Wohnintegration

Obdachlose leiden zunehmend unter psychischen Erkrankungen

20. September 2022, 13:58 Uhr
96 Prozent der Bewohner der städtischen Wohnintegration erfüllen die Kriterien mindestens einer psychiatrischen Diagnose. Damit sind diese Menschen psychosozial noch stärker belastet als vor acht Jahren. Das zeigt eine neue Studie der Stadt Zürich.
Im Vergleich zu 2013 hat bei der städtischen Wohnintegration der Anteil Klienten mit zwei oder mehr psychiatrischen Leiden zugenommen.
© KEYSTONE/GAETAN BALLY

Der Mehrheit der Klientinnen und Klienten der städtischen Wohnintegration geht es psychisch schlecht. 96 Prozent der befragten Bewohner erfüllen die Kriterien mindestens einer psychiatrischen Diagnose, wie es in einer Medienmitteilung der Stadt Zürich heisst. Im Vergleich zu 2013 hat sich diese Zahl nicht verändert.

Dies geht aus der sogenannten «WOPP-Studie» (Wohnen und Obdach und Psychiatrische Polyklinik Zürich) hervor. Diese wurde 2021 mit 333 Teilnehmenden wiederholt. Laut der Stadt Zürich zeigen die nun vorliegenden Ergebnisse aber, dass die Klientinnen und Klienten psychosozial noch stärker belastet sind als vor acht Jahren.

Mehr Depressionen 

Im Vergleich zu 2013 hat der Anteil Menschen mit zwei oder mehr psychiatrischen Leiden zugenommen: 2021 trifft dies auf fast zwei Drittel der Befragten zu. Noch immer sind über 80 Prozent der Klientinnen und Klienten von Abhängigkeitserkrankungen wie Drogen und Alkohol betroffen.

Ausserdem haben affektive Störungen wie Depressionen – mit über 45 Prozent Betroffenen –oder Krankheiten aus dem schizophrenen Formenkreis – mit fast 30 Prozent Betroffenen – zugenommen. Auch das Durchschnittsalter der Klientinnen und Klienten ist signifikant gestiegen. Mit 50 Jahren liegt es um fünf Jahre höher als 2013.

Funktionsniveau markant gesunken

Unter psychosozialem Funktionsniveau wird der Grad der Teilhabe wie zum Beispiel des Ein­gebunden­seins und der Selbst­stän­dig­keit in ei­ner Le­bens­situati­on oder ei­nem Le­bens­bereich verstanden.

Die Studie stellt fest, dass sich die zunehmenden Mehrfachdiagnosen auf das allgemeine Funktionsniveau der Klientinnen und Klienten auswirken. Dieses sei markant gesunken. Im Alltag der städtischen Wohn- und Obdachloseneinrichtungen äusserten sich die Belastungen in verstärkt depressiven und psychotischen Symptomen.

Gut qualifiziertes Personal gefordert

Die Stadt Zürich ortet Handlungsbedarf. «Entsprechend sind gut qualifizierte Mitarbeitende notwendig, zunehmend auch aus dem Bereich Psychiatriepflege», heisst es in der Mitteilung weiter. Ebenfalls essenziell sei die intensive und übergreifende Zusammenarbeit der beteiligten Fachorganisationen.

Angesichts der zunehmenden Vulnerabilität der Klientinnen und Klienten zeigt sich laut der Mitteilung die Bedeutung für die Stadt, ein wohnintegratives Angebotssystem bereitzustellen, das den spezifischen Anforderungen dieser Menschen gerecht wird.

(bza)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 20. September 2022 13:58
aktualisiert: 20. September 2022 13:58
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