Siedlung Werdhölzli

Zürich will «wertvolle Bäume» erhalten – und fällt sie trotzdem

· Online seit 02.02.2024, 08:27 Uhr
Beim Neubau der Siedlung Werdhölzli in Zürich Altstetten sollte laut der Stadt «der wertvolle Baumbestand» erhalten bleiben. Doch noch vor Baubeginn lagen mehrere abgeschlagene Bäume auf dem Areal. Ein ZüriReporter ist über den Anblick genervt.
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Die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich lässt bei der Siedlung Werdhölzli bauen. 30 zusätzliche Alterswohnungen sowie gemeinschaftliche Flächen und Gewerberäume sollen an der Bändlistrasse in Altstetten entstehen. Im Architekturwettbewerb setzte sich das Projekt «Wiedehopf» von «Knorr Pürckhauer Architekten» und «Linea Landscape Architecture» durch – unter anderem deshalb, weil es dem Siegerprojekt gelinge, «wertvollen Baumbestand zu erhalten», teilte die Stadt im Juni 2021 mit.

Auch im Jurybericht zum Neubau kommt der Baumbestand zu Wort. «Im Sinne der Einbettung bestehender Naturwerte war auf einen sorgfältigen Umgang mit dem Baumbestand zu achten», heisst es in der Ausgangslage zum Projekt. Insbesondere die Bäume auf der Nordseite des Grundstücks seien soweit wie möglich zu erhalten und mit Neupflanzungen zu ergänzen. Ein Gutachten stellt einem Teil dieser Bäume eine hohe Erhaltenswürdigkeit zu.

«Ich finde es einen Skandal»

Doch noch vor Baubeginn ist dieser «wertvolle» Baumbestand abgeholzt. Ein ZüriReporter, der regelmässig an der Stelle vorbeikommt, spricht von einem Skandal. «Vordergründig betreibt man einen immensen Aufwand und kaum ist das Projekt kommuniziert, kümmert man sich nicht mehr um die selbst auferlegten Vorgaben», ärgert sich der Zürcher.

Vor allem die Tatsache, dass die Stadt im Voraus den Wert der Bäume derart betont hat und sie dann doch gefällt worden sind, regt ihn auf. «Bäume sind ein sensibles Thema. Hier wurde nicht richtig kommuniziert», sagt der ZüriReporter.

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Wohnraum geht auf Kosten des Baumbestandes

Die Stadt sei stets bestrebt, bei Bauvorhaben im Einklang mit der Natur zu handeln und diese zu schützen, sagt Franziska Rosenmund, Kommunikationsverantwortliche beim städtischen Gesundheits- und Umweltdepartement zu ZüriToday. Doch bei der Konkretisierung des Projekts Werdhölzli konnte trotz aller Sorgfalt nicht der ganze Baumbestand erhalten werden.

Die Bäume mussten aufgrund der baulichen Verdichtung weichen, erklärt Rosemund. Damit werde dringend benötigter Wohnraum für ältere Menschen geschaffen, was entsprechend mehr Fläche in Anspruch nehme. Aus diesem Grund konnte nicht der ganze Baumbestand erhalten werden.

«Sieben Bäume mussten gefällt werden», erklärt Rosemund. «Es ist auf dem Gelände jedoch eine Ersatzbepflanzung aus Bäumen, Sträuchern, Unterbepflanzung und Ruderalvegetation geplant. Bei der Jurierung wurde sorgfältig auf die Auswahl eines Projekts geachtet, welches eine vielfältige und üppige Ersatzbepflanzung ermöglicht.» Der Umfang übersteige die Anzahl gefällter Bäume bei weitem.

veröffentlicht: 2. Februar 2024 08:27
aktualisiert: 2. Februar 2024 08:27
Quelle: ZüriToday

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