Bierbrauer in Bredouille

«Alle Preise gehen nach oben, ausser das Zürcher Wasser»

14. April 2022, 17:20 Uhr
Zürcher Bierbrauer kämpfen mit steigenden Kosten. Wir haben mit Brauereien gesprochen und gefragt, ob jetzt bald das Bier ausgeht und ob der Preis für die Stange steigt.
Bierbrauer haben derzeit mit hohen Rohstoffkosten zu kämpfen.
© Getty Images

Was ist das Problem?

Turbinenbräu-Gründer Adrien Weber bringt es gegenüber ZüriToday mit einem kurzen Satz auf den Punkt: «Alle Preise gehen nach oben, ausser das Zürcher Wasser.» Dafür gibt es einige Gründe. Brauereien in der ganzen Schweiz kämpfen seit längerer Zeit mit einer angespannten Beschaffungslage.

Marcel Kerber, Geschäftsführer des Schweizer Brauerei-Verbandes nennt vor allem folgende drei Ursachen für die missliche Lage:

  1. Die Corona-Pandemie
  2. Die Auswirkungen des blockierten Suezkanals
  3. Der Krieg in der Ukraine

Die Auswirkung: «Bereits vor dem Krieg herrschte eine Knappheit bei allen Rohstoffen wie z.B. Malz, Hopfen, Glas. Die Preise steigen wohl weiter um 40 bis 100 Prozent», erklärt Weber.

Wie schlimm ist die Lage?

Der Turbinenbräu-Gründer erklärt: «Ich bin seit 25 Jahren in der Branche und habe so etwas noch nie erlebt. Schwierig abzuschätzen, wie es sich entwickelt.»

Auch aufgrund der inflationären Entwicklung der Energiepreise verteuert sich die Bierproduktion derzeit drastisch. Die Vermälzung des Getreides, die Herstellung der Würze, die Gärung, die Kühlung und Abfüllung seien alles energieintensive Prozesse, erläutert Gaby Gerber, Leiterin Unternehmenskommunikation bei Feldschlösschen. Die Bierbrauer seien damit innerhalb der Konsumgüterbranche «mit am stärksten» von den gestiegenen Energiepreisen betroffen.

Geht jetzt bald das Bier aus?

Nein, so weit kommt es natürlich nicht. Zu einer Mangellage sollte es trotz den aktuellen Schwierigkeiten nicht kommen. «Da die Brauereien auf langfristige Lieferverträge bauen, ist im Moment keine Verknappung festzustellen», so Verbands-Chef Kerber.

Weber gibt ein Beispiel: «Wir haben die Verträge bereits im letzten Jahr ausgehandelt und unser Lager mit Glas usw. gefüllt. Im Moment geht es deshalb noch.»

Steigt jetzt der Bierpreis?

Das kommt drauf an, wen man fragt. Weber von Turbinenbräu sagt: «Wir mussten die Bierpreise bereits Anfang Jahr erhöhen. Bei den aktuellen Gaspreisen müssten wir das nochmal tun. Das können wir unseren Kunden in der Gastronomie aber nicht zumuten.»

Auch Reto Preisig, CEO der Brauerei Schützengarten weist auf die schwierige Lage der Gastro-Branche hin: «In der aktuellen Phase wollen wir zwar Preiserhöhungen vermeiden, weil solche die ohnehin schon leidgeplagte Gastronomie am härtesten treffen würden», sagt Preisig. Über eine allzu lange Zeit könne man solche Verwerfungen aber nicht alleine tragen.

Wie sich das aber schlussendlich auf den Preis einer Stange in der Bar oder den Kasten im Supermarkt auswirkt, hängt davon ab, ob Bars, Restaurants und Detailhändler den höheren Einkaufspreis auf den Endkunden abwälzt.

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(jaw/mat/sda)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 14. April 2022 18:12
aktualisiert: 14. April 2022 18:12
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