Rikon ZH

Reichsbürger planen im Kanton Zürich ein eigenes Schulnetz

31. August 2022, 09:58 Uhr
Behörden haben in Rikon ZH eine Schule aus reichsbürgernahen Kreisen bewilligt. Darüber hinaus sollen diese Kreise auch ein eigenes Schulnetz planen. Laut Experten sind die Pläne hochproblematisch.

In der Schweiz breiten sich immer mehr Schulen aus, die nach den Methoden der rechtsesoterischen Anastasia-Sekte unterrichten sollen. Innert kürzester Zeit haben Behörden jetzt auch eine zweite Schule aus reichbürgernahen Kreisen bewilligt, wie «20 Minuten» berichtet. Darunter gehört auch eine Privatschule auf Primar- und Sekundarstufe in Rikon ZH.

Darüber zeigen sich drei Zürcher SP-Kantonsräte besorgt und haben an den Regierungsrat eine Anfrage gestellt. Unter anderem heisst es darin, dass Privatschulen im Kanton gewährleisten müssen, «dass Kinder keinen weltanschaulichen Einflüssen ausgesetzt werden, die den Zielen der Volksschule in grundlegender Weise zuwiderlaufen.» Innerhalb der gesetzlichen Frist von drei Monaten soll nun der Regierungsrat die Anfrage beantworten.

St.Gallen bewilligte bereist eine Privatschule

An der Eingangstüre der Privatschule Campus Vivere hängt ein «Schutzbrief» des «Institut Trivium United». Diese Vereinigung wird der Reichsbürgerbewegung zugeordnet. Der «Wochenzeitung» zufolge soll der Campus Vivere in den vergangenen Monaten verschiedene Vorträge zu Reichbürgerthemen veranstaltet haben.

Die Schule bezeichnet sich auf ihrer Webstite als «Erster Internationaler Freier Lernort nach humanitärem Völkerrecht». Die Schule ist zudem auf Telegram aktiv und teilt auf ihrem Kanal massnahmekritische Inhalte.

Vor wenigen Wochen hat der Kanton St.Gallen eine Privatschule bewilligt, die nach den Methoden der rechtsesoterischen Anastasia-Sekte unterrichten will. Es ist bekannt, dass die Sekte Verbindungen in die Reichsbürgerszene pflegt.

Was sind Reichsbürgerinnen und -bürger? 

Der Leiter des des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Dirk Baier, erklärt gegenüber «20 Minuten», dass «Reichsbürger-Gruppierungen und -Einzelpersonen sind, die aus unterschiedlichen Motiven mit unterschiedlichen Begründungen die Existenz eines demokratischen Staates und dessen Rechtssystem ablehnen.» Dafür berufen sich diese auf das historische Deutsche Reich vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und folgen verschwörungstheoretischen Argumentationsmustern.

Es gebe auch klare Überschneidungen zwischen Reichsbürgern und -bürgerinnen und Rechtsextremisten und -extremistinnen. Jedoch warnt Baier davor alle in einen Topf zu werfen: «Es wäre nicht richtig, alle Reichsbürger als Rechtsextremisten einzustufen.» Über die Situation in der Schweiz sei bisher nicht viel bekannt. «Ich habe den Eindruck, dass diese Bewegung eher aus dem Ausland in die Schweiz importiert wurde und hier nach und nach Anhänger gewinnt», so Baier.

«Die Schweiz ist eine Firma»

Gemäss Religions- und Sektenexperte Georg Otto Schmid existiert in der Schweiz eine wachsende Szene von Menschen, die der Überzeugung sei, dass die Schweiz kein Staat, sondern eine Firma darstelle. Deshalb seien sie gegenüber der Schweiz weder zu Steuerzahlungen, Abgaben noch Bussen verpflichtet. «Diese Menschen werden Staatsverweigerer oder Staatsverweigernde genannt», so Schmid.

Staatsverweigernder wollen eine Alternativ- oder Parallelgesellschaft aufbauen, weil die Schweiz aus llegitimen staatlichen Strukturen bestehe. Dafür gründen sie eigene Schulen und eigene Gesundheitssysteme. In diesem Zusammenhang stehen auch die Schulprojekte, die in letzter Zeit begründet wurde, heisst es weiter.

(sib)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 31. August 2022 09:58
aktualisiert: 31. August 2022 09:58
Anzeige