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Immobilien-Preise in Stadel ZH knicken leicht ein

Nach Atomendlager-Entscheid

Immobilien-Preise in Stadel ZH knicken leicht ein

· Online seit 06.08.2023, 11:17 Uhr
Seit gut einem Jahr ist bekannt, dass das Atommüll-Lager im zürcherischen Stadel errichtet werden soll. Seither sind Einfamilienhäuser dort leicht günstiger geworden. Es sind zudem aktuell mehr Objekte auf dem Markt. Drastisch ist die Entwicklung bisher aber nicht.

Quelle: ZüriToday / «Stadel wird nicht mehr das Gleiche sein» / Beitrag vom 14. September 2022

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Im September 2022, also vor gut einem Jahr, versetzte die Nagra, die «Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle», die Bevölkerung der Zürcher Unterländer Gemeinde Stadel in einen Schockzustand. Die Stadlerinnen und Stadler erfuhren, dass das atomare Tiefenlager bei ihnen im Haberstal gebaut werden soll.

Zu Sicherheitsbedenken gesellte sich bei Immobilienbesitzerinnen und -besitzern rasch auch die Angst vor sinkenden Preisen. Was, wenn das Haus wegen des Atommüll-Lagers bald viel weniger Wert wäre?

«Ein gewisser Ersteffekt»

Jüngste Zahlen der UBS zeigen nun, dass es mittlerweile tatsächlich einen kleinen Knick bei den Immobilienpreisen gibt, zumindest, was die Einfamilienhäuser betrifft. Dieser liege im mittleren Bereich bei drei bis vier Prozent, sagte Immobilienexperte Claudio Saputelli auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Es sei gut möglich, dass es sich um einen gewissen Ersteffekt handle. Bei den Eigentumswohnungen geht die Preisentwicklung hingegen weiter nach oben.

Kein Knick in den Nachbargemeinden

Zum kleinen Preis-Knick bei Häusern passt auch, dass aktuell mehr Objekte auf dem Markt sind als in Zeiten vor dem Endlager-Entscheid. Im ersten Quartal dieses Jahres standen in Stadel 20 Einfamilienhäuser zum Verkauf. «Das waren so viele wie seit zwanzig Jahren nicht mehr», so Saputelli. Normal seien unter zehn Objekte.

Nachbargemeinden wie Neerach, Bachs oder Höri verzeichnen gemäss den UBS-Zahlen hingegen keinen Preis-Knick bei Einfamilienhäusern. Dort sind aktuell auch nicht mehr Objekte auf dem Markt.

Saputelli relativiert die Erkenntnisse jedoch. Die Entwicklung sei bisher nicht drastisch. Zudem könne nicht abschliessend gesagt werden, dass ausschliesslich das Endlager die Ursache dafür sei.

Kleine Gemeinde – kleiner Markt

Bei Raiffeisen zeigen sich die Fachleute mit Analysen noch zurückhaltender, dies vor allem deshalb, weil die Gemeinde klein ist und Aussagen deshalb schwierig seien. Es sei aber bisher zu keinem Zusammenbruch des Marktes gekommen, hält Raiffeisen auf Anfrage fest.

Die bezahlten Preise würden sich innerhalb der üblichen Schwankungsbreite auf vergleichbarem Niveau wie vor dem Standortentscheid bewegen, so Francis Schwartz, Immobilienmarktanalyst bei Raiffeisen Schweiz. Aufgrund der vorliegenden Daten seien in den letzten Quartalen zudem ähnlich viele Handänderungen registriert worden wie vor dem Entscheid.

Bis aussagekräftige Zahlen über die Preisentwicklung in Stadel und den umliegenden Gemeinden vorliegen, dürfte es gemäss Raiffeisen noch einige Quartale dauern.

800 Millionen Franken Abgeltungen

Das geplante Endlager könnte möglicherweise auch zu einer positiven Entwicklung führen. Dies nicht zuletzt wegen der Abgeltungen, die in der Region verteilt werden sollen. Die Kernkraftwerkbetreiber, die dafür aufkommen müssen, rechnen gemäss einer ersten Kostenstudie mit einem Betrag von 800 Millionen Franken.

Für mehrere Jahre dürfte das Endlager zudem die grösste Baustelle des Landes werden, mit entsprechend vielen Arbeitsplätzen.

Aktuell bereitet die Nagra die Rahmenbewilligungsgesuche vor, die sie bis Ende 2024 beim Bund einreichen will. Ab 2029 werden Bundesrat und Parlament darüber entscheiden. Kommt ein Referendum zu Stande, kommt das Tiefenlager auch noch vors Volk.

Der Baustart ist für 2045 vorgesehen. Etwa im Jahr 2050 sollen dann erste schwach- und mittelaktive Abfälle eingelagert werden. Der Bereich für hochaktive Abfälle soll um etwa 2060 in Betrieb genommen werden. Das Lager muss Abfälle aus AKW, Industrie, Forschung und Medizin für Zehntausende bis Hunderttausende von Jahren sicher einschliessen, bis sie zur Unschädlichkeit zerfallen sind.

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(sda/oeb)

veröffentlicht: 6. August 2023 11:17
aktualisiert: 6. August 2023 11:17
Quelle: ZüriToday

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