Freund und Helfer?

«Fühlte mich dreckig»: Zürcher Polizist belästigt Touristin nach Einsatz per E-Mail

Olivia Eberhardt, 6. Januar 2023, 04:38 Uhr
Sarah (19) wird von einem Zürcher Polizisten per Mail belästigt. Zur Mailadresse kam der Mann während eines Einsatzes. Die Stadtpolizei Zürich distanziert sich vom Verhalten und prüft Massnahmen.
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Angefangen hatte die Geschichte am frühen Morgen des 3. Januar 2023. Sarah, die später via Mail belästigt wurde, besuchte gerade Zürich. Wie die 19-Jährige ZüriToday erzählt, kam es um circa 7 Uhr in einem Zürcher Hotel zu einem Vorfall, woraufhin sie die Polizei rief. «Ich erzählte dem Beamten, was passiert war und gab der Polizei meine Daten, darunter meine E-Mail-Adresse.» Unmittelbar danach machte sich Sarah zurück auf den Weg nach Wien.

Doch damit war der Fall für Sarah nicht zu Ende: «Gegen 10 Uhr erhielt ich eine erste Nachricht des Polizisten, auf die ich zurückschrieb.» In dieser ersten Nachricht schrieb der Polizist, dass er der Frau gerne einen guten Rat geben würde, wenn sie dies denn wolle.

Es folgten weitere Nachrichten, die die junge Frau irritierten. Während sie im Zug in Richtung Heimat sass, realisierte sie, was ihr eigentlich widerfahren war. «In seinen Nachrichten gab mir der Polizist unterschwellig Schuld an dem, was passiert war. Ich fühlte mich dreckig. Mir gehts auch jetzt erst langsam besser.»

Vorwürfe und Annäherungsversuche

Was war passiert? Der Polizist warf ihr vor, sich zu aufreizend zu zeigen, und nahm für sich in Anspruch, ihr Auftreten generell beurteilen zu können. «Weisst du, was junge Männer sehen, wenn sie dich anschauen? Eine Sexbombe! Der Männertraum!», schrieb er ihr. «Und wenn dann der Innerschweizer Italo das sieht, dann ist er hin und weg.»

Damit nicht genug. Auf die Vorwürfe folgten Annäherungsversuche. Seine «prüden, ausgetrockneten Arbeitskolleginnen mit ihrem Getue» gingen ihm auf die Nerven, schrieb der Polizist weiter. «Wer würde die auch nur mit einem Stock anfassen? Niemand!» Stattdessen solle sich Sarah doch bei ihm melden, wenn sie wieder in Zürich sei: «Ich habe frei. Kannst also die Sau rauslassen und bekommst keine Standpauke.»

Sarah will Polizisten anzeigen

Sarah entschied sich, Ausschnitte aus der Unterhaltung auf Tiktok zu veröffentlichen. Daraufhin meldete sich die Kommunikationsabteilung der Stadtpolizei Zürich bei ihr. «Ich erlebte die Kommunikationsverantwortlichen als sehr hilfsbereit», erzählt Sarah. Ihr wurde versichert, dass der betreffende Polizist auf jeden Fall Konsequenzen für sein Verhalten werde tragen müssen.

In einem nächsten Schritt will Sarah Anzeige gegen den Polizisten Anzeige erstatten. «Ich will das tun, obwohl ich beim Gedanken, wieder nach Zürich zu kommen, ein sehr ungutes Gefühl habe.»

Trotz der negativen Erfahrung. Ganz verloren hat Sarah den Glauben an die Polizei nicht: «Ich gebe nicht der ganzen Polizei die Schuld dafür. Leider gibt es aber immer wieder Idioten.» Auch bereut sie es nicht, den Vorfall auf Tiktok öffentlich gemacht zu haben. «Ich hoffe, dass ich es dadurch einfacher haben werde, den Polizisten anzuzeigen.»

Stadtpolizei Zürich distanziert sich

Auf Anfrage von ZüriToday heisst es von der Stadtpolizei, dass man auf Twitter vom Vorfall erfahren und umgehend reagiert habe. Die Angelegenheit werde derzeit intern abgeklärt. Was dies konkret bedeutet, wird noch offen gelassen. Allerdings: «Es haben bereits Gespräche stattgefunden und wir prüfen personalrechtliche Massnahmen in Bezug auf den Mitarbeiter.»

Man distanziere sich in aller Form von diesem Verhalten, das in keiner Weise dem Standard entspreche, den man von seinem Mitarbeitenden erwarte.

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Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 5. Januar 2023 13:49
aktualisiert: 6. Januar 2023 04:38