Kinderspital

Kispi kauft teure Ami-Software statt günstigere Zürcher Lösung

· Online seit 29.01.2024, 07:24 Uhr
Das Kispi hat beim US-Unternehmen Epic ein Klinik-Informationssystem für 51 Millionen Franken gekauft. Der Entscheid fiel zu Ungunsten der Zürcher Firma Cistec, die ihre Lösung für 17 Millionen Franken offerierte. Ökonomen sprechen von einem «Overkill».
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Über das Klinik-Informationssystem organisiert ein Spital seinen Betrieb. Das Kinderspital Zürich will dafür auf eine Software von Epic setzen. Damit schlug das Kispi beim teuersten Angebot für 51 Millionen Franken zu. Die Zürcher Firma Cistec bot ihr System Kisim für 17 Millionen an. Laut dem «Tages-Anzeiger» arbeitet die Mehrheit der grossen Spitäler wie das Uni- oder das Stadtspital mit der Zürcher Lösung.

Teure Anschaffung trotz finanzieller Not

Unter Gesundheitsökonominnen und -ökonomen sorgt der Entscheid für Unverständnis. Von einem «Overkill» und einer «Hochrisikoinvestition» ist die Rede. Die vom «Tages-Anzeiger» angefragten Expertinnen und Experten bemängeln ausserdem, dass mit dem Zuschlag für die Lösung aus den USA viel Geld ins Ausland abwandert, während es bei der Lösung von Cistec hauptsächlich in Zürich geblieben wäre.

Ausserdem überrascht der Zeitpunkt, zu dem das Kinderspital in die teure Software investiert. Im Herbst 2023 warnte das Kispi zusammen mit anderen Spitälern vor finanziellen Schwierigkeiten in der Gesundheitsbranche. Dabei steht mit dem Neubau für 685 Millionen Franken, der momentan in der Stadt fertiggestellt wird, bereits ein teures Projekt beim Kinderspital an.

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Spital verteidigt den Vergabeentscheid

Spitalchef Georg Schäppi steht hinter der Entscheidung für Epic. Deren Software mache diverse Zusatzsysteme überflüssig, was die Gesamtkosten senke. Ausserdem könne das Kinderspital besser von Kooperationen mit Spitälern und Forschungseinrichtungen weltweit profitieren.

Auch seitens der Eleonorenstiftung, welche das Kinderspital finanziert, ist man zufrieden mit der Lösung aus den USA. «Das war die beste Ausschreibung, die ich je gesehen habe», sagt Stiftungspräsident Martin Vollenwyder. Er verspricht sich ebenfalls geringere Gesamtkosten, weshalb ein Entscheid für die Zürcher Lösung von Cistec bloss «teuer gespart» gewesen wäre.

(sda/lib)

veröffentlicht: 29. Januar 2024 07:24
aktualisiert: 29. Januar 2024 07:24
Quelle: ZüriToday

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