesicht bekommen. «Ich musste 36 Jahre alt werden, um zu verstehen, dass es eine Erkrankung ist und ich mir die Schmerzen nicht nur einbilde.»

Die Laparoskopie, Bauchspiegelung, habe ihr dann doch schlaflose Nächte bereitet, denn es war nicht klar, wie schwer Anic von den Verwachsungen der Endometriose betroffen sei. «Ich wusste nicht, ob ich aus der Narkose erwache und keine Gebärmutter mehr haben werde», sagt die Ergotherapeutin. Auch wenn der Kinderwunsch nicht vorrangig war, habe sie den Gedanken als schwer empfunden, durch die Endometriose dieser Entscheidung beraubt zu werden.

Physisch und psychisch eingeschränkt

Während Jahren versucht sie die chronische Krankheit mit Hormonen in den Griff zu bekommen – leider mit zu wenig Erfolg. Deshalb hatte Anic vor fünf Jahren eine Operation, um die Verwachsungen zu entfernen. Vor dem Eingriff hatte die heute 42-Jährige vor allem vor der Menstruation Rücken- und Bauchschmerzen und während der Tage war sie kaum arbeitsfähig, da auch Schmerzmittel nichts mehr halfen.

Ein Bericht über Endometriose von TeleZüri 2018:

«Bevor ich es wusste, war ich physisch in allen Lebensbereichen, besonders während der Mens, eingeschränkt und psychisch angeschlagen, weil man sich nicht normal fühlt», erzählt Anic. Dazu käme die starke Erschöpfung wegen der konstanten Schmerzen.

«Die ersten Tage hatte ich auch sehr starke Blutungen, da musste ich mich immer organisieren, was auch unangenehm sein kann. Es schränkte mich zum Beispiel beim Sport oder im Badeurlaub ein.» Dies hat das soziale Umfeld auch nicht immer verstanden.

Endometriose sei nun bereits besser bekannt, so dass sich Anic nicht immer erklären muss. Starke Blutung habe sie nach wie vor, aber die Schmerzen sind jetzt im normalen, wirklich normalen, Bereich.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 22. Mai 2022 08:56
aktualisiert: 16. Juni 2022 19:11