Online-Shopping

Päckli-Betrüger treiben in Zürich ihr Unwesen

Maarit Hapuoja, 22. September 2022, 12:37 Uhr
Online bestellen, Paket vor dem Haus abholen und danach die Rechnung bezahlen. Das ist eine gängige Methode, um sich neue Ware anzuschaffen. Online-Shopping gibt aber vielen Betrügern auch die Chance, Pakete an fremde Adressen liefern zu lassen und diese dort abzustauben.

«Kürzlich habe ich zwei Pakete erhalten, die ich gar nicht bestellt hatte. Das erste war von Galaxus und zuerst habe ich gar nicht gemerkt, dass da etwas nicht stimmt. Zum Glück war ich an diesem Tag zu Hause. Der Postbote brachte das Paket und als ich es abholen wollte, sah ich, dass es ein Laptop war, den ich nie bestellt hatte.»

Das passierte Julie*, 33 Jahre alt, wohnhaft in der Stadt Zürich. Sie wurde Opfer eines Päckli-Betrugs. «Ich war erschrocken. Ich wollte nicht, dass das Paket bei mir bleibt. Ich habe es so schnell wie möglich zurückgeschickt», erzählt Julie. Sie rief Galaxus an und am Telefon wurde ihr erklärt, dass jemand eine gefälschte E-Mail-Adresse erstellt hat und das Paket in Julies Namen an ihre Adresse bestellt und die Option ‹Zahlung auf Rechnung› gewählt hat.

«Woher die Betrüger meinen Namen kannten, weiss ich nicht», sagt Julie und zeigt sich besorgt. «Mein Vorname stand auf der Packung, aber ist nicht mal an der Türklingel aufgeführt.» Der Zweck sei wohl gewesen, das Päckli an Julies Adresse dann abholen. «Galaxus hat anschliessend die E-Mail-Adresse gesperrt.» Der Vorfall sei intern an das zuständige Team gemeldet worden.

«Habe Angst, dass das wieder passiert»

Zuerst hat Julie keine Strafanzeige gestellt. Dann passierte das Ganze nochmal, dieses Mal handelte es sich um eine Bestellung von Zebra. «Dann habe ich beschlossen, die Sache der Polizei zu melden», sagt Julie. Nun will die 33-Jährige den Vorfall zudem auf der Online-Plattform cybercrimepolice.ch melden. «Damit die Leute wissen, dass sowas in Zürich passiert.»

Betrugserkennungsmassnahmen helfen

Der Verband der Schweizer Online-Händler hat kürzlich In Zusammenarbeit mit der Betrugsbekämpfungsfirma CRIF bei Schweizern Online- und Versandhändlern eine Umfrage zum Thema Betrug durchgeführt. Fast 90 Prozent der befragten Händler geben an, dass sie Massnahmen zur Betrugserkennung vornehmen. Über 80 Prozent geben an, dass dank dem Einsatz derer die Betrugsversuche zurückgingen.

Daniel Gamma, Leiter E-Commerce von CRIF sagt: «Erstaunlich ist die Tatsache, dass so viele Online-Shops verdächtige Bestellungen manuell überprüfen. Dabei gibt es heute eine Vielzahl an Möglichkeiten zum Schutz gegen Betrug, die angeboten werden. Insbesondere dass man die Betrugsprävention komplett an einen externen Dienstleister auslagern kann, ist noch zu wenig bekannt.»

«Angst, dass das wieder passiert»

«Ich habe Angst, dass das wieder passiert», so Julie. Einige Passwörter und Logins hat die 33-Jährige bereits geändert. «Ich habe aber das Gefühl, dass sie nicht zu viele Informationen haben. Wenn sie meine Kreditkarte hätten, würden sie wahrscheinlich damit bestellen.»

Das sagt die Polizei

Die Stadtpolizei Zürich sagt auf Anfrage von ZüriToday, dass der sogenannte Päckli-Betrug schweizweit unter dem Phänomen «Cyberbetrug – Missbrauchen von Online-Zahlungssystemen/Wertkarten oder einer fremden Identität, um einen Betrug zu begehen» erfasst wird. Unter diesem Phänomen fällt z.B. auch den Erwerb von Wertkarten (iTunes, Apple, etc.) mittels Missbrauch einer fremden Kreditkarte. Marc Surber, Mediensprecher der Stapo, sagt: «Es ist uns nicht möglich, dieses Phänomen zahlenmässig weiter aufzuschlüsseln.»

Im Jahr 2020 seien 286 solcher Fälle aufgetreten, im Jahr darauf 314. Für 2022 lägen noch keine Zahlen vor, was man aber festgestellt hat: Die Anzeigen im Bereich Cyberbetrug nehmen auch dieses Jahr zu.

Was kann man also tun, wenn plötzlich unbestellte Ware vor der Haustür liegt? Gemäss Gesetz gilt: Ist eine unbestellte Sache offensichtlich irrtümlich zugesandt worden, so muss die Empfängerin oder der Empfänger die Absenderin oder den Absender benachrichtigen. Mehr dazu findest du auf dieser Webseite.

*Name der Redaktion bekannt

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 22. September 2022 12:35
aktualisiert: 22. September 2022 12:37
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