Scherrer gegen Galladé

Kantonsratspräsident vs. Nationalrätin: Qual der Wahl bei der GLP

Tobias Matsch, 27. Juni 2022, 06:11 Uhr
Die GLP will einen Sitz im Zürcher Regierungsrat. Dafür gibt die Partei ihren Mitgliedern zwei hochdekorierte Kandidierende zur Auswahl. Welcher Person wird die schwierige Eroberung zugetraut? Politologe Andreas Ladner erwartet einen Grossangriff der GLP.
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Kantonsratspräsident gegen Nationalrätin. GLP-Urgestein gegen GLP-Königstransfer. Benno Scherrer gegen Chantal Galladé. Ende Juni entscheidet die Mitgliederversammlung, wer für die Regierungsratswahlen im Februar 2023 kandidiert. Eine knappe Wahl kündigt sich an.

«Längst fälligen Regierungsratssitz erobern»

«Es gibt für beide Kandidierenden gute Argumente. Mit der gesamten Partei kann man diesen finalen Entscheid breiter abstützen», begründet Politologe Andreas Ladner. GLP-Co-Präsident Nicola Forster ist stolz auf die Auswahl: «Wir freuen uns sehr, dass wir zwei so profilierte Kandidierende gewinnen konnten, um den längst fälligen Regierungsratssitz zu erobern.»

Der Regierungsrat soll also noch etwas grüner und liberaler werden. Dafür schickt die viertgrösste Partei im Kanton Zürich nun die beiden hochkarätigen Kandidierenden ins Rennen. «Sie betreiben diesen Aufwand um zu gewinnen. Sie scheinen diesen Sitz wirklich zu wollen», ist sich Ladner sicher.

«Nicht die dritte Garnitur»

«Beide Kandidaten sind bereits dekoriert. Es ist nicht die dritte Garnitur, die hier aufgefahren wird», sagt Politologe Andreas Ladner. Das Problem: Der gejagte Sitz wird nicht frei sein. Sechs von sieben Kandidaten treten sicher wieder an. Auch beim parteilosen Mario Fehr wird eine erneute Kandidatur erwartet.

«Gegen Bisherige anzutreten ist schwieriger als wenn ein Sitz frei wird. Verteidigen und Herausfordern ist schon eine andere Ausgangslage. Bei einem Rücktritt könnte die GLP diesen Sitz aber für sich beanspruchen», meint Ladner gegenüber ZüriToday. Das tut die GLP bereits über ein halbes Jahr vor den Wahlen.

«Frische Energie in den Regierungsrat»

GLP-Co-Präsident Nicola Forster zeigt sich kampfeslustig: «Die anderen Parteien wollen ihre Sitze ewig verteidigen und haben deshalb die bisherigen Regierungsräte und Regierungsrätinnen überredet, nochmals zu kandidieren». Damit kommen einige Regierungsräte während ihrer Kandidatur ins Pensionsalter.

In der Tat wird Ernst Stocker nachgesagt, dass er nur für die SVP, nicht aber aus persönlichen Interessen, wieder antritt. Da wolle die GLP dagegenhalten: «Wir bringen mit Benno Scherrer oder Chantal Galladé frische Energie in den Regierungsrat». Beide werden es am Ende aber nicht sein. Schliesslich sollen sie sich nicht gegenseitig die Stimmen streitig machen.

«Das entspricht meinem Demokratieverständnis»

«Es ist richtig, dass die Mitgliederversammlung eine echte Wahl hat und diese wichtige Frage entscheiden kann. Bei zwei guten Kandidaturen soll der Wettbewerb spielen», freut sich Benno Scherrer. Auch Chantal Galladé ist von der Methode ihrer Partei überzeugt: «Das entspricht meinem Demokratieverständnis. Es ist richtig, dass die Mitglieder entscheiden.»

Nun entscheidet die GLP-Mitgliederversammlung am Dienstag, den 28. Juni, wer die besseren Chancen auf die Eroberung des Sitzes im Regierungsrats hat. Kantonsratspräsident oder Nationalrätin. GLP-Urgestein oder GLP-Königstransfer. Benno Scherrer oder Chantal Galladé. Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Das spricht für beide Kandidierenden:

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 27. Juni 2022 06:09
aktualisiert: 27. Juni 2022 06:11