Rätselhafter Fund

Neue invasive Muscheln in der Limmat?

29. Juli 2022, 11:05 Uhr
Die Velos, welche aus der Limmat geborgen werden, sind über und über mit Muscheln übersät. Den Behörden bereitet vor allem eine Muschelart aus dem Bodensee Sorgen.
Quagga-Muscheln werden in der Limmat und im Zürichsee besonders gefürchtet.
© Zürichsee Schifffahrtgesellschaft
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Auf der Fussgängerbrücke über der Limmat beim Jugendkulturhaus Dynamo standen bis vor kurzem noch einige kuriose Fundstücke: Neun Velos, zwei Einkaufswagen, ein Gepäckwagen, ein Bürostuhl und eine Holzkiste. Wer sie allerdings aus dem Fluss fischte oder wem die Gegenstände einst gehörten, ist bis heute unklar. Was allerdings besonders auffiel: Die Gegenstände waren mit unzähligen Muscheln übersät.

«Es ist erschreckend, was wir dort alles finden», sagt Tobias Nussbaum von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) zum «Tages-Anzeiger». Alle drei Jahre gibt es deshalb eine grosse gemeinsame Reinigungsaktion von der Wasserschutzpolizei Zürich, ERZ, Limmat-Club und weiteren Partnern: die Limmatputzete. Aller Voraussicht nach findet die nächste Limmatputzete am 11. November 2023 statt.

Invasive Arten vermehren sich in der Limmat

Dieses Mal waren keine offiziellen Stellen in die Tauchaktion involviert. Von den zuständigen Behörden weiss niemand, wie die Velos auftauchen konnten. Der Abfall im Fluss fördert neben der illegalen Entsorgung auch noch ein anderes Problem ans das Tageslicht. Invasive Arten, die sich in der Limmat massenhaft vermehren.

Quelle: ZüriToday / Eduard Brand

«Die Zebramuschel zum Beispiel setzt sich zu Hunderten auf harte Gegenstände wie etwa Velorahmen am Grund des Flusses», erklärt der Wissenschaftler Piet Spaak vom Wasserforschungsinstitut Eawag weiter. Die Muschel komme ursprünglich aus dem Schwarzen Meer. Vermutlich ist über irgendwelche Boote in den 60er-Jahren in den Zürichsee und die Limmat eingeschleppt worden.

Boote und Paddeln immer abwaschen und sauber halten

Seit 2016 gibt es im Bodensee die vielerorts gefürchtete Quagga-Muschel, die ebenfalls aus dem Schwarzmeergebiet stammt. Diese breitet sich recht schnell aus, weil sie im Gegensatz zur Zebramuschel auch weiche Substrate besiedeln und in viel tieferen Gewässern vorkommen kann.

Vor allem die Quagga-Muschel ist an der Limmat sehr gefürchtet
© TVO

Die für das blosse Auge unsichtbaren Larven dieser beiden invasiven Muschelarten können sich so an Boote, Schlauchboote oder Standup-Paddel hängen und so weiter an andere Orte verschleppt werden. «Wer das Gewässer wechselt, muss die benutzten Geräte oder Boote deshalb unbedingt vorher gründlich reinigen und danach trocknen», sagt Spaak von der Eawag.

Nach Angaben des Awel sind sehr wahrscheinlich auch zwei räuberische invasive Flohkrebsarten mit dafür verantwortlich, dass es in der Limmat einen starken Einbruch der Wasserinsektenbestände gibt, heisst es beim «Tages-Anzeiger» weiter. Besonders gefürchtet ist in der Limmat das mögliche Einschleppen der Quagga-Muschel. Insbesondere weil diese die  Leitungen für die Entnahme von Wasser verstopfen können.

(sib)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 29. Juli 2022 11:05
aktualisiert: 29. Juli 2022 11:05