Zürich

Futtertiere tauen auf, weil Post zu spät liefert – tausende Franken Verlust

Dübendorf

Futtertiere tauen auf, weil Post zu spät liefert – tausende Franken Verlust

· Online seit 18.12.2023, 07:52 Uhr
Der Onlineshop von Rico Kunz ist auf pünktliche Lieferungen angewiesen, er versendet gefrorene Futtertiere für Reptilien. Wegen Lieferverzögerungen der Post tauen die Tiere auf und sind unbrauchbar. Die Post erstattet die Verluste von tausenden Franken nicht zurück.
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Rico Kunz betreibt in Dübendorf einen Onlineshop für Reptilienfutter. Dazu gehören beispielsweise auch gefrorene Mäuse, Ratten oder Grillen. Damit die Ware nicht auftaut, braucht es oft eine Expresslieferung, die 20 Franken kostet. Bei dieser garantiert die Post eine Zustellung bis um 9 Uhr am Folgetag – in der Theorie.

Das Problem von Kunz' Shop: Es kommt öfter vor, dass Bestellungen nicht rechtzeitig ankommen, die Futtertiere tauen auf und sind unbrauchbar. «Schäden beim Inhalt werden nie übernommen, so haben wir in den letzten 3 Jahren fast 50 Prozent der Onlinekunden verloren», ärgert sich Kunz.

Post zahlt Porto zurück, aber nur auf Verlangen

Ein Paket mit Inhalt im Wert von 2300 Franken kam beispielsweise erst am Freitagmorgen statt wie geplant am Donnerstagmorgen an. «Die Post haftet laut Ihren AGB nicht für ihre eigenen Fehler, sie erstatten nur das Porto von 20 Franken an uns zurück», schreibt Kunz.

Das mit der Rückerstattung bestätigt auch die Post. «Bei Verspätung von Swiss-Express ‹Mond›- und SameDay-Sendungen wird das Porto zurückerstattet», schreibt Post-Mediensprecherin Silvana Grellmann auf Anfrage von ZüriToday. Der Kunde muss sich für die Rückerstattung allerdings innert 30 Tagen selbst bei der Post melden.

Wenn Witterungsverhältnisse oder Verkehrsbehinderungen die Ursache sind, erstattet die Post das Porto nicht. Das gilt auch für jegliche Ursachen, für welche die Post kein Verschulden trifft.

Hohe Liefermengen führen zu Verspätungen

Ähnlich klingt es bei den Gründen, warum ein Paket trotz Express-Lieferung zu spät ankommen kann: «Beispielsweise aufgrund der Wetterverhältnisse, Zugausfällen, technischen Problemen oder aussergewöhnlich hohen Mengen.» In der Weihnachtszeit stellt die Post mit einer Million Sendungen zudem mehr Pakete zu als in anderen Zeiten.

Mediensprecherin Grellmann unterstreicht aber auch, dass die meisten Pakete rechtzeitig ankommen. Im Jahr 2022 waren es 95,7 Prozent bei PostPac-Priority- und 96,9 Prozent bei PostPac-Economy-Paketen.

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Unnötige «Tour de Suisse» bei Paketen

Auch Mitte Dezember kam es zu einer Verspätung bei Kunz' Onlineshop. Die Post registrierte ein Paket um 8.57 Uhr als zugestellt. Physisch war es jedoch erst eine Stunde später beim Kunden. «Dies ist ein klarer Betrug seitens der Post, da sie die Zahlen beschönigen», sagt der Futterhändler. Dies, da die Deadline für die Zustellung 9 Uhr wäre. Es lasse sich aber nicht beweisen. Wie Kunz berichtet, dementiert der Postbote den Vorfall.

Dazu kommt laut Kunz, dass Pakete von Dübendorf oft einen Umweg machen. Ein Paket mit Zielort Ostschweiz ging laut ihm in die Westschweiz, um dann an der Zieladresse zugestellt zu werden. Die Post konnte zu diesem Fall keine Auskunft geben. Für Kunz ist aber klar: «Wenn das ein Nicht-Staatsbetrieb so handhaben würde, wäre er schon lange Pleite.»

veröffentlicht: 18. Dezember 2023 07:52
aktualisiert: 18. Dezember 2023 07:52
Quelle: Today-Zentralredaktion

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