Sanierung

Zürcher Kantonsrat gibt Grünes Licht für Umbau des Rathauses

11. April 2022, 21:46 Uhr
Der Kantonsrat hat der Baudirektion am Montag den Auftrag erteilt, das Projekt der Rathaus-Sanierung in Angriff zu nehmen. Einen neuen Standort, wie es einige Ratsmitglieder forderten, hat der Rat verworfen.

Quelle: TeleZüri

Das Parlament fällte den Umbau-Beschluss mit 104 zu 67 Stimmen bei 3 Enthaltungen. Mit diesem Entscheid kann die Baudirektion nun einen Architekturwettbewerb ausschreiben und das Projekt konkret planen. Im Jahr 2027 soll der historische Bau dann fertig umgebaut sein.

Wie das Rathaus künftig aussehen wird, ist noch nicht abschliessend klar. Die Baudirektion unter Martin Neukom (Grüne) plant aber, einen zusätzlichen Boden in den heutigen Ratssaal zu ziehen. Aus dem Saal mit der hohen Decke würden somit zwei Stockwerke. Die Sitzungen von Kantons- und Gemeinderat sollen dann im oberen Stockwerk stattfinden.

«Wir holen das Maximum raus»

Darunter entstünde so ein zusätzlicher, 210 Quadratmeter grosser Saal, der als Wandelhalle oder für repräsentative Anlässe genutzt werden könnte. «Mit diesem Projekt holen wir das Maximum raus», sagte Neukom. Es dürfte je nach Detailprojekt zwischen 20 und 33 Millionen Franken kosten.

Zufrieden waren am Montag aber längst nicht alle. Viele Parlamentarierinnen und Parlamentarier wären aus dem Corona-Exil lieber gleich in etwas Moderneres zurückgekehrt. «Diese Sanierung bringt keinen wirklichen Mehrwert», sagte etwa Markus Schaaf (EVP, Zell). «Wir verpassen eine Chance, wenn wir dort bleiben.»

Gleicher Meinung war die SP, die lieber gleich einen Neubau beschlossen hätte. Das alte, enge Rathaus sei zwar ein würdiger Bau, der seine Zeit aber überlebt habe, sagte Andrew Katumba (Zürich).

Als neue Standorte erwähnten mehrere Ratsmitglieder etwa die Kaserne oder das Papierwerd-Areal, wo heute das Globusprovisorium steht. «Zentral und günstig» geht in Zürich allerdings kaum, wie Ratsmitglieder von links bis rechts bemerkten.

Zudem würde es noch viele Jahre länger dauern, bis der Rat wieder einen eigenen Sitzungsort hätte. Ein Alternativstandort wurde deshalb verworfen.

Brand «nahezu unmöglich»

Viele Ratsmitglieder kritisierten aber, dass sich die Sicherheitssituation mit dem Umbau nicht wirklich verbessere. Nach wie vor wird es keinen zweiten Fluchtweg geben, weil eine Aussentreppe aus Denkmalschutzgründen nicht möglich ist.

Nach Ansicht von Yvonne Bürgin (Mitte, Rüti) ist ein Brand im sanierten Rathaus «aber nahezu unmöglich». Dieser Bau werde sicher. Ihr ist wichtig, dass sich die Ratsmitglieder beim Debattieren in die Augen schauen können. «Dazu gehört eine gewisse Nähe. In einem grossen Saal wie dem aktuellen in Oerlikon ist das fast unmöglich.»

Gegen einen neuen Standort war auch die SVP. Ihr sind die Umbaukosten ohnehin zu hoch, egal ob sie 20 oder 33 Millionen Franken betragen werden. «Der Steuerzahler hat von diesem Projekt keinen konkreten Nutzen», sagte Pierre Dalcher (Schlieren).

Um im alten Rathaus mehr Platz pro Person zu schaffen, schlug die SVP zudem vor, das Parlament deutlich zu verkleinern. Sie reicht nun einen entsprechenden Vorstoss ein.

Auf den historischen Rahmen an der Limmat müssen die Volksvertreterinnen und Volksvertreter noch einige Jahre verzichten. Im laufenden Jahr bleiben sie in ihrem Corona-Exil in Oerlikon. 2023 verschiebt sich der Ratsbetrieb dann für vier Jahre in die leerstehende Bullingerkirche. In dieser Zeit wird am Limmatquai dann der Umbau vollzogen, gleichzeitig mit dem Umbau der Rathausbrücke.

Quelle: sda
veröffentlicht: 11. April 2022 11:45
aktualisiert: 11. April 2022 21:46
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