Überlaufene Zürcher Badis

«Mich erwartet ein riesiger Fleischberg, wenn ich am See oder an der Limmat ankomme»

Maarit Hapuoja, 20. Juni 2022, 09:06 Uhr
Es ist heiss und die Lust nach Abkühlung ist gross. In der Stadt Zürich gibt es diverse Badeangebote, aber oft zeichnet sich folgendes Bild ab: Badetuch an Badetuch und fast kein freier Platz mehr. Häufige Badigänger nerven sich ab der Dichte – der Stadtrat sieht keine Notwendigkeit darin, die Situation zu ändern.
Anzeige

In den meisten Zürcher Fluss- und Seebädern herrscht an sonnigen, warmen Tagen Platznot. Bereits im Mai verbuchte die Stadt Zürich in ihren Badis Besucherrekorde. Die Anzahl Gäste hat in den letzten zehn Jahren stets zugenommen. 2008 besuchten etwas über eine Million Menschen die 18 Freibäder von Zürich. Vor Corona waren es bereits deutlich über zwei Millionen. Alle wollen baden – doch viele sind ab den engen Bedingungen genervt.

Nach Hause gehen, wenn es zu voll ist

«Jetzt, wo wir uns in einer Hitzeperiode befinden, treibt es dementsprechend sehr viele Leute ans Wasser. Jede Person will ein Stückchen Grün oder einen Platz auf dem Steg, aber das ist nicht möglich», erzählt Alain aus Zürich Altstetten. Dem 29-Jährigen gefällt der Dichtestress in den Badis gar nicht. «Mich erwartet ein riesiger Fleischberg, wenn ich am See oder an der Limmat ankomme», sagt der Wasserliebende.

Wenn die Badeorte zu voll sind, entscheidet sich Alain manchmal, wieder nach Hause zu gehen. «Wenn es nicht gemütlich ist, bleibe ich auch mal nur für kurze Zeit da», erklärt er. «Es nervt einfach, dass eine fremde Person fast auf dem eigenen Badetuch liegt, weil die Badi so voll ist. An schönen Tagen ist es total überlaufen.»

Gutes Angebot, aber zu wenig Platz

Laura, 28, wohnt im Seefeld und besitzt ein Jahresabo für die Stadtzürcher Badis. Sie ist zufrieden mit dem unterschiedlichen Badeangebot in Zürich und geht gerne unter der Woche ins Utoquai, in die Frauenbadi, an den See oder an die Limmat. Doch am Wochenende findet sie das Baden in der Stadt weniger gemütlich.

«Am Samstag und am Sonntag ist es sehr voll in den Badis. Die Menschenmenge konzentriert sich dann an die Hauptorte wie China- oder Rentenwiese und Oberer Letten», erklärt Laura. Zudem findet sie, dass der Einzeleintritt von acht Franken zu teuer sei – vor allem, wenn dann nicht genügend Platz vorhanden ist.

Mehr Badis in der Zukunft?

Dass der Platz in den Zürcher Badis knapp ist, haben die jungen Grünen schon vor einigen Jahren festgestellt. In einer Motion begründeten Elena Marti und Marcel Bührig den Bau einer zusätzlichen Badeanstalt an der Limmat.

Der Gemeinderat überwies das Anliegen an den Stadtrat. Dieser sah damals keinen Bedarf an neuen Bädern.

Was plant der Stadtrat?

Heute, fünf Jahre später, hat der Stadtrat seine Meinung nicht geändert. «Ein zusätzliches Sommerbad ist nicht geplant», schreibt er auf Anfrage von Züritoday.

Ganz abgeschlossen ist das Thema allerdings nicht. Momentan ist ein Postulat der SP im Gemeinderat hängig. Dieses fordert, dass zwischen dem Hafen Riesbach und dem Strandbad Tiefenbrunnen mehrere kleinere Badebuchten gebaut werden. Bis das Postulat allenfalls überwiesen wird, sieht der Stadtrat aber keinen Handlungsbedarf.

Was sagen die beiden Badigänger dazu? «Ich muss ausweichen, wenn es nicht mehr Platz gibt zum Baden. Dieses Wochenende sass ich zum Beispiel auf dem Boot und nicht am Fluss oder am See. Da hatte ich wenigstens meinen Platz auf sicher», sagt Alain. Die abschliessenden Worte von Laura sind: «Das Badiangebot ist wirklich gut. Aber an der Limmat braucht es definitiv mehr Platz zum Baden.»

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 20. Juni 2022 08:18
aktualisiert: 20. Juni 2022 09:06