Bedenkliche Entwicklung

Villen verschwinden langsam von der Zürcher Goldküste

26. Juni 2022, 18:36 Uhr
Mehrfamilienhäuser dominieren immer mehr das Küstenbild an der Zürcher Goldküste. Einfamilienhäuser und Villen werden stattdessen abgerissen. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung an den teuren Lagen rund um den Zürichsee.

Einfamilienhäuser sind eine der beliebtesten Wohnformen der Schweizerinnen und Schweizer. Jedoch scheinen diese zu einer Art Auslaufmodell zu mutieren. Diese Wohnhäuser werden zunehmend abgerissen, neue hingegen werden immer weniger gebaut, wie der «Tages-Anzeiger» am Sonntag berichtet. Dafür werden vermehrt Mehrfamilienhäuser gebaut. Ein Grund für diese Wohnverdichtung sei die stets wachsende Bevölkerung, heisst es weiter.

Mehrfamilienhäuser sind lukrativer

Eine Studie der Zürcher Kantonalbank (ZBK) zeigt nun, dass diese Entwicklung an der Zürcher Goldküste schneller voranschreitet als anderswo im Kanton. Dabei spielen auch finanzielle Gründe eine Rolle – schliesslich ist aus einem Mehrfamilienhaus finanziell mehr rauszuholen.

Ein Beispiel für die Entwicklung zeige sich an einem alten Doppeleinfamilienhaus mit dunkelroter Holzfassade in Ürikon bei Stäfa, so der «Tages-Anzeiger». Dieses wurde komplett abgerissen und durch zwei Mehrfamilienhäuser mit 14 Parteien ersetzt. Gemäss Verkaufsinserat kostet eine 3,5-Zimmerwohnung etwa 1,6 Millionen Franken, eine 5,5-Zimmerwohnung ist für 2,2 Millionen Franken zu haben.

Horgen und Meilen besonders betroffen

Die ZKB hat berechnet – gestützt auf das Gebäude- und Wohnungsregister des Bundesamts für Statistik –, dass seit 2016 jährlich 300 bis 400 Einfamilienhäuser im Kanton Zürich abgerissen wurden. In rund 70 Prozent der Fälle wurden diese anschliessend durch Mehrfamilienhäuser ersetzt. Neben der Stadt Zürich seien die Bezirke Meilen und Horgen vermehrt von dieser Entwicklung betroffen.

Am linken Seeufer verschwanden in den letzten sechs Jahren über 180 Einfamilienhäuser, an der Goldküste fast 270. Es werden zwar auch neue gebaut, doch reicht das mittlerweile nicht mehr aus. 2021 wurden im Kanton Zürich das erste Mal so viele Villen und Einfamilienhäuser abgerissen, wie neue gebaut wurden. Sollte sich dieser Trend weiterhin so fortsetzen, verschwinden bereits mehr Häuser als neue gebaut werden.

Kinder können sich ihre Elternhäuser nicht mehr leisten

«Diese Entwicklung wird an Schwung gewinnen. Die Region wächst, die Verdichtung nimmt zu und wird politisch auch gefördert. Deshalb werden Einfamilienhäuser noch stärker in den Fokus geraten», so Immobilienspezialisten gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Dies betrifft eben besonders die Gegend rund um die Goldküste. Denn in den Villengebieten, wo die Grundstücksparzellen sehr gross sind, steckt das meiste Bebauungspotenzial. Das hat dementsprechend auch Auswirkungen auf die Preise. Diese steigen bei Verknappung natürlich an. Dies führt dazu, dass viele Kinder sich ihre Elternhäuser nicht mehr leisten können und sich dahingehend zu einem Verkauf genötigt fühlen.

Obwohl Einfamilienhäuser und auch Villen am Zürichsee weiterhin sehr beliebt sind, sinkt der Bestand immer mehr. Doch ganz von der Bildfläche werden sie nicht verschwinden. Aktuell sind es am linken Seeufer noch rund 10'000 einzelne Häuser. An der Goldküste entlang gar 11'000.

(sib)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 26. Juni 2022 18:42
aktualisiert: 26. Juni 2022 18:42
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