Zürich

Rekordzahlen an Zürcher Volksschulen – Lehrerverband wirft Bildungsdirektion Augenwischerei vor

Schuljahr 2022/23

Rekordzahlen an Zürcher Volksschulen – Lehrerverband wirft Bildungsdirektion Augenwischerei vor

17.08.2022, 12:30 Uhr
· Online seit 17.08.2022, 09:41 Uhr
Der Kanton Zürich hat Zahlen zum neuen Schuljahr bekannt gegeben. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle offenen Stellen für Lehrpersonen an der Volksschule besetzt worden. Laut dem Zürcher Lehrerverband ist das aber «nur die halbe Geschichte».
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Am kommenden Montag beginnt für eine Rekordzahl von über 157’500 Kindern und Jugendlichen an der öffentlichen Volksschule des Kantons Zürich das neue Schuljahr. 15’300 starten mit dem Eintritt in den Kindergarten ihre Schullaufbahn. Dies schreibt die Bildungsdirektion des Kantons Zürich in einer Mitteilung am Mittwoch.

Auch gab es noch nie mehr Lehrpersonen an der Volksschule: Wegen der steigenden Schülerzahlen mussten 134 zusätzliche Klassen eröffnet werden. Der Anstieg sei teilweise auf die Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine zurückzuführen, heisst es weiter.

Die Besetzung aller offenen Stellen in der Volksschule war dieses Jahr für die Schulen und Gemeinden besonders anspruchsvoll. Ende Juni waren noch über 450 Stellen ausgeschrieben, eine Woche vor Schulbeginn sind noch sechs Stellen offen.

Pensionierte, Studierende und Personen ohne Lehrdiplom als Ergänzung

Die Gemeinden konnten pensionierte Lehrkräfte weiter anstellen und ehemalige Lehrpersonen zum Wiedereinstieg motivieren. Einzelne Studierende der Pädagogischen Hochschule unterbrechen sogar ihr Studium, um unterrichten zu können.

Der Kanton schreibt «in Einzelfällen» hätten «zur Überbrückung» Stellvertretungen eingesetzt, Pensen unter den bestehenden Lehrkräften aufgeteilt oder Kinder auf andere Klassen verteilt werden. Ebenso hätten die Schulen aufgrund des grossen Bedarfs auf Personen ohne Lehrdiplom zurückgreifen müssen.

Zürcher Lehrerverband zeigt sich nicht ganz so euphorisch

Kurze Zeit später verschickt der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband eine Mitteilung, welche der positiven Grundstimmung der Zürcher Bildungsdirektion diametral widerspricht. Zwar gibt sie der Bildungsdirektion insofern recht, als die Schulen im Kanton Zürich einen grossen Effort geleistet hätten.

«Allen voran die Schulleiterinnen und Schulleiter haben es geschafft, auf den Schulstart am kommenden Montag fast alle der Ende Juni noch rund 450 offenen Lehrerstellen zu besetzen», so die Mitteilung.

Lehrpersonen ohne Diplom unterrichten rund 7500 Schüler

Gelungen sei dies insbesondere mit der Lockerung der Anstellungsbedingungen durch die Bildungsdirektion: 330 Stellen werden mit Lehrpersonen besetzt sein, die über kein Diplom verfügen. Dies betreffe am Ende rund 7500 Schülerinnen und Schüler.

Zwar anerkennt der ZLV, dass die in der Medienmitteilung der Bildungsdirektion geschilderten Massnahmen notfallmässig notwendig waren. Allerdings wirkten die Massnahmen nur kurzfristig. Bald werde sich das Problem des Lehrermangels wiederholt zeigen.

Denn die Pensionierungswelle der Babyboomer laufe weiter. Ausserdem führe zeitliche Überlastung von Lehrpersonen dazu, dass viele ihre Pensen reduzieren oder gleich ganz den Beruf wechseln. Deshalb fordert der Verband nachhaltig bessere Arbeitsbedingungen für den Lehrerberuf.

(lol)

veröffentlicht: 17. August 2022 09:41
aktualisiert: 17. August 2022 12:30
Quelle: ZüriToday

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