Nach Attacke am HB

Mit Dragqueen-Begleitservice will Konfetti Klatsch für mehr Sicherheit sorgen

· Online seit 10.02.2023, 08:26 Uhr
An der Zürcher Europaallee kam es am Wochenende zu einer Attacke, bei der eine Gruppe Dragqueens beleidigt und tätlich angegriffen wurde. In der Szene macht der Angriff betroffen. Statt sich zu verstecken, setzt man aber auf einen Begleitservice, der die Drags schützen soll.

Quelle: CH Media Video Unit / Olivia Eberhardt

Anzeige

Auf Instagram kursiert derzeit eine Story, die von unzähligen Profilen geteilt wird. Darin zu lesen: «Aus Sicherheitsgründen bietet Konfetti Klatsch neu für ihre Künstler:innen einen Begleitservice an. Du möchtest uns unterstützen? Dann slide jetzt in unsere DMs. Wir können noch einige freiwillige Begleiter gebrauchen.»

Den Aufruf gestartet hat Cat Lechat, Gründerin von Konfetti Klatsch. Sie hat am Montag von der Attacke erfahren und sich schnell entschieden, Initiative zu ergreifen. Via Instagram startete sie einen Aufruf, mit dem sie Freiwillige für einen Begleitservice suchte. Diese sollen künftig die Künstlerinnen und Künstler, die bei Konfetti Klatsch auftreten, von ihrem Zuhause bis zur Venue begleiten – insofern das die Drags wünschen. «Es kann nicht sein, dass Angst gewinnt, und die Drags sich nicht mehr aus dem Haus trauen», meint Cat. Für eine grosse Kampagne sei ihre Reichweite zu klein, mit dem Service könne man aber direkte Unterstützung anbieten.

Weiterhin mit ÖV unterwegs

Die Idee hat funktioniert: Innerhalb eines Tages haben sich schon über 20 Personen bei Cat gemeldet. Genug, um alle Künstlerinnen und Künstler zu begleiten? «Das wird sich zeigen», meint Cat und fügt an, «wenn nötig werde auch ich im Begleitservice tätig sein». Wichtig ist Cat, dass der Weg weiterhin mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt wird. «Wir wollen uns nicht verstecken, die Drags werden weiterhin geschminkt in der Öffentlichkeit auftreten.» Die Begleitperson soll Sicherheit vermitteln und das in erster Linie psychisch: «Wir sind kein Sicherheitsunternehmen. Viel mehr wollen wir den Drags zeigen: Wir sind da für euch und lassen euch nicht alleine.»

Nebst den vielen Freiwilligen bieten auch andere Stellen ihre Hilfe an. So ist man bei Werners Head Shop auf den Post aufmerksam geworden und spendet Konfetti Klatsch genug Pfeffersprays, um alle ihre Künstlerinnen und Künstler damit auszustatten.

Kein neues Phänomen 

Dass Dragqueens Opfer von Attacken wie am Sonntag werden, ist nicht neu. Erst im Oktober stürmte die Neonazi-Gruppe Junge Tat eine Vorlesung von Dragqueens für Kinder im Zürcher Tanzhaus. Die Attacke vom letzten Wochenende löste in Cat vor allem eines aus: Trauer. «Die Welt, in der ich mich bewege, ist so farbig, glitzerig und liebevoll. Die Geschehnisse vom Wochenende haben mir einmal mehr klargemacht, dass dies nicht überall der Fall ist.» Deshalb hat Cat den Begleitservice ins Leben gerufen, der auch aufzeigen soll, dass es nach wie vor nötig ist, dass Drags begleitet werden müssen.

veröffentlicht: 10. Februar 2023 08:26
aktualisiert: 10. Februar 2023 08:26
Quelle: ZüriToday

Anzeige
zueritoday@chmedia.ch